Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1848)
- Date
- 1848-04-30
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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143 der hebräische Sprachunterricht vernünftig in den wohlerganisirten Schulen erthrilt, wozu wir jetzt Lehrmittel besitzen, und so die Jugend den Winkellehrern entrückt würden, so geht diese Provinz einer großen und raschen Zukunft entgegen. vr.Göppert in Gnesen undGolkstem in Posen dürften wohl den übrigen so bedeutenden Gemeinden, wie Lissa, Kawitz Kroroschin rc. als Muster dienen, wie nur offene und entschiedene Charaktere das Gemeinde» und Jutcnhcil fördern können, und werden für ihre Rabdinate Männer des ungetheilten Fortschrittes wählen, die der so bewcgren und rm Fortschritte begriffenen Zeit würdig zum Frommen des Judcnthums vorstchcn können. Stellung der Juden. Berlin, April. — Die Volfi'chc Zeitung von beute bringt folgenden Artikel: Es war von jeher das Loos der Juden, raß die schlechten Handlungen Einzelner der Gcsammthcit amgebürret, raß jene Individuen, welche eben nur den Auswurf der Gefammt» teil bildeten, als Muster derselben betrachtet und riese danach bcurtbeilt und gcschmähct wurden. In neuester Zit sind Aeußerungen, welche einzelnen wenigen Juden oder ehemaligen zugeschricben werden, wiederum als Ausdruck der Gesinnungen der Iudeiihcit betrachtet worden. Möchten doch diejeni cn, welche riese irribüiiiliche Meinung gefaßt haben, sich die Mühe nehmen, die Gesinnungen der Inden im Kreide ihrer Bekanntschaft zu ermitteln. Sie würden sinken, raß Niemand jene Acuße.ungcn mehr mißbilligt. Nemand darüber mcbr entrüstet ist, als die Jude». Die Juden haben stets und in allen Landen die ihnen lang vorcnlhalt.nc Gleichheit res Rechts, die Befreiung von der lange stc drückenden Acchiung nur auf gesetzlichem Wege durch den Gerechtigkeuosiuii der Fürsten und Regierungen, niemals aber und m keinem Lauvr durch Gewaluhätigkeitea zu erlangen gewünscht orer versucht. Die Juden haben stets zu den treuesten llnterthanen res Königs und res Vaterlandes gehört. — I. Un* parihcmchc Blätter werden um gefällige Aufnahme dieses Aufsatzes geberea. Nachschrift. Wenn die Liberalen obige Loyalitätsadrcffe sehen und die Juden der feigen und servilen Gesinnung beschuldigen sollten, die im Widerspruch mit ganz Dcutschlanv den Gercchtiz» keitssinn der Fürsten und Negierungen so hoch anprett'en, so mögen sic nur den ersten Th eil obigen Aussatzes beherzigen, daß die Meinungsäußerung eines ftrrn I. nicht der Gcsammtheit ausgebürvct werden dürfe. Was den Schlußsatz anbelnffr, io muffen { die Juden die gewaltsame Bcsreiuiiz vom Joche rcS alten Re» } giments gleichwohl als einen gesetzlichen Weg betrachtet baden,! indem sic an dem Freiheitskampf deS 18. und 19. März brav Antheil nahmen und die Berliner Juden gegen diese Theilnahme nichts weniger als protcstirt haben. K. Die kleine Judenverfolgung. Berlin. — Die Juden scheinen der Sündcnbock zu sein, den sich zum Theil die Feinde der neuesten Zcitrichtung zum Opfer erkoren. Auch hier in Berlin möchte seit der stattgehabten Staatsumwälzung die Gegenpartei, die Partei nämlich, die „nichts lernt und nichts vergißt", den Kampf, dem sie so ziemlich unterlegen ist, auf die Juden ablcitcn. Diese Parthci möchte ihr Bcvormun. dungS. und Vcrdumimingsspstem, das sic bis dahin über die Völker ausgedehnt, bemänteln mit dem Vorwände: die Juden hätten an der Revolution und an dem ganzen Nothstanbc der Arbeiter schuld. Wäre Erstcrcs der Fall, so müßten wir den Juden Dank sagen, denn durch die Revolution sind wir freie, mündige deutsche Männer geworden. Ich vertraue auf den gesunden Sinn der Arbeiter, daß sie weder das Eine, noch das Andere glauben werden: wir schreiben von den Juden ebenso wenig unfern Nolbstand her als unsere Revolution. Den Nothstand haben wir mehr in der schlech» tcn politischen und socialen Ordnung, in der wir bisher lebten, und in falschen und verkehrten Verwaltungsmaßregeln zu suchen, j und wir können rncht eine großartige Volksbewegung, die fast über! die ganze gebildete Welt sich erstreckt, den Juden beimcssen. lieber» Haupt ist cs recht lächerlich, jetzt wieder zwischen Jnren und Chri» sten Feindseligkeiten zu schaffen und Scheidewände aufzustcllen; davon muß keine Spur mehr bleiben! Wie gesagt, sie, die gegen die Juden zu Hetzen versuchen, sic. dw vor der Revolution obenan waren, sie sind eine der Ursachen res Rothzustandes der Arbeiter; ihr Vcrdumnnmgsspstem durch Pfaffen und bevormundendes Be» amtrnwcsrn, ihre thcure Staatsverwaltung. dieses Alles — war wohl IM Siaudc. die Arbeiter auszubcuteu lind sie bis zur jetzigen Stellung hulabzuoruckcn. lArbeitcr-Zcitung.) Versammlung iw der Brlchhändlerborfe. Leipzig, den 1. April. — Gestern fand hier die rn der vorigen Nummer angekündigte Versammlung zur Bcfpre» chung der an die deutschen Volksabgcordncten zu Frankfurt a.M. gerichteten Zuschrift in der Buchhändlerbörse statt. Männer von sechs verschiedenen Eonfcssionen, unter diesen Geistliche von jeder Conscssion, hatten zu dieser Versammlung aufgefordert. Der große Saal der Duchhändlrrbörfe füllte