Mannheim
Compact Memory

Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1848-04-16 · Heft 16 (16.4.1848) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 16 (16.4.1848)
Date
1848-04-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2566751-2567071-2567087--3087-2571008
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

LSS Volk wie Hr. v. Vinte gewisse persönliche Antipathien gegen Juden nickt ganz unterdrücken könnte; wir wurden nnS vielleicht uu, jo mcbr freuen, daß cs im Gesiibl des Rechts und der Freiheit Herr derselben würde, weil dieS ein um so größeres Ieugniß abgäbe, daß das Freihens- und Rechlsgesnbl im deutschen Volk zur wab ren Macht geworden. Tie \?iebe kann blind sein, und das Relln siebt klar und deutlich, und ans dem Neckt muß und wird die Liebe schon erwachsen. Wie nun die Sachen liegen, balren »vir uns überzeugt, daß das deutsche Volk eben so bereit wäre, eine judisch e 5» a l i o n a l i t ä t anzuerkennen, wie es die polnische anerkennt, und »nie es bereit, v.llig die Juden in seiner Nationalität ausgehen laßt. Lebten daber im Heizen der deutsche,» Juden gcwisie Sympalhien snr die Wiederbersicllnng einer jüdischen Nationalität, snr die Restauration eines jüdischen Neiches und Köruglhnms in Palästina, sie könnten sich jel/r ohne alle Gefährde äußern und dursten sicher sein, in .Deutschland »vre überall nur ehrenden Anklang zu finden. Unseres Wissens bar sich urile» den Juden, selbst den orlbodorcsten, nirgend ein solcher Wunsch verlauten lassen und ist auch nirgend gegen die organische Einverleibung der Inden in den deutschen Bundesstaat von Seiten der Juden zur Wabrnng des ortbodoren Messiasglanbens ein Protest eingelegt worden. Es mag dies beweisen, mit »velcher falschen Liebeshenchelei, mit »velcher schlauen Sopbistik man unter der Herrschaft des gestürzten Negierungssustems nn angeblichen Interesse der Erbaltiing der jüdischen Nationalität dw deutschen Inden in politisch gesonderte Korporationen einzuschnnren, ans welche gute Art inan sich ihrer los jtt machen suchte. Es ist dies aber auch ein Beweis, wie sehr diejenigen Juden in einem gefährlichen Irrlbnm befangen »varen, »velche glandterr, die Hossnung ans die Wiederherstellung eines selbstständigen jüdischen Reiches lebe im Herzen der deutschen Juden und seine Lehrer begeben einen Verralb, daß sie dem Volke-diesen Glauben entreißen und rbm dafür die verwässerte Idee einer Weltreligion, eines GokteSreichcS re. geben. Namentlich war Hr. Dr. Frankel in neuerer Zeit der Apostel dieser Lehre von dein Wiederaufbau eines j jüdischen Reiches. In seinem Gutachten über den Ham-! burgcr Tempelsireit Orient 18-12 Nr. 8) spricht er mit j großer Salbung davon. „Und die Idee einer Selbstj ständigkcil" — sagt er daselbst — „hat doch so Groß-! artiges. Lebenskräftiges, daß sie der Beachtung eines jeden Edlen und tur Großes Einpsängkicheii nicht nnwcrtb ist. Der Wunsch, daß an einem Winkel der Erde — in Palästina — unsere Volkstümlichkeit wieder frei bervorkrcte urid »vir die Achtung genießen, die nur einem auch durch äußere Macht vertretenen Volke gezollt wird, bat nichts Ungerechtes :c." „Wir »vollen die Ueberzenguug festbalte», die Gottheit babe Großes mir uns vor und »vir dürfen nnS selbst nicht ansgeben." Das nennt H»'. Iw. Frankel: sich selbst aufgeben, rvenn die deutschen Inden auf ibre politische Besonderheit verzichten und nur ihre religiöse Selbstständigkeit wahren. „Und ist diese Idee", fahrt er fort, „nicht »veit jener flachen und inhaltlosen Gesinnung vorznziehen, die, aller selbstständigen A-.nßerung sich erttwöbnend, nirgend Grund und Halt sinder?" „Daß diese Idee nicht mehr lebendig im Volke »valter, dürste cber ei» nachtbeiliges Ieugniß snr das auf daö Materielle gcrichtete und im Materiellen ganz unrergebende Sinnen u»»d Streben sein; daß a»»ch von Seiten seiner Lehrer diese Idee verdrängt und ausschließlich in das fast trariscendenke Gebier deS „Priesterreichs" der „Wclkreligion" des Neiches Gottes hinübertragen »vird, hat sein Nachtbeiliges, da, so großartig auck eine solche Bestimm mrittg ist, sie doch dem größten abeil unbegreiflich bleibt lind l!'u daber im Ausda»ler» und in der Begeisterung herabnimmt :c." Wir haben seiner Zeit die Ansichten des Hrn.!>r. Frankel mit allen uns zu Gebote stehenden Bewoiskr ästen widerlegt und nachgewiesen, »vie in den eifrigen Emancipakiottsbestrebllttgen der deutschen Inden die Hossnung aus eine Wiederbersicllnng eineS selbstständigen jüdischen Reiches längst ausgegeben sei und daß, »vem» die Bitte ni», Verwirklichung solcher längst aufgegebener Wünsche noch in ihren Gebeten cristire, dies lediglich die Folge einer ttnklarbeit des Bewußtseins sei, Inconsegnenzen, »vie sie »m Leben häufig Vorkommen, und cS fei daher Sache und Berns der Volkslebrer, daS Volk »»der das, »vaS eS in Wahrheit wünfckr und erstrebt, über den Widerspruch z'viscke« seinem wirklichen Leben und Aufgehen m der Gegenwart und seinem der Vergangenheit angebörenden Gebetbuch aufzukrären. Wir haben mir aller Schärfe nachgerviescn, daß wo ein lebendiger Wunsch nach Wiederherstellung der geivaltsam zertrümmerten Rationalität, »vie z. B. in den Pole», lebt, der nach

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.