Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 17 (23.4.1848)
- Date
- 1848-04-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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IBS Die Iudenfrage. Aus Baiera. — Endlich sind die Würfel gefallen! Die zweite Kammer hat Z. VI». ein Adreßemwun, welcher den Wunsch völliger Gleichstellung der Israeliren in allen Verhältnissen zum Staate auSspricht, mit alleiniger Ausnahme der Stimme des kath. Pfarrers Ruland unter großem Applaus der zahlreichen Zuhörerschaft angenommen. Die Abgeordneten Schnetzcr, Echoller, Würth (p. Dekane), v. Hegnenbcrg-Dur, besonders aber Prof. Dr. Edel sprachen sich mit aller Wärme dafür aus und die ganze Kammer hat der Zeit Rechnung ge« tragen. Der König hat bei Ueberreichung der Adresse die Ge- Währung aller Wünsche zugrsagt und cS ist somit statt eines Gesetzentwurfs zur Verbesserung der Verhältnisse der Israeliten ein Gesetz über völlige Gleichstellung mit Bestimmtheit zu er» warten. Fortan werden die jüdischen Dlaitcr nur noch über Kirchliches und Pädagogisches bei uns zu berichten haben. Theoretisch ist derKampf ausgekämpst. Danken wir der Vorsehung. Bei der derfallsigcn Debatte in der Abcndsitzung am 27. Märsprach der Abgeordnete Dr. Edel unter anderm aus: Die Regierung hat auch einen Gesetzentwurf über die Bildung einer kirchlichen Centralstette bei den Israeliten versprochen, aber die Israeliten sollen frei sein und sich selbst organisiren. Damit sind wir, damit werden Tausende von Israeliten nicht einverstanden sein. So lange der Staat nicht allgemeine Lehrfreiheit, wie man es einst in Frankreich nannte, proklamirt, so lange cS noch ein protestantisches Konsistorium und Oberkonsistorium, k. Ordinariate :c. giedt, so lange liegt auch die Errichtung einer israelitischen Oberkirebenbehörde in der Verpflichtung des Staatcs, der roch über das, waS in Synagoge und Schule gelehrt und durch wen es gelehrt wird, nicht gleichgültig sein kann. Die Bildung einer solchen Behörde auf möglichst freien Grundlagen, so daß beide Richtungen der jüdischen Kirche nach Gebühr vertreten sind, besoldet aus Staatsmitteln und gegen hierarchische Uebergriffe vom Staate überwacht: gewährleistet gute Bürger, bewahrt vor Schisma und hebt uns selbst in der öffentlichen Meinung, die ferner vielleicht eine desto strengere Richterin über die äußere Erscheinung dcS JudrnthumS und der Iudcnhcit sein wird. Der Deutsche ist und bleibt auch hierin von den Franzosen und Holländer verschieden. Emanzipationöanaelegenheit. Aus dem Fürstcnthum Waldeck im April. — Kaum ist jetzt eine Bestimmung ausgesprochen, so ist auch schon die Zeit "er Erfüllung da. Vor mebren Wochen nämlich richteten die Juden des Landes an den Fürsten d § Gesuch n» Vorlage eines Gesetzes, worin die bürgerliche und politische Emanzipation der Juden ausgesprochen. Diese Petition war von dem Advokaten Wcumann, Sohn unseres KabinetS- und KammerdircktorS, aus freiem Antriebe verfaßt und den jüdischen Gemeinden zur Unterschrift zugcmittelt worden. DaS war vor mehren Wochen, und jetzt kann ich Jhuen melden, daß mehre Städte und Arolsen an der Spitze selbst die rechtliche Gleichstellung uuserer Glaubcnobrüdcr gefordert, und der Fürst auch bereits die Gewährung rest». eine desfallsigc Vorlage bei den Ständen verheißen hat! — Die Zustimmung der Letzteren ist auch bei dem ächt liberalen Sinne, der selbst unter den waldeckischen Bauern herrscht, nicht zu bezweifeln, und werde ich Ihnen seiner Zeit darüber berichten. Verschiedenes aus Würtemberg. (Verspätet.) Vom Neckar. — Eine unbedeutende Dorfgemeinde bei Klein-Söflingen hat mehre Wünsche an die Kammer gelangen lassen, darunter auch die um Aufhebung dcS HausirhandelS und Beschränkung der jüdischen Handelsfreiheit. Die süddeutsche politische Zeitung hat diesen Ausfall auf die Juden mit Indignation zurückgcwicsen. — Im Beobachter hat „eine Stimme aus Brail" besonders auf die Dringlichkeit der Umgestaltung des jüdischen VorsteherwescnS hingewicscn. Die Kirchenvorstcher werben nur von den Höchstbksteucrten und zwar auf Lebenszeit gewählt; dadurch aber gewinnt die Geldaristokratie die Oberhand, die nicht immer, ja sogar selten, die Aristokratie des Geistes in sich vereint. Darum sollten alle unbescholtenen Gcmeindcangchörige» aktives und passives Wahlrecht haben. Wir zweifeln nicht, daß diese Vorschläge berücksichtigt werden. — Eine „Stimme vom Lande" spricht sich in demselben Blatte über die enormen Stolgcbühren der Rabbiner aus. Da die Mehrzahl unsrerRabbiner rcformgcsinnt ist, so werden sie einer Reform der Stola, die ihnen ja doch wieder ersetzt werden muß, nicht entgegen treten. Der im Zionswächtcr als talmurisch gelehrte, orthodox prädizirtc Rabbiner Herz in Jebenhausen hat die jüdischen Traucrgcbräuche für veraltet und unfern Sitten widerstrebend erklärt und viele Gcmeindcglicder haben von diesem Aussprüche ihreö GewissensrathS Gebrauch gemacht. Möge der Zionswächter vorsichtiger in seinem Lobe sein und die Zcnsurscheerr über die Berichte seiner Korrespondenten fleißiger handhaben, sonst könnten wir noch in die Lage gcrathen, öffentlich gegen sein Lob rcplizircn zu müssen. Man spricht allgemein von der, vom oben beabsichtigten Pensionirung einiger dem alten Regime an