Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 12 (19.3.1848)
- Date
- 1848-03-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2566751-2567071-2567083--3056-2570973- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
95 Gesellschaft für sociale und politische Interessen der Inden. Hamburg im März. Eine der interessantesten Zusammenkünfte der Gesellschaft für sociale und politische Interessen der Juden war die am 17. Fcbr. siattgcsundcne. Der Vorsitzende, Hr.!1r. N c c, machte zuerst darauf aufmerksam, daß man eben so wohl auf die nationale Seite der Iudcnfrage Werth legen müsse, auf die Einigung in Weise und in Sitte. Diese ruhe darauf, daß man sich größeren Zcitfragcn zuwende, daß man auf die öffentliche Meinung cinzuwirken suche, deren Macht sich jetzt in alle Kreise hinein fühlbar mache. Direkt konnten die Massen der Juden zwar Nichts für politische Verbesserung thun, aber indirekt dadurch sehr viel, daß sie die öffentliche Meinung für sich gewinnen, denn diese sei nicht crbgcsessen. — Hierauf nahm Dr. Magnussott aus Altona das Wort und sprach unter Anderm: ..In Ihrer nächsten Nähe, m. H.! Ln Schleswig-Holstein soll die Bevölkerung erklären, ob sic einer fremden Nation sich anschließcn will, weil ihr dort die Freiheit winkt. M. H.! Ich glaube, daß diese Aussicht weit mehr eine scheinbare, alö eine reelle fei. Die freiheitliche Entwickelung, wenn sie eine nachhaltige, eine stetig fortschreitende, eine gedeihliche sein soll, muß rine nationale Grundlage Haben. Aus dem Sclbstbcwußtscin schöpft eine Nation das Selbstvertrauen, die Kraft Großes zu vellführcn; ein Incinandcraufgchen aller Nationalitäten, wenn es überhaupt möglich wäre, würde ein Verschwimmen, ein Verflachen, eine allgemeine Flauheit und Lauheit zur Folge haben. Nein die Entwickelung der Freiheit in Deutschland wird, weil die deutsche Nation eine so große ist, eine um so großartigere sein. Dazu bedarf cs aber der innigsten Vereinigung, des festesten Zusammeuhalicns der ganzen Nation, der Aufrcchthaltung der Nationalität, der Belebung desNationalgesühls, und daraufbcruht auch die Hoffnung der deutschen Juden. Das Nationalgcfühl bedingt auch das Nationalchrgefühl, eines ohne das andere ist nicht denkbar; wird erst das Nationalgcfühl des Deutschen lebendiger, so wird ihn auch sein Ehrgefühl anrrcibcv, vor Allem den Makel zu vertilgen, der durch den Druck rer jüdischen Brüder noch immer an dem deutschen Namen haf- Es hat sich bei dieser Angelegenheit Schleswig-Holsteins" auch wieder herausgestellt, wie man für die Unterdrükkung dcr Ill«tzen immer nach neuen Vorwänden sucht. Die achtbarsten Gegner, -die selbst mit Verachtung auf den Pöbel hcrabsehrn, der nur aichs bloßer Vcrfolgungslust, oder aus blindem ReligionSfanaiismuS' gegen die Juden eifert, verlangen von diesen, wenn sie politisch gleichberechtigt werden wollen, ein Aufgcbcn ihrer besonderen Nationalität, und wenn sie eine solche hätten mit vollem Recht, eine Nationalität, die ohne Grund und Boden, ohne daö Band einer, gemeinschaftlichen Sprache oben nur in der Phantasie der Gegner besteht. Manche dieser achtbaren Männer haben aber bei Gelegenheit des Vcrfassungerescriptcs die Ansicht ausgesprochen, daß verschiedene Nationalitäten, wirklich verschiedene Naiionalitäten, wie die deutsche und die dänische, durch das Band der Freiheit verbunden, ohne Nachthcil für den Staat gleichberechtigt neben einander bestehen könnten. Die schleswig-holsteinischen Inden, d. h. diejenigen unter ihnen, die nicht, wie viele ihrer christlichen Mitbürger zu der großen Masse der Indifferenten gehören, haben dagegen den Beweis gegeben, daß ihr Nationalgcfühl ein eben so reges ist, wie das ihrer christlichen Landlentc, indem sie erklärten, daß man eine mit einem fremden Volke gemeinschaftlichc Verfassung nie und nimmer annchmcn könne, obgleich die Stellung der Juden in Dänemark eine günstige ist, obgleich das dänische Volk einer vollkommenen Gleichstellung nicht abgeneigt ist. Das eben gibt ein glänzendes Zeugniß für die hohe, sittliche Macht des Nationalgesühls, daß selbst das erlittene Unrecht, die erduldete Unbill, die Anhänglichkeit nicht zu schwächen, die Liebe zum Valcrlande nicht zu ersticken im Stande ist, sowie der verstoßene Sohn einer unnatürlichen Mutter die Pietät gegen diese nicht zu verletzen, die Liebe zu ihr nicht aus feinem Herzen zu reißen vermag. Möchten solche Gesinnungen überall laut werden. Das wird und muß alle unsere Gegner entwaffnen. Verschiedene Nachrichten und Gedanken. Monatbcricht aus Baiern. In Vaircuth starb der protestantische Geistliche Wagner, der ein Mitglied der Kammer war. Auch wir haben sein Hinscheidkn zu beklagen, denn der edle Kämpfer für des Volkes Rechte, war es auch für uns, indem er sich die Eingabe für die Israeliten von Vaircuth ancigncte. Bei seiner Beerdigung folgte auch vr. Aub, der dortige Rabbiner dem Leichcnzug, wir hätten gewünscht, daß er an seinem Grabe gesprochen hätte. Unserem Laiwsmanne Herrn Dr. Lckienthal aus München, ist als Oderrabbincr in Ncw-Zork die Stellung auch etwas verj säuert. Wie ich aus glaubwürdiger Quelle vernommen habe, hat ■ ihm die dortige Gemeinde gekündigt und er in Folge dessen refig-