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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1848-03-26 · Heft 13 (26.3.1848) · page 8

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 13 (26.3.1848)
Date
1848-03-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
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104 Leser überlassen. — Eines dürfte jedoch besondere Beachtung finden, wie nämlich der Staat nie auf religiösen Frieden rechnen kann, so lange er nicht alle Confessioncn gleich achtet und unbe- . dingte Religionsfreiheit einführt. So vollständig frei muß daö Gewissen jedes Einzelnen fein, raß er nicht nur seines Be. kenntnisses wegen keine bürgerlichen Nachtheile zu erdulden habe, sondern vor jeder Intoleranz gesichert sei und jede Art jesuitischer Bestrebung im Keime erstickt werden müsse. Immer mehr werden cö die Helldenkendcn aller Confessionen einschen, daß staatliche Anerkennung der einen oder andern Genossenschaft nur eine halbe Maßregel sei. Völlige Religionsfreiheit muß die Loosunz sein. — ES hat mich schon lange gewundert, daß die Juden, die doch sonst an Allem Schuld find, nicht auch die Schweizer-Wirren verursacht haben sollen. Man scheint deren ganz vergessen zu haben. Indessen ganz aus dem Spiele konnte man sie doch nicht lassen. So wird in der A. A. Zeitung bezweifelt, ob ein protestantisches Land das Recht habe, die Vertreibung der Jesuiten auS einem katholischen zu verlangen, weil sie ihm (dem protestantischen) Rachtheilc zufugen. Und um diesen Zweifel zu rechtfertigen, führt der Berichterstatter „von der Donau" folgendes an: „Auf Badens Grenzen gegen die Schweizerkantone wohnen viele Juden. Es würde nicht besonders schwer fallen darzuthun, daß dieselben für die Landbewohner jener Kantone eben keine Wohlthat sind. Ist es aber dcßwegen je einer schweizerischen Negierung feit Jahrhunderten eingefallen, von dem Oberherrn dieser Gebiete die Vertreibung der Juden zu verlangen? Würde eine schweizerische Regierung sich so vergessen, um diese zu verlangen? Welches Urtheil über sich hätte sie zu gewärtigen?" Allen Respekt vor dieser Logik! Man sollte es wahrhaftig nicht für möglich halten, daß Jemand im Ernste eine solche Vergleichung anstelle:! kann. Es geht mich nichts an, ob die Jesuiten im katholischen Lande dem protestantischen Nachtbeile zusügcn oder nicht; auch fühle ich mich nicht zum Anwälte berufen für die Juden auf Badens Grenzen, aber daß man uns und die Jesuiten einander gegenüber stellen will, das ist etwas, wofür w.r uns recht schön bedanken und das wir mit aller Entschiedenheit in Abrede stellen. Wenn die Jesuiten wirklich dem benachbarten Lande zum Rachthcile sind, so sind sic cs als Jesuiten, ist es der Orden, dem sic angehören, und der Vorwurf trifft diesen, folglich alle Jesuiten; wenn aber Juden auf Badens Grenze für die Landbewohner keine Wohlthat sind, so sind sie es nicht als Juden nicht durch das, was sie zu Juden macht, sondern höchstens ihre Geschäfte und cs hätte wohl einen Sinn daS Verbot dieses auszuübcn zu verlangen, nicht aber Vertreibung der Juden. Um eS recht anschaulich zu machen, — denn bei gewissen Leuten hält es schwer, bis sie die Wahrheit einschen — so wollen wir einmal das Recht zugcstehen. Es würde also jener Staat vernünftiger Weise wohl die Forderung stellen können: ihr hört auf Jesuiten zu sein oder geht aus dem Lande; wäre eS aber vernünftig zu sagen: ihr hört auf Juden zu sein oder geht auS dem Lande? Haben die Grenzbewohner etwas gegen das Judcnthum? Gegen das Gewerbe ist die Klage gerichtet und es könnte dann höchstens heißen: ihr hört aus dieses Gewerbe zu treiben oder geht aus dem Lande. Ein solches Alternativ den Juden gestellt hätte keinen Sinn, wohl aber wenn cs denjenigen gestellt wird, welche für die Grenzbewohner nachtheilige Geschäfte treiben, ob Jude der Nichtjude. — Solchen Einfluß hat das Vorurtheil. Aber man nimmt ihn sogar bei freisinnigen Gelehrten wahr, wie er auf ihre Auslegung der heiligen Schrift eiuwirkt. So wird z. D. B. 23 im 102. Ps. von de Wette so gedeutet, als hätten die Juden im Eril an Erlangung der Weltherrschaft gedacht, während dieser Vers für jeden Unbefangenen im Gegentheil unter Voraussetzung, daß die Völker und Nationen selbstständig fortbestehen werden, lediglich die Hoffnung ausspricht, daß alle den einzigen Gott erkennen und anbeten werden, aber nicht eine Spur von Beherrschung derselben darin gefunden wird. Wie man aus zuverlässigen Mittheilungcn entnimmt, sprechen sich die Magistrate der ansehnlichsten Städte in ihren Gutachten günstig für die Juden aus. So wird von Rcgensburg berichtet und von Bamberg, wie denn auch die Vertreter dieser Städte bc>m Landtage sich zu Gunsten der Juden ausgesprochen haben. In der Regensburger Zeitung liest man, daß die frühere fcinv» selige Gesinnung gegen die Juden fast gänzlich verschwunden sei. Möchte man das recht bald von allen übrigen Landeöthccken sagen können'. — Die Schlußworte des Bischofs Gobat in Jerusalem in einer Zuschrift an Freunde der Stiftung des Bisthums in Jerissalcm stellen das dortige Msssionswelen in das hellste Licht. Man sicht hieraus wie und w odurch die Bekehrung bewirkt wird. Er meint nämlich, cs sei mit Allem nichts gcthan, wenn man nicht auch dafür sorgt, daß'die Bekehrten zu leben haben. „So viel scheint mir ausgemacht, lautet das naive Geständnis, so lange sie den vorbereitenden Unterricht zur Tauie genießen, muß ihnen die christliche Liebe auch direkte Unterstützung gewähren; später (wenn sie errungen sind) könnte man ihnen auvcrwöftlge Beschäftigung zuweilen, d. h. mögen sie sehen, wie sie zurecht kommen. Ohne Mittel und Gaben dazu könne die Mission keinen Fortgang haben. Das wäre nun freilich für das Christenthum ein harter Schlag, denn die Gcsammtzahl dec seit dem Jahr 1839 übergetretenen Juden Jerusalems beträgt 57, worunter 26 Kinder, also in 9Jahren 28Erwachsene. Und wie tHeuer kommen diese geretteten Judenscclen? Hätte man dieses Geld in Irland und Preußen n.cht viel besser verwenden können? Und die 26 Kinder, die man bekehrte, die find gewiß auS voller Überzeugung übergetreten! 0 temporal Verlag der I. C. Hermann'schen Buchhandlung ja Frankfurt a. M. Druck vog Fried. Krähe in Offcabach.

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