Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1848)
- Date
- 1848-04-30
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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144 5$ trat üu’*r5rt!fata?a snfc rtfüatJssfBfccn Zuhörern. roa Glre- ■tern ter verschiedenen kirchl-chen Gemeinschaften. Der Unterzeich, stte dearüßre freudig frif 5eranj!alBn;j alS fine felieae und ungewöhnUche. denn die 'rüder feindselig geschiedenen Con'esssonen feien hrer wredlich und hrüderlrch vereinigt, um eia gemeinschafrlrcheS h:£.i$c* Seit zu fördern, t?e:$e* zun: Segen für ganz Deutschland antersemmen worden fei. Sie üder den verschredenen Gauen unseres Vaterlandes sich jetzt ein Feldzeichen erhehe und eine Fahne wehe, so solle fortan auch üder den verschiedene» Lonsesstonea sich eis s»!dzeichea erheben, der Lrler der Freiheit, und eine Fahne wehen, die Fahne deS Friedens. De. Fricke verrheikigre dre Freideik derKirche und der Religion. Die Innerlichkeit der Religion dulde keinen Zwang und tnüne ß-- feuiltS gegen jeden Eingriff deS Staates in die Freiheit drSGlaudenS und Gewissens verwahren: man müsse jetzk kräftige Schn'cre thun, um die Kirche nicht ferner den Händen der Staats minister zu überlassen. Dre deßhalb nörhige Trennung der Kirche vom Staate könne zwar als gefährlich, besonders für die Krrche selbst erscheinen. Man könne fürchten, wenn keinerlei äußerer Zwang an d.e Kwchc dinde, daß raun erne deklagenSwerthe Gleichgültigkeit für die K.rche e.ntreren werde. Der Redner zeigte dagegen, daß d:e erzwungene kirchliche Theiluahme und Betheilizung demBelen der Kirche und Religion ganz und gar widerspreche. Schon jetzt hätten wahrhast religiöse Geu.ur:er dir Leche und Erhebung drr kachlrHen Handlungen und Versammlungen gesucht. rächt weil d.eS bürgerlich vorlheihan und nothwendiz ''ei, sondern weil sie sich innerltch dazu getrieben gefüllt darren. Dieser innerliche Drang wurde sich jetzt um so freier und inniger äußern, da man die religiösen Zeierlichkeüen nur um chrer selbst will.« suchen werde. I» Bezug au' dre i Israeluen dedaurrele l'r. Fr.cke: ,Haben die Juden Christum einmal gekreuzigt, so haben die Christen die Juden m.llronenmal gekreuzigt." Es sei Zeit, daß d.e Christen ern tauseu:jä::»geS Unrecht wieder gut machten und den Lnge'eindeten d:e Hand der Versöhnung döten. Der rewr.mrte Pastor Blaß weS -in aus die großen und wichtigen Folgen, weiche sich an dre Verwirklichung der ln der Zuschrift emhallcnen Grundsätze knüpfen würden. Man könne vcl fürchten, adcr auch drei hoffen; die Hoffnung ader sei größer als dre Furcht. Bon der Trennung der Kirche vom Staate könne man Gleichgültigkeit, Zersplure.! runz und Atheismus erwarten; von dem allen ader hoffe er daS z Gegeutdeil: denn brSher habe der Zwang jene Ucbel derdeige-! führt. Die Freiheit werde größere Religiosität, wahre Bereinigung! und inn.gc GoiteSoerehrnng Hervorrufen. Rector I. Seil nannte den bisherige» Schutz deS SraareS eine» unerträglichen Zwang, der die größten ÄißheMgke.ten erzeugt habe, und hob desonderS hervor, daß diejenigen Kirchenlieder, weiche nur um der dürgerlichen Rordwenvigkelt willen und zugleich mit Widerwillen im Herzen sich in dw kirchliche Ordnung gefügt, der Kirche in Wahrheit n:cht angehört hätten. Luch dieser Redner rühmte eine allgemeine Bereinigung alS d.e Frucht, welche w:r vom Baume der Freiheit brechen würden, und shrach sich zuletzt zu Gunsten der Israeliten auS. Der israe'jtische Prediger Jellinek demerkte, daß er um so mehr von den grausamen Iudenver»»!- gungen adsehen könne da t:e vorhergehendenRcdner berrrt» d:e Geschichte hätten fvrecheu ka^en. B?rt freudiger Erhebung rrchtk er ''eme Blicke auf die große Gegenwart und Zukunft: da lehe er alle Borrechte der verschiedenen Glaubensbekenntnisse aufgc- Hoden: er »ehe Frieden und in drefem Frieden werde sich dre Freiheit entfalten: er sehe Freiheit, und in dieser Freiheit werde der Frieden feste Wurzeln fchlagen. denn, w-.e die Zuschrift sage: ..Seine Freiheit orne Frieden l Kern Frieden ohne Freiheit!" Er nannte die gegenwärtige Versammlung eine Thalsache, welche nicht mehr auS dem Buche der Geschichte gerügt werden könne, sondern vielmehr mit neuem dichte die Zukun't erhellen werke. Der deutsch-katholische Pfarrer Rauch legre der Versammlung dringend den Wunsch anS Herz, daß sie alS die erste nicht auch a!S d:e letzte dastehn möge; man möge sich ö'.'er wieder zur'ammenstnden und dazu de'.t'ragen, daß die con'esssonellen Ärßvcrständmne immer mehr he'"e:kigl würden. Dre kurze Zeit war enn'chwunden. daher mahnte nun der Nnrertelchnetc ^um Schluffe, w sehr er andernrheriS wünschte, daß die Diunoen ,o friedlichen Beisammenseins nie sich endigen möchten. Im Hindlrck auf die große Bedeutsamkeit der Versammlung und auf d:e Folgen, welche sich an die »Zuschri't" knüd'err konnten und möchten, kor« dertc derfelhe die Bermmmelken auf, ihre Zuschrift mit einem feierlichen gemeinscha'tlichen SegenSwunschc zu hegleiten, »DaS walte Gott l-« 3uS der Beri'ammlunz erhöh sich noch eine einzelne Stimme über die Ernancivaiion der Juden. ES ist ern Ärßverständniß. wenn wir von kirch l.chem und religiösem Slandrunkre die völlige dürgerliche Emanewac-on der Juden dean.ragt Haren sollen. Die'e Angelegenheit gehört in die dürgerliche und staatliche Gesetzgcdunz. Lher die Relig-.on, alS daS Band, welches alle Ncn'chen mit dem einen Gore verdindet. kann nicht ferner dulden, daß um ihretwillen irgend lemand dürgerlich zuwückgefetzt oder vorgezogen werde. Luch erhedt man ia gegen d e Juden mcht re.igiose, sondern dürgerliche Bedenken: man will sie Nicht deßhald vom SlaniSdürgerrdum ausgeschlossen daden. well sie an ernenGolk gl nahen und B»o>'eS a'.S dessen gewtzgedenden Provheren rerehren? >'ondern weil man sie als ge'ährlich 'ür Handel und Gcwerde erachtet. Dagegen ader schließen d:e Gesetze die Juden al-S mofaifche Glaud. nSgenossen anS. DaS ists. w.:S der Religion m.hk gemäß ist und daher verlangt die ,Zuichrlft" : um ihres GlaudenS willen fallen die Israeliten vom Staate nicht ausgeschlossen werden. Hat der Staat 'onst noch Bedenken gegen d:e Zulassung der Juden: nun wohl, «o 'vreche er die'e Bedenken offen ai:S.'verherge dieselden ader nicht k irrer einem weiten, und daher ''ehr deqemen Deckmantel: ::eReligion diene dem Staate nicht al-S Borwand! Der Staat knüpfe daS Bürgerrecht an rein dürgerliche, nicht an eon'e'sionelle Bedmgunge-.-.' Kurz. Nicht um rhreS GlaudenS willen «eien d'.e Israeliten vom deuissven StaarSdürgerlhume ausgeschlossen, um ihres GlauheuS willen haden sie gleiche dürgerliche Berechtigung und Bef'-rgniß mit allen ühr:.;err Glauhe::Sdekennlnisscn DaS ist die Forderung der Zuschrift, eine Forderung dre keinem Bürger Gefahr droht und sich eden-'o fern hält von icdem Eingriffe ur die dürgerliche Gesctzgedung: ader eS freilich auch entschieden auSwrichl daß sich die dürgerliche Gesetzgedu-.'.z keine Eingriffe in die Ru:g:on erlauden solle. 'So viel wir gehört haden, hat dieBer-ammlung durch ihres Ernst und ihre Feierlichkeit auf alle Gemükher einen erhedevdes Emrruck gemacht. Bköchlen nun auch in andern Städten Deutschlands. in'denen verschiedene Eonfc,nonen vertreten sind, ähnliche Versammlungen zu Stande kommen! Die Einigkeit Deutschlands wurde dadurch am meisten und am innerlichsten gesördeN unv zugleich die Gründung erner deutschen BolkSkirche am krakligste» angedadnt. Wohlan, christliche deutsche Brüder, legt die Haud an'S Werk! Jetzt, letzt ist es Zeit zu wirke»! Vertag rer I. S. Hermaan'scheu Buchhandlung i» Frankfurt a. M. - Druck von Frl.d. Krähe i» Ostendach.