Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 17 (23.4.1848)
- Date
- 1848-04-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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134 gehörenden Rabbiner, nur solle cS an den Geldern fehlen; diele könnten leicht durch eine Subscription gedeckt werden, da die Gemeinden kein Opfer scheuen, ihre schlafenden gcifilichcn Oker. Häupter in den Ruhestand zu setzen. Der dringende Wunsch ist eS, diese Pcnffonirung noch vor dem Zusammentritt der würtembergischcn Rabbiner zu einer Synode vorzunchmen, denn sonst könnten die alten Herren unsanft aus dem Schlaf gerüttelt werden. In Stuttgart hat ein Geistlicher mit einigen Notabeln um christliche Gaben für die Armen in Schlesien gebeten. Darauf fragte ein Jude im Schwäbischen Merkur an. ob Gaben von Juden nicht auch ausgenommen würden und hielt den Bittstellern das Ungeziemende ihrer Aufforderung hämisch vor. Einige Tage später erschien vom Stadtpfarrcr Knapp die Erklärung, daß der Ausdruck „christlich" nur eine Redewendung gewesen sei und nichts Exklusives zum Zwecke batte; besonders da von Moses Benedikt die reichste Gabe mit 100 fl. cingckommcn se». Die Wohlthängkeit Benedikts ist fürstlich, bei jeder Gelegenheit spendet sein reiches Herz reiche Gaben seinen leidenden Mitmenschen. Sein Sohn, der Tonsctzer Julius Benedikt, ist in Stuttgart sehr gefeiert worden. Von seiner Tochter, der Frau Dr. Dreifuß sind ,im Berlage von Hallbergcr niedliche Liedcrkomposirioncn erschienen. Diese Dame wirkt aber nicht nur im Reiche rer Phantasie, sie ist die wärmste Freundin und die rechte Hand der israelitischen Daiscnanstalt. Ich muß hier auch die poetisch berühmte Base der Frau Dr. Dreir'uß, die schwäbische Dichterin Henriette Ottenheimer erwähnen, dieselbe sieht, wenn auch seit Jahren ihrer Barcrsiadt entkernt, in sehr nahen Beziehungen zu dcr Heimarb. Ihre Lieder werden gerne in schwäbischen Sangcrkrciscn gesungen. Möge ihr Liedcrsrühling noch viele Lenze in unsere deutschen Gauen tönen. Die Provinz Schlesien und Posen, eine Parallele. Di: Provinz Schlesien sieht in Rücksicht israelitischer Angelegenheircn bei L§ei:em Posen nach. In administrativer Beziehung bedarf rS gewiß keines Beweffcs. Hat ja die Regierung die xckuniärcn Gemeinde-Angelegenheiten dieser Provinz schon vor geraumer Zen geordnet und geleitet, wenn auch nicht im Interesse deS JurcnthumS.' Während Schlesiens Gemeinden eine Ordnung in ihren Verhältnissen nie harten und noch jetzt keine Ahnung von derselben baden, find die Gemeinde-Verbände PosenS» ihre Korporationen. im besten Zustande und ihre Verwaltung eine geregelte. Selbst das neue Gesetz hat auf unsere Gemeindclehrer bis jetzt noch nicht influirt, und dürste unsere Gemeinde-Verwirrung fürder durch die gegenwärtigen politischen Ereignisse nach wie vor in dem unheimlichen Status quo beharren. Doch ganz spurlos ging das viel debattnte Jurengesetz an uns nicht vorüber. Empfinden wir auch einstweilen nicht seine gute Folgen, die ihm übrigens me entkeimen werden, so fühlen wir wenigstens die üblen uns wissen somit, daß ein neues Judengefetz eristirt. Es ist schmerzlich, daß die Natur uns sür's Unangenehme und Böse weit empfindlichere Gefühlönervcn, als für das Angenehme und Gute, das uns etwa hieuieden berührt, verliehen, da doch Erstercs ohnehin m größerer Fülle und Ueppigkeit uns hier begegnet, während Letzteres sehr spärlich uns theilhaftig wird. DieGedurts-, Heiraths- und Sterbcfteucr. welche das Gesetz neuerdings den Juden aufbürdet, mahnt uns ernstlich an dasselbe und bringt es uns oft zum Bewußtsein. Es will uns bedünken, daß das Gesetz die früher so gang und gäbe gewesenen mannichfachen Steuern der Juden, alS: Schutz-, Licht-, Fleisch- und Herraths.Konsenz-Cclser :c. in eine bestimmte permanente Steuer nmgebildet. die den Judcp in seinen drei wichtigsten Lebens-Epochen an seine Angehörrgkcir zum auscrwähltcn Volke erinnern soll. Sie ist aber nun um so drückender, als einmal die jetzige Eemcinre-Anarchie wenigstens seit 1SI2 keine besondere Steuern kennt, dann aber ist die quasi. Steuer ganz dem Ermessen des Richters, der die Ecburts-, Skerbc- und Heiraths. Register der Juden führt, anheim gestellt. Dieser kann den bctrcssenren israelitischen Bürger nach Gutdünken in ein beliebiges Sreucr-Rubro einordnen, was gcwtß zum Vorthcrl der Justizdcamtcn, denen hierdurch eine schöne Revenue geworden und zum Rachrherl der Juden geschieht. Die schlesischen Juden sind aber nicht gewillt, diese neue gesetzliche Dürre, welche ohnedies besonders bei Skerbcfällen durch Schikane des Registrators höchst drückend wird, wo das verwundete Herz und aufgeregte Gemüt) nicht nur an die Meldung und deren pedantischen Formen, wenn sie nicht persönlich vom Familienvater gemacht wird, sondern cü an sich selbst vergißt — aus sich so ruhig zu nehmen. Viele Gemeinden werden theils selbstständig. theils aber auch rem Aufrufe des Dr. Phillpxson in ')lr. 10 seiner Zerrung genügen, und die jetzt so in die Mode gekommenen Petitionen um eine, welche die Abschaffung dieser Steuer zum Zwecke hat, vermehren. Wünschcnswcrther und beffcr wäre eS, wenn eine Petition rem in nächster Zukum't vereinigten preußischen Landtage überreicht, jedoch aber nicht um Aufhebung dieser Steuer, sondern dcS ganzen Gesctzes im Namen der israelitischen Preußen perirt würde. Denn dies Gesetz, welches jenem mittel rltcrUchea Entwürfe entkeimt, bleibt selbst nach seiner Umbildung eine drückende Fessel für uns. Die Debatten hierüber, namentlich die von Seiten der Kronvertreter, haben zu tief und zu schmerzlich die patriotischen Gefühle