Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 14 (2.4.1848)
- Date
- 1848-04-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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111 l'antfö kämpft gegen ein Volk, daS Euch mit offenen Armen als rechte Kinder aufnimmt? t'a wünschen wir cs, denn Deutschlanr ist unser Vaterland, sei unser Vaterland, sein Glück und Nudm, sei auch unser Glück und Ruhm! ~ ES wird besser Ein jüdischer Großhändler, der unter AbelS Ministerium Jahre lang die Erlaubniß nicht erlangen konnte, in einer größeren Stadt seinen Wohnsitz zu nehmen, hat unter dem gegenwärtigen sie erhalten. — Es wird besser! Die Wendung der Dinge in Deutschland eröffnet schöne Aussichten. Die Städte Nürnberg und Bamberg haben in ihren Adressen auch die „Religionsfreiheit^ mit ausgenommen. Aber ich möchte den bapcrschcn Juden raihcn, sich daraus nicht zu 'verlassen, daß sie, ins Schlepptau genommen, mit hinüber kommen, denn viele andere Städte schweigen davon und da Ln den nächsten Tagen ein neuer Landtag in Aussicht steht, fo wären Schritte von ihrer Seite das Dringendste. — Die Indenfrage in Schweden. Wir thcilcn hier den interessanten Antrag dcS Herrn GrossircrS Warn, in Betreff dcr Stellung der Juden und ihrer politischen Rechte, mit, welcher wohl unserer Aufmerksamkeit werkh ist. „Da cs eine unserer Hauptpflichten ist, als Repräsentanten auf diesem Reichstage die Gesetze zu verändern und zn verbessern nach dem Maaße, wie die Eultur steigt und die Verbüktküsse sich umgcstalte», fo wie darauf zu sehen, daß nach unserem besten Vermöge» das Wohl des geliebten Vaterlandes befördert werde, so darf und kann cs unserer Aufmerksanlkeit nicht cntge. ' en, daß viele von unser» Landsleuten, die mit uns allen bürgerlichcn Pflichten unterworfen sind, durchaus nicht im Genuß aller der. mit riesen Pflichten für alle andern, als sie, verbundenen Rechte sind. Ein Theil dieser Rechte sind ihnen in Folge der Bestimmungen dcS Grundgesetzes entzogen und jeder Antrag in Bezug auf eine Veränderung hierin liegt demnach außerhalb dcS Bereichs des Plenums der Stände, und dcßhalb erstreckt sich mein Antrag nur auf den Wunsch einer Veränderung in den Bestimmungen dcr öconomischrn Gesetzgebung, welche die allgemeinen bürgerlichen Rechte unserer Mitbürger mosaischer Religion beschränken." „Alö Beilagen zu meinem Anträge füge ich gchorsamst die Petition dcr mosaischen Glaubcusgcnoffc» an den König und das Gutachten des Commerzcollegii darüber, so wie die von dem genannten Collegium, von den Prosrnziatverwallungen und Eonsuln cingcholten Gutachten, endlich auch eine Abschrift der höchst schmeichelhaften Zeugnisse über die Holländer mosaischen Glaubenöbekenntniffes bei, welche die holländischen Minister denselben in Veranlassung eines von dem dortigen norwegischen Eonsul an die norwegische Regierung ergangenen Berichts crthcilt haben. Man wird daraus die glücklichen Wirkungen ersehen, die sich überall gezeigt haben, wo die Unterthanen dcS mosaischen Glaubensbekenntnisses mit andern Bürgern gleiche Rechte erhalten haben; so wie insbesondere das vorlhcilbaftc und sehr rühmliche Zcugniö kennen lernen, welches den schwedischen Bürgern dcS genannten Bekenntnisses von den Provinzialvcnvaltungen crthcilt worden ist. Ich gehe jetzt zur Widerlegung der wichtigsten Einwendungen über, welche gegen die Verleihung gleicher bürgerlicher Rechte an die Juden erhoben worden find, so weit diese Frage bei den vorhergehenden Reichstagen von den Ständen geprüft ist, oder von den vorbenannten Provinzialregicrungcn berührt worden. Diese Einwendungen betreffen entweder die Religion oder die Nationalität dcr Mosaiten. Man hat ihnen eine eingefleischte Neigung zum Wucher und znm Schachcrhandcl und auch einen angcborncn größeren Scharfsinn und Hang, sich in Alles zu mischen, zngcschriebcn, so daß man in kurzer Zeit alle Gewerbe in ihre Hände gebracht und alle Industrie bei den übrigen LandcSkindern untergraben zn sehen fürchtete. Die Haupttheilc dcr mosaischen Religion sind Glaube. Liebe und Hoffnung, und ibrc Moral ist, wie ich schon gesagt habe, dieselbe wie die unsrige, und wurzelt in den von Gott gegebenen 10 Geboten; daraus kann also keinerlei Vorwurf gegen sie abgeleitet werden. Auch hat man nie die Religion selbst getadelt, wohl aber in blindem Fanatismus gesagt, daß cS dieselbe war, zu dcr die Verfolger Christi sich bekannten, dessen Leiden daher an ihnen gerächt werden müßten; nicht bedenkend, daß man durch diese Rachelchrc sich desselben Fehlers schuldig macht, den man rügen wollte, des Fehlers der Unterdrückung und res Hasses gegen Andersdenkende. Es ist wahr, daß in demselben Verhättnlffc, in welchem die Lehre dcS Christenthums reiner wurde, diescVcrsolgungcn aufgehört haben. Man wüthit jetzt nicht mehr gegen die Juden mit Feuer und Schwert, aber man fährt fort, sic zu unterdrücken und sic ihrer bürgerlichen Rechte zu bc- Jch glaube nicht, daß cs jetzt noch irgend Jemand giebt, welcher der Religion weg« riese Ungerechtigkeit fortbestehen lassen will, aber man verweigert dennoch die Emancipan'on ans angeblichen politischen Gründen und führt unter diese» Gründen