Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 17 (23.4.1848)
- Date
- 1848-04-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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für das Recht blutig kämp'en. die Freiheit durch schwere Opfer uns erringen sollen. Und diese Opfer, die unsterblichen Zeugen unsrer Kraft, unserer Bürde, sie find gefallen für die heilige Freiheit. O, das es die letzten Opfer sein mögen, dw Du von UNS forderst, daß das Heil des Vaterlandes aus ihren Gräbern erblühen und nimmer wanken möge! Scbütte einen lindernden Balsam in d e wunden Herzen derer, die in dem allgemeinen S.ege schweren Verlust tragen, die in der allgemeinen Freude, die von nun an daS gerettete Vaterland durch, riehen wird, allein bekümmerten Herzens dastehen werden. O Du, der Du der Banen Vater, der Bittwen Stütze bist, nimm die Dassen und Bittwen der für das Vaterland Gefallenen in Deine väterliche Obhut und mache sie glücklich in dem erhebenden Gedanken, die Geliebten derer zu ''ein, aus welche das Vaterland mir traurigem Herzen, aber auch mit edlem Stolz Hinblick!. Tilge aus un-'erer «rast jegliches feindliche Gefühl und laß von nun an nur brüderliche Liebe die herrschende Empfindung sein, die alle Kinder des Va:cr!andeS innig um'chl.ngt. Umschwung in Baiern. Von der Saale. „Völlige Religionsfreiheit muß die Lowag fein:' Als ich in meinem jüngsten Monatsberichte diele Worte schrieb, ahn:e ich nicht, daß sie sobald die Losung in ganz Deutschland ''ein würde und noch weniger, daß die Sländekammern ihre Vertreterinnen sein würden. So wird, so muß endlich die Wahrheit »regen! Sre könneu sich übrigens denken, wie diSTbronrede unseres neuen Königs in diesem Punkte »chmcrzlrch überraschend für uuS war! Während überall das Volk mir lauter Stimme ReligionS-reiheit, Gleichstellung, Judenemanzipatiou verlangte, wird unS hier wiederum eine neue Verheißung der Verbesserung, lediglich mit dem Zusatze, daß auch ein Gesetzentwurf zur Organi'arion einer Oberkirchenbehörde verheißen wird. Letztere ist allerdings Bedürfnis und wäre jetzt der geeig. netste Zeirpunkt zu deren Errichtung, aber die bürgerUche Gle-.ch« stellung muß gleichzei.'ig in s Leben treten. Heute habe ich nun die Freude. Zhnen zu berichten, daß unsere Kammer der Reichsräthe in ihrer Adresse, die nur cme Umschreibung der Thronrede ist. zwar nicht weiter geht als diese selbst*), dagegen die Kam. mer der Abgeordneten sich hierüber also äußert: „Möge sich daS L *) Ter hierauf bezügliche Paragraph lautet: „Indem Eure Marcna» die Verbesserung der Verhältnisse der ZsraelrttN und du Organisation der obersten Kircheobehörde derselben beabsichtigen, erfüllen Ällerhöchstdieselhe ein Gebot der Hu. manikät.* von Ew. Majestät angekündigte Gesetz über die Verbesserung der Verhältnisse rer Zsraeliten zu dem höheren Grundsätze der Gleichberechtigung aller Konfessionen und ihrer Bekenner in allen Verhältnissen zum Staat erheben, damit die Gleichheit deS Gesetzes auch der Gleichheit vor dem Gesetze entspreche.^ 3** der Zweiten öffentlichen Sitzung wurde die Adresse berathen und mrt Ausnahme einer Stimme (Pfarrer Ruland in Arnstein) von der ganzen Kammer angenommen. Die Vcrfassungs.Urkunde, sagte er. wisse nur von vier vollberechtigten Konfessionen, es gehe zu weit (?), jede Konfession ohne Unterschied als vollbc» rechngt anzuerkenncn. Wenn auch der größere Thcil der Kammer dieses wolle, so bczwciste er die Zustimmung der Majorität der Ration. Der Staat müsse mit der Kirche Hand in Hand gehen. So meint Ruland noch am 27. März des Jahres 1S4A nach allen össenttichen Demonstrationen, daß Deutschlands Frei, hritsstunde geschlagen habe, nicht ahneud, daß eine Volksfreihrit ohne Religionsfreiheit ein Unding sei. Und da gehört dieser Ruland noch der hellerdenkendcn Geistlichkeit an, nicht jener Abel scheu. Sie können daraus schließen. waS von den letzteren zu erwarten wäre. Doch er ist gerichtet. Die ganze Kammer trat ihm entgegen durch die Abstimmung. Mit besonderem Beifalle von dieser, sowie dm Zuhörern au» den Gallerien wurde das Votum des Pr. Edel ausgenommen. ,Die Adreßkemmissioa. aus den verschiedensten Elementen zusammengesetzt, sagre er, habe diesen Artikel einstimmig angenommen, auch die Kammer ''olle mir der Krone, mit demVolkb dasselbe thun. Freiheit des Gewissens begehre er, die Kirche habe dieses immer zu ost miß. kannt, die Geschichte habe viele blutige Blätter der Znroleranz. Es fei Zeit, diesen Zrrthümern zu begegnen: die Freiheit deS Glaubens solle einen endlichen Siez feiern (allgemeiner, lautschallender Vei'aü). Er erkenne die Zettströmungen der Gegenwart." Gewiß e.n tr'rculiches Zugeständnis, d-un wir gerne unssere Anerkennung und un'ern Dank zollen. Dagegen können wr rhm weniger be:stimmen, wenn er weiter sich auswr ckt: ' Der Staat habe über die Organisation einer Zentralstelle der? Juden einen Gesetzentwurf angckündigt, die Juden aber sollten frei sein und sich seldst organifiren." So schön diew Borte lauten und ,'o lauter Beifall ihnen zu Thcil wurde, wir finden sie weder richtig noch gut. So lange nicht »ür alleKonsesfionen die gänzliche Unabhängigkeit vom Staate ausgesprochen ist. wäre dieses wieder ein Ausnahmsgesetz, und k\ wie in Nordamerika, ist es und kann cS bei uns nicht sein. Sir haben nichts dagegen, wem die Organisation den Juden überlassen wird, aber jedenfalls unter Leitung deS Staates und mit ''einer Unterstützung.