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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1848-04-16 · Heft 16 (16.4.1848) · page 5

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 16 (16.4.1848)
Date
1848-04-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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125 gen süßer Kraft tretea werden, versteht sich von selbst — unter den gegenwärtigen Verhältnissen sich wird halten können. Der ursprüngliche Entwurf dieses Gesetzes ist bekanntlich auS dem Herr- »chcndcn Geiste und Prinzip des christl:chen Staates hcrvorgcgangcn. und obwohl der vereinigte Landtag die meisten am sichtbarsten hcrvorgctretcncn und darum am gefährlichsten Eonsequcnzen daraus zu beseitigen strebte, so sind rech viele Nachwirkungen des ur« fprünglichen Entwurfs und Prinzips darin verblieben, die als ein Residuum der Unfreiheit der freien Entwickelung dcS Gemeinde. Wesens überall hemmend entgegen treten müßten. Diese einzelnen Nachwirkungen naher zu bezeichnen behalten wir unS noch vor und wollen hiermit nur die Frage im Allgemeinen in Anregung bringen, ob cs nicht heilsamer für die jüdischen Gemeinden Preußens wäre, auf die gänzliche Zurücknahme des unter dem allein herrschenden Einfluß des Ministeriums Eichhorn emanirten Gesetzes anzu» tragen und um die Erlassung eines auf die Grundlage der unbeschränkten Glaubens, und Gewissensfreiheit in der wahren Bedeutung res Wortes (nicht im Sinne drö Tolcranzediktcs vom 30. Marz) sich aufbaucndcn neuen Gesetzes zu bitten? Schon die einzige Thatsache, daß eine der freien Entwickelung deck Iudcnthums als einer in siaalsrechtlichcr Beziehung vollkommen berechtigten kirch. tichea Gemeinschaft feindliche Gesinnung dem Gesetze zu Grunde liegt, muß unsere Bedenken und Antipathiecn gegen dasselbe erwecken, wie die Zuversicht, daß unter den gegenwärtigen Slimmungcn ein auf ganz andern Principien begrüntetes Gesetz zu Staude kommen werde, ein solches uns wünsche,rswerth machen muß. Die Iuderrverfolgungeu in Barer». Aus Oberfranken, Ende März. — Gewiß haben Sie mich schon der Saumseligkeit in der Erfüllung meiner Eorrespondentenxflicht geziehen, geehrter Herr Redakteur, daß ich Ihnen noch keine Nachricht über die in meiner Nähe auSgcbrochcncn Zurcnvcrfolgungcn zukommen ließ, da diese Borfällc, so brtrübcuv sic auch sind, roch daS Interesse aller unserer Glaubensgenossen in hohem Grade in Anspruch nehmen müssen. Der Grund, welcher mich von der Berichterstattung abgchalten hat. war einzig der, daß ich bis jetzt zu unruhig und aufgeregt war, indem gerade meine Gemeinde am härtesten und schwersten von jenen brutalen Ausbrüchen uns Angriffen res Pöbels zu leiten hatte. Nun aber, da ich wieder zur Ruhe gelangt bin. will ich Ihnen sowohl einen getreuen Bericht dcS Hergangs der Sache als auch mein Urtheil über den Charakter jener Verfolgungen nicht langer vorcnlhaltca. Die erste Veranlassung zu den verschiedenen VolkSemcuten, welche in der ganzen Gegend dcS ObcrmainS. in den Landgerichten Culmbach, WeiSmain, LichtcnfelS und Cronach gegen die Mitte d. M. Statt fanden, war die von vielen Jahren her genährte Erbitterung dcö Landvolkes gegen die in dieser Gegend zahlreichen adeligen Gutsherren und ihre Beamten, welche freilich in ihrer Mehrzahl das arme Landvolk, das ohnehin mit schweren Abgaben belastet ist, durch allerlei Ehikancn und Prozesse oft über die unbedeutendsten und zweideutigsten Anforderungen noch mehr plagten und quälten. Gegen diese Gutsherren und Beamten brach daher der Sturm zuerst los, ihre Schlösser wurden dcmolitl und geplündert, und sie mit ihren Familien mußten entfliehen. Nur einige derselben, welche sich beeilten, ihren Grundholdcn die verlangten Eonecssionrn zu machen, blieben verschont. Als nun in der Nacht vom 12. auf den 13. auch in dem Orte Ncdwitz das Schloß dcmolirt und das Amthauü mit der ganzen Registratur geplündert wurde, da wendete sich der vom Frcihcitöschwindcl so wie vom Bairischen Bier berauschte LolkShaufe auch gegen die Häuser der dasigcn Israeliten, warf nicht nur bei fast allen die Fenster ein, sondern drang auch mit roher Gewalt in die Häuser mehrerer Kausteule und raubte und plünderte, was er vorfand; Andere kauften sich durch Austheilung von Geld an das Raubgesindel von der Plünderung loS. Gewaltthätigkciten gegen Personen wurden weiter nicht verübt, bloß der Gutohrrr und sein Beamter wurden thätlich mißhandelt. In derselben Nacht wurden in dein benachbarten Städtchen Burgk und stad t von einer Baude muthwrUiger B,nscheu fast an sämmtlichen Häufe-.n der Iwacliten Fenster und Thüren eingeschlagen, geraubt aber wurde nichts. Am andern Tage wurde wahrscheinlich absichtlich von den Mculcrcrn die Nachricht verbreitet, daß Banden fremden Gesindels im Anzuge begriffe« wären, wodurch die ohnehin schon Gcangstigtcn so sehr in Schrecken gesetzt wurden, daß sehr Viele nickt nur aus jenen beiden Olten, sonder» auch aus re» benachbarten Gemeinden sich und ihre Habe nach den Städten Bamberg und Nürnberg flüchteten, von wo sic jedoch mit Ausnahme Weniger wieder zurückgekehrt sind, nachdem die Ruhe durch kräftiges Einschreiten der Regierung, die zahlrcrchcS Mlirair auS den nächsten Garnisonen requirirte, wieder hcrgesicllt worden ist. Die Untersuchung wird mit Eifer betrieben und zahlreiche Verhaftungen sind bereits vorgenommcn worden. WaS nun den Charakter dieser Judenverfolgung betrifft, die auch an manchen Orten UntcrfrankenS in gleicher Weise Statt gefunden hat, so ist, wie sich auS obiger Darstellung von selbst crgicbt, von eigentlichem NcligionShasse keine Spur dabei zu entdecken. Wären nicht die Wuthausbrüche gegen die Edellcute

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