Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 13 (26.3.1848)
- Date
- 1848-03-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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103 deutschen Volke gefunden, außer allen Zweifel gestellt. Allein die Stimme der Volksvertreter, denen bis fetzt nur ein gesetzlicher Beirath zustcht, verhallte an den Stufen des Thrones. Die Zudcn mußten sich vorläufig in ihr Schicksal finden. Hatten doch andere wichtigere und glühendere Wünsche des Volkes bis jetzt ihre Erhörung nicht gefunden! Von der Zukunft mußte man unter andern auch die Verwirklichung dieser Rechtsforderunz hoffen. Neben manchen materiellen Vorthcilcn ist daS Gesetz vom 23. Juli im Ganzen ein principicllcr Rückschritt gegen das Edict von 1812, das einem frciern politischen Geiste seinen Ursprung verdankte und Hoffnungen in seinem Schooße trug, welche das Gesetz vom 23. Juli anscheinend für lange Zeit knickte. — Von dem wohlgemeinten Rathc, der in diesen Blättern gegeben worden ist, sich über diesen Rückschritt beim Bundestag zu beschweren, mochten die Preußischen Juden, weil kein praktischer Erfolg zu hoffen war, keinen Gebrauch machen. Die Einsichtigen unter ihnen betrachteten den durch das neue Gesetz hcrvorgerufcncn gesetzlichen Stand der Dinge nur als einen provisorischen und als einen Ucbergang zu einem festcrn Rechtszustand und mußten ihn im Hinblick auf so viele andere unerfüllte Wünsche, die das Vaterland durchzuckten, als solchen betrachten. — Läge nur die Hoffnung etwas näher, die wackcrn Volksvertreter bald wieder um den Thron versammelt zu sehen, man würde der Zukunft viel getrösteter entgegen gesehen haben. Diese Hoffnung ist nun erfüllt, der König hat am 6. d. dem vereinigten Ausschuß die Periodizität des vereinigten Landtages selbst angckündigt. An dieses königliche Zugeständniß knüpft sich eine ganze Reihe von Hoffnungen für die Erneuerung und Verjüngung Preußens und Deutschlands. Die Zeit Steins, Hardenbergs, die Zeit des politischen Auf. schwunges der Nation kehrt wieder und mit ihr der Geist und die politischen Grundsätze des Edicts von 1812, mit der Erfüllung alles dessen, was dieses in Aussicht gestellt und die Reaktion von 1513 bis 1818 uns vorcnthaltcn. Erbleichen sehen wir das Bild eines christlichen Staates in dem Sinne, wie es dem Gesetz vom 23. Juli zu Grunde gelegt worden, welches der politischen Berechtigung von 200,000 Preußen wie ein Gespenst in den Weg tritt, statt dessen sehen wir ein Bild des christlichen Staates aus dem Hintergründe hcrvortreten im Sinne der Rheinischen und Preußischen Dcputirten, im Geiste der Gerechtigkeit und Humanität. Gleiches Recht, gleiche Freiheit für alle Staatsangehörigen wird von nun an das herrschende Princip einer auf Gerechtigkeit basirtcn Regierung sein. Trost- und hoffnungsvoll dürfen wir auf unsere Jugend Hinblicken, die einer herrlichen Zeit cntgegenblicket. Wir schließen mit den trefflichen Worten des Badischen Abgeordneten Kapp: „Wir stehen an einer großen Krisis; die alte Welt, das Mittelalter, sie haben ihre Kreise durchlaufen. Was jene gutes in sich trugen, das will sich ncugcstalten, cS gilt die Wiedergeburt der Nation von Innen heraus, ans ihrem ureigenen Geiste." Verschiedene Nachrichten und Gedanken. Monatbericht aus Baicrn. (Schluß.) Es pflegen dieselben zwar ihre Aeußcrungen nach dem Glauden über die Werke zu setzen, aber damit meinen sic mehr das Bekcnntniß des Glaubens, als diesen selbst und mehr die sittlichen Werke, die der reinstttlichcn Gesinnung entspringen, als die kirchlichen, die ihnen das höchste sind. Während nun aber die Jesuiten der römischen Kirche, die Hand auf den Erdball legend auSrufen, die Welt sei unser, muß unser sein und alle Nichtkatho» liken mit Feuer und Schwert in den Schooß der alleinseligmachenden Kirche treiben möchten, während diese also ihre VersolgungSsucht mehr nach Außen und zwar nach allen Seiten hin richten, so erstreckt sich der Eifer der protestantischen Jesuiten oder Pietisten lediglich auf die Freisinnigen ihrer Kirche und — die Juden. Man wird selten hören, daß ein Pietist gegen den Katholizismus eifere oder gegen Jesuitismus zu Felde ziehe, vielmehr trifft man sic meistens im Bunde, d. h. die Pietisten an die Jesuiten sich anlchnend, nicht aber umgekehrt. Um. noch eine Stufe weiter steigen die jüdischen Jesuiten herab und der Kreis ihres Vcrsolgungscifers umfaßt lediglich die jüdischen Aufgeklärten und Nationalisten, während ste mit christlichem Pietismus und Jcsuitismus gemeinschaftliche Sache machen. Das ist nicht etwas Zufälliges, sondern tief in der Sache selbst begründetes in dem Charakter der Religionen, dient aber zugleich als ein schlagender Beweis, daß der Eifer aller dieser Zeloten nicht vom Geiste auSgeht, sondern von Fleisch und Blut. Dem Judenthum als Religion ist jeder Zwang scrnlicgend und widersprechend, alle darauf hinausgehendcn Bestimmungen sind Vcstaudlhcilc des themaU?- gen jüdischen StaatSgcsetzcs und der Zelotismus ist ein fremdartiger Dcstandtheil, der eine Stütze außer sich sucht — im Christenthume. Der Jcsuitismns der katholischen Kirche suhlt sich stark und mächtig ohne DunveSgenoflen und seine Hand ist wider alle erhoben, der Pietismus fühlt sich zu schwach gegen diesen, wünscht Frieden mit ihm und kämpft als ihm überlegen gegen daS Judenthum. Dieses ist zu schwach gegen diese beide intolerant zu sein und cs schmiegen sich seine Eiferer, als solche nur gegen die kleinere Zahl ihrer Denkenden sich beweisend. Die Schlüsse, dir hieraus weiter abgeleitet werden kennen will ich dem denkenden