Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 16 (16.4.1848)
- Date
- 1848-04-16
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1 so vorausgegangcn, so würden die Juden hiesiger Gegend, die fast durchgängig von Gewerben und crdcntlichem Geschäftsbetriebe sich nähren, ohne Zweifel völlig verschont geblieben sein. Ja an einigen Ort.n wurden die Juden von den christlichen Ortscinwehncrn förmlich aufgcferdrrt, sich ihnen anzuschlicßen und an dem Krawalle Theil zu nehmen; in dem Orte Mitwitz stellte sich sogar der Vorsteher der israelitischen Gemeinde an die Spitze der Bewegung, vw auch völlig friedlich abgclaufcn ist, indem der Gutsherr Alles bewilligte, was das Volk verlangte, und der Vorsteher erwarb sich auf diese Weise nicht nur den Dank des ganzen Ortes, sondern auch des Gutsherrn selbst, Lessen Eigenthum er vor der Zerstörung bewahrte. Wo sich die Volkswuth gegen die Juden kehrte, da war cs entweder der brutale Ausbruch eines rohen Ucbermuths, durch den allgemeinen Freiheitsschwindel veranlaßt, oder ganz gemeine Plünderungssucht, aus unverdauten communistischen Ideen entspringend. Laut müssen wir cs aber aussprechcn, daß den größten- Theil der Schuld an jenen schmachvollen Exzessen unsere schlechte Gesetzgebung trägt, welche die Juden durch die vielfachen Beschränkungen und Zurücksetzungen, die sic gegen dieselben ausi'pricht, in den Augen der Christen herabsetzt, so daß der Pöbel in seinem Nebcrmuthe sic a'.S völlig rechtlos betrachten und glauben mochte, er dürfe sich Alles gegen die vom Gesetze selbst als Heloten Behandelten erlauben. Hoffentlich wird diese Gesetzgebung bei uns wie -in ganz Deutschland bald ihreEudschast erreicht haben, und der in allen bürgerlichen und politischen Rechten seinem christlichen Mitbürger gleichgestellte Jude auch größere Achtung und Sicherheit seines Rechtes erwerben *j. Von der andern Seite wurde das Volk bisher so sehr unter der Zuwtrnlhe des PotizeistaateS gehalten, daß cS nun. da cs zum Bewußtsein seines Rechtes sowohl als seiner Kraft erwacht ist, in der Trunkenheit und in der wilden Luft di.se seine Kraft zu gebrauchen, leicht zu solchen Gcwaltausbrüchcn gegen die Schwachen und Hülsioscn getrieben wurde. Denn leider liegt cs in der Knechtsnatur, wie ein neuer Schriftsteller sagt, daß sie da, wo es ohne Gefahr geschehen kann, nicht mit Freiheit, sondern mit Brüte'.rrät auftritt. Man hat zwar in einem Orte davon gesprochen, daß der Pfarrer *) So eben bringt mir die Zeitung den Adrrß-Entwurf unserer Abgeordneten - Kammer, in welchem §- S. folgender Maßen lautet: „Möge sich das von Euer Maicsrät angekündigte Gesetz über die Verbesserung der Verhältnisse der Israeliten zu dem höher» Grundsätze der Gleichberechtigung aller Konfessionen und ihrer Bekenner in allen Verhältnissen zum Staat erheben, damit der Gleichheit des Gesetzes auch die Gleichheit vor dem Gesetze entspreche." das Komplott gegen die Juden mitanstiften geholfen habe, wodurch die Verfolgung allerdings einen religiösen Anstrich erhalten hätte. Ali.'.n vor der Hand ist Ließ eine bloße Muthmaßung, die nicht begründet zu sein scheint. Dadurch, daß ich meinen Bericht so lange-zurückgehalten, bin ich in den Stand gesetzt, das Urtheil über unsere Judenvcrselgung aus einer Schrift mitzutheilca, welche dieser Tage erschienen und mit ganz ungewöhnlichem Befalle ausgenommen worden ist. Dr. Eiscnmann in seinen „Ideen ju einer deutschen Reichsverfaffung" sagt nämlich S. 24: »Zur großen Schmach des deutschen Volkes müssen wir aber gestehen, daß die Hindernisse gegen solche Rechte (allgemeine Eewerbsreihcit, Gleichste!, lung der Konfessionen :c.) zum Th eck noch mehr von ihm als von den Regierungen ausgchen. Sprecht unfern Handwerkern, zu denen ich auch gar viele geistige Handwerker zähle, von Gewerbesreiheit und Ihr werdet erfahren, wre reif man bei unS für die Freiheit ist; und wie daS niedere Volk die Emanzipation der Juden versteht, das haben die neusten Ereignisse in Baden, Würtemberg und in Durgkundstadt (Baiern) gezeigt. Ja jedem Deutschen muß die Scham das Blut ins Gesicht treiben, wenn er das Treiben unseres Pöbels mit dem Benehmen der französischen Arbeiter vergleicht. Ein großer Theil unseres nicdcrn Volkes will keine andere Freiheit als die zum Rauben und zum Ausübcn der Brutalitäten. Und lewer gibt cs auch im Bürgerstanre noch gar zu viele, die den Werth der Freiheit nur nach dem messen, was sic ihnen cinbringt. Darum Ihr wahren Freunde der edlen und gesetzlichen Freiheit! Ihr besonnenen und uncigeunützigen Diener der heiligsten Menschenrechte! schließt einen festen Bruderbund, daß die Freiheit in Deutschland trotz Gevatter Strumpfwirker und Handschuhmacher eine Wahrheit werde. Eure Aufgabe ist nicht die unbedingte Opposition gegen die Regierungen, die Pflicht wird Euch im Gegenthcil gar oft gebieten, den Regierungen Eucrn Kops uns selbst Eucrn Arm zu weihen. Scw klug, che vre Reue kommt l" — m — Die Zeitschrift Phönix; Dr. Rießer. Hamburg im April. - Loa hier aus sind zwei Dinge von allgemeinem Interesse zu melden. Die ZcikschrifrPhönir, welche von der Gcstll'chaft für sociale und politische Interessen der Juden gegründet ward, hat mit dem 25. Mär; zu erscheinen ausgehört. — Dr. Ree sagt hierüber den Lesern: Was vor kaum 4 Wochen noch ein Phantom überreizter Einbildungskraft schien. daS ist jetzt lebenskräftige Wahrheit, und zwischen rem 24sten Februar und heute liegt eine Welt. Wie m rm Augen Gottes 1000 Jahre