Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 16 (16.4.1848)
- Date
- 1848-04-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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134 halsen. Gesegnet war ihr Ausgang, gesegnet sei ihr Eingang in daö Reich Gottes, in das Reich rcS LichteS und der Versöhnung, in daS Äeich der Wahrheit und Klarheit, in das Reich der Liebe und Milde. Mögen sic auS dieser Stätte rcr Verklärung herabschauen auf eine Erde, auf welcher Wahrheit und Recht. Liebe und Einigkeit, die Güter, kür die sie gestritten, atö eine Saat des Heiles aufwachscn, und zu einem mächtigen Baum werden, der die versöhnte Menschheit mit seiner reichen Blatterkronc beschattet." ES ist die erste Probe von Hrn. De. Sachsens Rednertalrnt. die der Oeffenttichkeit übergeben worden ist. und wir freuen uns, einen Maßstab für dessen Bemthcilung gewonnen zu haben. ES sind freilich nur wenige Worte, aber die großartige Bedeutsamkeit dcS Moments, dem sie als Ausdruck zu dienen bestimmt sind, gicbt ihnen cm Gewicht, das sonst ein ganzer Band von Predigten nicht erlangen kann, und zumal für den, der sic nicht bloS hört oder liest, sondern sie tief studirt. genügen sie vollkommen, um sich ein Nltheil zu bilden. Wir sind weit entfernt davon, hier auf dieselben näher einzugchen. Wir waren an Ort und Stelle in einer Stimmung. auS welcher wir Hrn. Dr. Sachs, da er einmal die Juden uud das Jutenthum in eine», für beide so entscheidenden Augenblick vertrat und demselben als Organ diente, die prophetifche Rednergabe eines IcfaiaS aufrichtig wünschten. Nur einer Bemerkung wollen wir uns nicht enthalten, und sie dem Leser zur ruhigen Würdigung übergeben. Es geben uns obige Worte Zeug, ruß von dem, waS die Brust dcS Hrn. Dr. Sachs inmitten dcS großen weltgeschichtlichen Ereignisses, auf welches die Augen Deutschlands, ja Europas gerichtet sind, erfüllte, nämlich die Geltend, machung des Gedankens, daß die Religion des Zudcmhums die erste und älteste der Religionen sei. welche Humanität und Drüderlichkcit. daS göttlrchc Walten in den menschlichen Geschicken lehre. Die thcolegrsche Geltendmachung dieser Ansicht gegenüber der christlichen Lehre, daß dies Alles erst mit dem Christcnthum in die Welt gekommen fei. mag auf der Kanzel und überall anrerSwo an rhrem Orte sein. Ob daS Iuoenthum oder das Ehristenthnm zuerst die Welt mit dieser Lehre beglückte, ist ein Gegenstand der Eontrovcrse. der i» der Literatur oder anderswo ausgestritten werden mag. Nur hier, an diesem One und in einem Momente, wo alle Eonsessioncn sich brüderlich die Hand reichen und durch eine welthistorische Thal beweisen, daß die Zree des RechtS und der Freiheit und der Opfcrtod für dieselbe die höchste Zierde der Menschen sei. da dünkt nnS daS Feilschen und Markten um daS Prioritätsrecht kleinlich und unpassend. Hätte der protestantische oder der katholische Prediger vor ihm nur irgendwie eine Aeußerung gethan, daß das Christenthum die gefallenen Helden zu solcher That begeistert habe, dann wäre der jüdische Prediger ia seinem Rechte gewesen, daraus hinzuweisen: Seht, auch das jüei. sche Bekenntniß vermag solche Wunder zu vollbringen. Allein die christlichen Prediger waren nur von der Größe des Moments ergriffen, nur von der reinsittkichen Bedcmung des Ereignisses erfüllt, und haben mit feinem Takt alles Eonfessionellc unberührt gelassen. Deshalb war und ist eS für uuS doppelt schmerzlich, daß der jüdische Prediger jenes polemische Element, die Berührung des alten EtreitcS, ob schon der alte oder erst der neue Bund alles dasjenige, wovon jetzt die Menschen ergriffen find, ans Licht gefördert, nicht zu unterdrücken und sich auf die Höhe der gebildeten Anschauung zu erheben wußte. Die gefallenen Helden sind weder für den alten noch für den neuen Bund ia den Tod gegangen, sondern für die Befreiung dcS deutschen Barer. landeS. für die Befreiung von dem Joche eines RegierungSspstems, welches auf politischem und religiösem Gebiete die Geister knechtete und den freien Aufschwung der Nation durch eine Büreaukratic lähmte. Ihr Tod hat den Geist wieder frei gemacht, und von diesem Gefühle der Freiheit war jetzt zu reden, nicht von jenem „alten, ewigen Bunde", der, so lange er bestanden, die Geister noch niehr fesselte alS das gefallene RegierunzSspstem. Das preußische Iudengcsctz. Berlin im Apül. — Zn der Nacht vom IS. zum 19.März, die als cnpi:* V’V unmittelbar aus die Tage der Finsterniß folgte, hat daSPrincip rcS christlichen Staates eine Todeswundc erhalten, an der cs sich verblutete. Seine Apostel, das Ministerimu Eichhorn, haben kur; darauf dem Ministerium Schwerin das Feld geräumt, und kaum hatte dieses feine Funktionen angctrctcn, als der König die gleichen politischen Rechte für alle Bekenntnisse proklamirtc. Der mehr als dreißigjährige Kampf rer Zuken hat also in dem gewaltigen Strome der Ereignisse, der Deutschland übcrfluthet. einen unerwartet schnellen Sieg errungen, und waS das Erfreuliche ist, er finket sie vollkommen vorbereitet, um reu Sieg zu nützen und dessen Früchte für dcS Vaterlandes Veste zu verwenden. ES werden fürs Erste freilich keine Kandidaten für den eigentlichen Staatsdienst, mit Ausnahme deS Lehrfaches, sich melden, da, unseres Wissens, bisher mrt äußerst geringen Ausnahmen Niemand sich den juristischen Studien gewidmet. Aber wir wellen auch nicht augenblicklich die Früchte vom Baume der Freiheit brechen, und cS genügt uns vollkommen die Möglichkeit, daß an ihm später auch für unS welche reisen werden. Woraus wir sehr begierig sind» ist die Frage, ob daS Zudengefetz vom 23. Zull v. I. auch in seinen die Ordnung dee kirchlichen Derhältnisse betreffenden Thciken — daß die bürgerlichen Bestimmun-