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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1848-03-19 · Heft 12 (19.3.1848) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 12 (19.3.1848)
Date
1848-03-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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03 dafür, daß man offen die Nichtübereinstimmung unserer Anschauungen mit den biblischen auösprcchc. Auch sei gegen den PassnS im ersten Satze, worin gesagt ist, daß die Offenbarung als eine göttliche Erleuchtung dcü McnschengcistcS anfzufaffen sei, „durch welche die Schranke der allgemeinen menschlichen Befähigung nicht überschritlen werde," da man dadurch gerade die supranatnralistischc 'Auffassung der Offenbarung anödrncke, daß diese nur ein Akt der Gnade GoitcS sei, zu der der Mensch sich nur passiv verhalte. — vr. Salon»on sucht auö Stellen, die er ans Bibel und Talmud citirt, nachzu- »veisci», daß unsere rationalistijche Auffassung dcö Offcnbarungsbcgriffcö mit der der Bibel und des Talmuds identisch sei, indem crstcre, »vcnn sic sage: Gott spricht, siebt re., nichts Anderes damit anödrücken wolle, alS: Gott habe diesen und jenen Gedanken in dem Menschcngeift gewirkt, und indem er auf diese Weise den rationalistischen Offcnbarnngsbcgriff für die Bibel selbst in Anspruch nimmt, stellt er ein hierauf bezügliches Amcndcinent. Hold heim: Er könne Ncbcnstcin dar»'»» nicht beistimmen, daß in der Bibel selbst eine vom strengen SupcrnatnraliömuS zürn NationalkörnnS hinfnhrende oder deniselben sich annähernde Ctuscr'.fvlgc in der Auffassung dcS OffcnbarungSbegriffcö sich Nachweisen lasse, halte die von Rebenstcin dafür gegebenen 'Andeutungen für zu schwach und unzulänglich, sei vielmehr der llcberzeugung, daß die snpernaturalistischc Auffassung daS Ebarakteristische der Bibel sei, »venu er auch in Bezug auf den göttlichen Willen an den Menschen und die richtige GottcSvcrebrung einen Fortschritt in der Erkennmiß auf den» Standpunkt der Bibel kcincSwcgS in Abrede nehme. Der Propbet, »vclcher Liebe und Rechtfchaffcnbcit über die Opfer stellte, berief sich nicht »nindcr auf einen direkten Ausspruch Gottes alö derjc»»ige, »vclcher i»n Geiste dcS LeviticuS lehrte. 'Auch könne er darin den Rednern vor ih»»», Ncbcnstcin und Salomo»», »»icht bcitrcten, daß im nachbiblischen Indenthum, im Talrnud, eine andere Auffassung diescö Begriffes als die streng supcrnaturalistischc, nämlich ein »»»»»nittclbareS Eingrcifcn »»»»d Ein»virken dcS Göttlichen und Uebcrsin nlichen in daS Mcnjchliche und Natürliche, sich Bahn gebrochen habe. Ter Wunderglaube, oder der Glaube, daß alle in der Bibel erzählten Wunder sich buchstäblich so zugctragen haben, ist auch von der jüdischen Religiouöphilosopbie nicht erschüttert worden. Die gegenwärtige Auffaffuug müsse nach seiner Meinung aus historische Anknüpfungspunkte verzichten, finde aber ihre kräftigsten Stützen in sich selber, in der Wahrheit »»nd der ihr allein vertrauenden Ueberzcugnng. Nur darin müsse er Rcbcnstcin vollkommen bcipflichren und gegen Salomo» dissemiren, daß man sich ja keiner gefährlichen Selbsttäuschung überlasse und sich in friedlicher Ucbcreinstimrnung mit der Bibel glaube, so»»dcrn den Mnth habe, den Gegensatz cinzugestchen und der cr'gc»»cn Ueberzcugmrg zu trauen. Er müsse mit Hinweisung auf das klägliche Ende dcS oberflächlichen Rationalismus irr der Kirche und die ihm auf dem Fuße folgende Reaktion — vor einer solchen Täuschung »varnen, »'»»dem solche geglaubte Ucbcreinstlmmung, »veil sie eben a»»f Täuschm»g beruht, aller sittlichen Macht entbehre und von der ehrlichen Orthodoxie, die ihr die Selbsttäuschung alö Täuschung Anderer vorwirft, leicht »überflügelt werde, »vähreud der bewußte offen eingesta»»dene Gegensatz, der höhere Rationalismrrs der Gegenwart, eine sittliche Macht sei, die cS selbst mit der ehrlicher» Orchodoric mllthig aufrreburen dürfe. Allein er finde in dem Satze: „als Zeugniß ciner „solchen" Offenbarung rc." die Befürchtung RcbcrrsteinS »überall »»icht begründet, indem hiermit nicht gesagt sei, »vie die Schrift die Offenbarung auffasse, sondern nur, daß wir die heilige Schrift als Zeugniß einer solchen Offenbarung im Geiste der Väter auszufassen haben. Auch könne er dessen Ansicht nicht »heilen, daß in dem Nachsatze: „dnrch rvelchc die Schranke der allgemeinen menschlichen Befähigung nicht überschritte»» rvird" die supernaturalistische Al»sicht ansgcdrnckt werde, da hiermit keineSrvegs angcdeutet »vcrdcn solle, als habe Gott in diesem Menschengeiste »vnndcrbar gewirkt, da ei» solches Wunder diesen Geist gleichwohl der ge»vöht»lichc» Schranke entrücken mußte; sondern daß dieser bestimmte Mcnschcngcist vcr»nöge seiner individuellen aber doch natürlichen Empfänglichkeit und sittlichen Heiligkeit zu den höchsten Wahrheiten gelangt sei. — Er fordere daher die Bcrsa»n»nl»»ng auf, sich die Treue und Wahrhaftigkeit der Väter, die sie stets gegen ihre Uebcrzcugung bcrvahrten und sich nie scheucter», ihren supernaturalistischen Glauben offen und laut vor aller Welt zu bekennen, zur Richtschnur dienen zu lassen und mit gleichemMuthe ihre Ueberzcugnng nicht zu verlängnen.

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