Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 17 (23.4.1848)
- Date
- 1848-04-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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135 vcr iiraeliüföcn Preußen verletzt, als raß düs Gesetz, aus dem j noch genügend tcr mittelalterliche Geist mit seiner eisernen drücken»! den Hanv uns anstrcrt unv unangenehm berührt, uns je lieb, über-! Haupt für die Gegenwart heilbringend werden könnte. Wir be.! dürren gar keines Gesetzes, außer den Landesgesetzcn, höchstens einer Synagogen-Gemeinde-Ordnung; denn gleiche Pflichten erheischen gleiche Rechte und Gesetze. Bieten aber die äußern Gemeinde-Angelegenheiten Schlestens dem Bcurtheiler etwas Unerquickliches dar, so ist dies bei Betrachtung der geistigen um so eher der Fall. Schule und Nabbinerthum liegen im Argen und sehen einer bessern Zukunft entgegen. Wer mich kennt, wird mich gewiß nicht des Partikularismus zeihen. Doch aber kann ich nicht der in Nr. 9 des grsch. Israeliten geäußerten Ansicht über konfcs. sionclle Schulen bcipflichten. So lange dre Erziehung der Juden nicht Staais.Angelcgcnhcit ist, der betreffende Ncligionö-Unterricht ganz unv gar aus dem Schulplane gestrichen, den Rcligionslehrern überwiesen wird, eben so lange bleiben diese Schulen KonfcssionSschulcn im wahren Wortsinne, und die in denselben cingeschulten jüdisch», Kinder erfreuen sich gewiß in religiöser Beziehung keines Vorschubes. Sind doch unsere Professoren an königlichen Gymnasien nicht vorurthcilcsrci genug und bringen den einst so wohlklingcnden Namen „Jude" da an. wo er nichts weniger als Ehrt bezeichnend ist, zum, Hohne und;ur Kränkung israelitischer Schüler! Zn uuscrm typhusuns geisteskranken Obcrschlesten eristircn sogar viele bigotte Kreisstädte, in deren Schulen noch Jesus, der erste reformiere Zuec, mit der Dornenkrone prangt, um dem jugenrlichcn Gcmülhe die Leiden Zesu anschaulich, und in Folge dessen den Zurenhaß mit all den Vorurtbcilshkkrcn in den Herzen der Jugend unausmcrzlich zu machen. Wie cs in kleinen Städten und in den Schulen des platten LanveS bezüglich der christlichen religiösen Anschauung ausfleht, ist demnach leicht zu ermessen. Daß bei solcher Bewandniß die allgemeine Bruderunv Nächstenliebe nicht gepstcgt und gegründet wird, versteht sich von selbst. Eher findet sie in rer jüdischen Konfessionsschule die ihr gebührende Pflege und Beachtung und dadurch die einstige Entfaltung zur Umfassung des ganzen AcnschengeschlechteS im Sinne der McfsiaS-Zdee. Uebrigens verbieten sich leider die ConfessionSschulen in unserer, wie in den übrigen Provinzen, außer Posen, von selbst. Theils können diese nicht wegen der Winzigkeit der Juden, die eine Schule nicht gehörig dotireu können, inS Leben treten. thcilS aber tritt die' Regierung deren Entstehung hindernd in den Weg; indem sie zuvörderst den Nachweis einer vorhandenen Nothwenvigkcit fordert, und endlich macht der JndifferestiSmuS und die Unwissenheit der Juden selbst sie überflüssig. Zn demselben Zustande und fast noch schlimmer» ist auS eben erwähnten Gründen das schlesische Rabbincrthnm. Außer Breslau, Nosenberg und Oppeln sind die eristircndcn Nabbinate, thcilS mit Hcrzogthümern, theils mit Schlesiern besetzt, die sammt und sonders aus altem Schrot und Korne sind und weder sich selbst noch ihre Gemeinden aus der lieben altherkömmlichen Gewohnheit rütteln möchten, was ihnen freilich bei dem erwachten und rege gewordenen religiösen Bewußtsein nimmer gelingen kann. Unsere jungen tüchtigen Theologen, welche der Gegenwart angchören und deßwegen sie zu würdigen wissen, finken in Schlesien, wo eben der religiöse Durchbruch bis zum dürftigen Chorgesang gediehen, keinen Wirkungskreis. Wir nennen nur die Kandidaten Ur. Landsberger, Deutsch und Go Idstein. Dem Vernehmen nach soll Letzterer dessen seltenen Ncdncrtalciite ich zu kennen das Vergnügen habcnach Posen kommen. Sind Charakter-Gediegenheit, positives Wifsen, Vortresslichkeit des Herzens, seltene Nednergaben eines Geistlichen, so ist Posen um die Acqnisilion des Herrn Dr. Goldstcin, der diese Gaben im reichen Maße besitzt, zu beneiden. (Schluß folgt.) Wie sich der orthodoxe NabbinismuS zur Wiederherstellung des OpferdiensteS in Jerusalem vor Ankunft des Messias verhalte. (Schluß.) Ausführlicher behandelten wir dieses Thema in unserem Ccrcmonialgcsetz im Messiasreichc S. 77—79, wo wir die Erzäblung aus dem alten Buche Kaptor Waperach, daß N.Chajim Kohen aus Paris mit dem Plane umging, den Opfcrdienst in Jerusalem thcilweise wieder hcrzustellcn, wie auch die schon von Kreizcnach gesammelten Notizen, daß man lange nach der Tempclzcrstörung Paßahlamm opferte, anführten. An die Or^ thodorie richteten wir daselbst die eindringliche Aufforderung, ihren närrischen Kampf und Spielereien endlich fahren zu lassen und mit der Restitution des Opfercultus Ernst zu machen. Viel merkwürdiger, „sagten wir dort," finden wir es, daß während 18 Jahrhunderte vergeblichen Jammers und Klagcns über die Tempclzerstörung und die Unmöglichkeit des Opferdicnstes, die dem religiösen Leben alle Kraft und Bedeutung raube, keine thatkrästige Hand sich regte, den verfallenen Opfcrdienst wieder herzustcllcn. Besonders auffallend finden wir cs, daß in der Gegenwart, wo ein Privilegium hierzu bei der Syrischen Regierung, unterstützt dqrch diplomatische und finanzielle Kräfte MontesioreS, Hirsch, BehrenS u. A., auszuwirken rin leichtes wäre, noch keine orthodoxe Stimmen sich dafür erhoben. Es ist dies ein