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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1848-03-26 · Heft 13 (26.3.1848) · page 5

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 13 (26.3.1848)
Date
1848-03-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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lOl zur Freiheit und zur Wahrbeit zu einem innigen Bunde erstarken. Gegen den vielfältig gerügten Widerspruch zwischen der gegebenen Fassung und dem angenommenen ersten Paragraxbcn des Entwurfs bemerke er nur einfach, daß wenn dort von unseren im Zudenthume wurzelnden Ucberzcugungcrr gesprochen werde, eben nur von „unfern" im Zudenthume begründeten Ueberzengungen die Rede sei und von dem, was wir alö Iudcmhum erkennen, nickt aber von dem gemeinhin dafür gehaltenen. Schließlich müsse er sich noch gegen das Wort: vollkommenes in dem Simion'schcli Amendement als jeder weiteren Forschung, jeder höheren Erkenntniß entgcgentrcrcnd und jeder Entwickelung und Fortbildung den Weg abschneidcnd, auf das Entschiedenste verwahren, und könne übcrdicß nicht begreifen, wie dieser Antrag mit der von Hrn. Simion besonders vcrtheidigren Glaubensfreiheit sich vereinbaren lasse. Dr. Löwen stein (Zuhörer) möchte aus dem Kommissions-Antrag nur die Redeweise „ist aufzufassen" wegen möglicher Mißverständnisse entfernt wissen, und schlägt dcßbalb vor: Die Offenbarung wird in unfern Gebeten als eine göttliche u. s. w. Ottcnsosscr (Zuhörer) stellt das Amendement: Tic Idee der Offenbarung ist als eine durch persönliche Befähigung aufgcgangcne Erleuchtung aufzufasscn. Ter Vorsitzende glaubt in den so verschiedenartig kundgegebenen Ansichten etwa folgende Hauptkategoricen bezeichnen zu dürfen. Eine für den entschieden rationalsten, eine zweite für einen sich diesem annähernden gemilderten Ausdruck, und endlich eine dritte, die sich für eine Form erklärt, die jeder Meinung, jeder Ileberzeugung sich anpaßt, oder wenn eine solche nicht beliebt wird, sich jeder Aussprache über den beregten Gegenstand widcrsetzt. Er ist der Meinung, daß die Versammlung sich das Berathen der zahlreichen Amendements wesentlich erleichtern würde, wenn sie vorher einer der bezcichncten Katcgorieen — unter denen die erste und zweite leicht zu vereinigen wären — sich anschlösse und stellt dcßhalb die Frage: Soll eine bestimmte und entschiedene Ansicht von unserer Auffassung der Offenbarung unfern Gebeten zu Grunde gelegt werden? — Dieselbe wird mit überwiegender Majorität bejaht. Geschichte des TageS. Erwartungen und Hoffnungen der deutschen Jude». Aus Preußen, März. — Die politischen Ereignisse. die in ihrer großartigen Entwickelung an unserem staunenden Geiste vorübcrzichcn, halten jeden, auch den sonst in lopalcr Apathie versunkenen, unter ihren mächtigen Zauber gebannt. Die raschen Nachwirkungen, die das Pariser Ercigniß im deutschen Vatcrlande ausübte und die immer mehr und mehr sich drängen, die Revolutionen, die cs mit Blitzesschnelle in Baden, Würtcmbcrg, Hessen, Nassau, Frankfurt, Hamburg re. hcrvorbrachte, klingen wie Wundcrmährchcn und halten die Gemüthcr in einer Spannung, die sich auch dem Gleichgültigsten mittheilt. Unter solchen in Deutschland nie gekannten Stimmungen werden Sie ihren Mitarbeitern schwerlich zumuthcn, Ihnen über jüdische Gemeinde- und Kirchcnverhältnisse zu berichten. Welches Interesse ist mächtig genug, um nicht von dem großen, mächtigen und ausschließlichen Tagesinteresse in den Hintergrund zurückgedrängt zu werden? Wem bleibt Zeit und Lust übrig um andere Tagcsgcschichtcn sich zu kümmern, als um die politischen, nach andern Tagcsblättcrn zu greifen, als wiederum den politischen? Es wird ein großer Erntctag in Deutschland gehalten. Früchte die lange gezeitigt waren und doch nicht gepflückt werden wollten, sind jetzt vom Sturme der Bewegung, die Europa dnrchzittcrt, rasch vom Baum geschüttelt. Kann man in diesem Moment, wo die rasche Ausführung der lange vorbereiteten Reformen des ganzen öffentlichen Lebens das Losungswort von ganz Deutschland ist, von Reformen auf religiösem Gebiete reden? Wer immer für sie gearbeitet, wer sic längst nicht mehr als isolirte Erscheinung auf dem Gebiete des Geistes betrachtete, wer ihren innern Zusammenhang mit der ganz und gar geistig - sittlichen Welt- und Lcbensanschauung, die unser Jahrhundert auSzcichnct und cs vom Mittelalter wesentlich unterscheidet, längst erkannte, der freue sich im Stillen alles dessen, was vor feinen Augen geschieht und eine raschere und lebendigere Entwickelung für die nächste Zukunft verheißt. — Soll daher für Zhr Blatt nicht ein plötzlicher Stillstand cinirctcn, so werden Sie Zhrcm Corrcspondcnten schon gestatten müssen, seinen Blick von dem politischen Horizont nicht ganz wcgzuwendcn uns sich mit den Hoffnungen und Erwartungen zu beschäftigen, die für die politische Stellung der Zudcn in Deutschland aus dieser plötzlich veränderten Weltlage hcrvorgchen. Nennt sich doch Zhr Blatt nicht zufällig der Zsrac.'it des 19. Jahrhunderts. Die religiöse Reform allein ist es wahrlich nicht, was ihn, den Juden, zu

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