Mannheim
Compact Memory

Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1848-03-12 · Heft 11 (12.3.1848) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 11 (12.3.1848)
Date
1848-03-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2566751-2567071-2567082--3047-2570963
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

87 Nichtbeachtung des legalen Vorstandes und RabtlnatcS, ohne alle äußerer Veranlassung, ja ohne auch nur den Versuch zu machen, Abhülfc etwaiger Beschwerden auf gesetzlichem Wege zu vcrlangen, selbstständig hinstellen — das mögen so anscheinend IInlerrichtcte wie F. Lt. darthun. Vorläufig find dcrgl. Angriffe nur aus der Desorgniß zu erklären, daß alle bisher im Wege der Collcctc und dcS AnlchenS erlangten Tausende doch umsonst verausgabt seien und daß die Rabbiner der Gemeinde auch fernerhin von den Rcligionslehrcrn verlangen möchten, die freilich etwas gcnirenden Sabbat- und Speise-Gesetze pünktlich zu beobachten. 3) Die ncuorthodoxe MittclSpartci in der Berliner jiid. Gemeinde. Mein Aufsatz über eine Mittelspartri in der hiesigen Gemeinde rief einen eben so unbcdachtsamcn als unedlen Angriff aus meine Absichten hervor, aber der Urheber desselben hätte wissen sollen, daß der von ihm angcstimmtc Ton schwerlich von den Lesern aus guter Gesellschaft gebilligt wird, und daß man am allerwenigsten auS dem Schlupfwinkel der Namenlosigkeit hervor solche Ausdrücke werfen darf. Weit entfernt, ihn seinetwegen einer Antwort zu würdigen, oder mich gar zu seiner Sprache hcrabzulasscu, muß ich doch des bctheiligten Publikums wegen einige Bemerkungen an seine Worte knüpfen! Ich bin nicht Mitglied der Ncformgenoffenschaft, stehe in gar keiner Verbindung mit derselben, und bin also einer der sehr wenigen Berliner, die rein von aller Partcifucht und persönlichen Beziehungen, die Sache, die Wahrheit, und nur die Wahrheit um ihrer selbst willen verfechten. In ein freundliches Vcrhältniß zur Rcformgcnosscnschaft stelle ich mich aber freiwillig und unabhängig aus eben dem Grunde, auö welchem sic mein Gegner in feinem seltsamen Programme verdammt, aus dem Grunde nämlich, weil sie in That und Wort sich-von den rabbinischcn Satzungen lossagt, während die Ncuorthodoric mit dem Worte ein historisches Zudcnthum vorgibt, mit der That aber ihre zeitlichen Gelüste befriedigt. Welche von diesen beiden Richtungen ist aber die ehrliche, offene und männliche? Der unparteiische Leser mag antworten! Wenn ich also außerhalb der Neformgenossenschast stehe, wie der dies absichtlich ignorirende und sich doch plump vcrrathcnde Gegner weiß, so klingt cs höchst lustig, daß man mich für die „Collccte und Anlchcn" der Refermgcnossen verantwortlich macht und zugleich zum Religionslehrer, dem eine Knchcnrcvision von Seiten „der Rabbiner der Gemeinde" droht. Die Collcctcn der Reformer setzen mdnc Feder eben sowenig in Bewegung, wie die Collectcn für die schuldbeladene RcligiooSschule der Ncuorlhodorie, und RcligionSlchrcr Lin ich auch nicht. Das Lehramt der Religion ist in den Händen eincS ManneS, der de» Schlüssel zu dcn Mystcricn der Gläubigkeit in der Tasche führt, der mit rastloser Thatigkeit das Wort Gottes und der Rabbiner in Wort und Schrift für Synagoge, Schule und Haus verbreitet, und vor Allem seine liebsten Freunde dahin brächte, »die freilich etwas gcnirenden Sabbathe und Speise-Gesetze pünktlich zu beobachten." F. Lcbrccht. Bewegungen und Hoffnungen in Bayern. AuS Bayern. — (Mitte Februar.) Bei dem merkwürdigen Drama, welches dieser Tage auS Veranlassung der Schließung der Universität in München aufgeführt worden ist, haben auch die dortigen Israeliten ihre Rolle mitgcspiclt und zwar auf eine Weise, daß ihnen allgemeiner Beifall zu Thcil geworden ist. Sie haben sich nämlich treu und standhaft der übrigen Bürgerschaft angcschlosscn, als cS galt, dem verderblichen entsittlichenden Einflüsse, der feit geraumer Zeit in die oberste Leitung der Staatsangelegenheiten zum allgemeinen Acrgerniß deS ganzen Landes einzudrangrn gesucht halte, mit Entschiedenheit cntgegrnzuwirkcn, obgleich dieses entschiedene Auftreten nicht ohne Gefahr war Der Nürnberger Kurier meldet hierüber: »München, 11. Februar. (Postabgang — Abends, 8 Uhr.) Meinen Bericht von heute Nachmittag ergänzend, muß ich nachträglich der glühenden Begeisterung erwähnen, womit die Bürgerschaft diesen Morgen bei ihrer Versammlung daS Wohl dcS Vaterlands in Betracht zog und ihre Wünsche an den Thron brachte. Dir Zahl der am Morgen versammelt gewesenen Bürger stieg biS zu 5000 ungefähr — Katholiken, Protestanten und Juden (von den jüdischen Bürgern schllc auch nicht Einer) — alle waren von gleichem Feuereifer für die gute Sache beseelt, die sie erzielen wollten. Aber sic waren auch auf das Acußcrste vorbereitet, und wahrlich dieser Phalanx gegenüber hätte kein Widerstand frommen können." Ohne Zweifel werden die Bürgerschaft sowohl als die Behörden der Residenzstadt dieses patriotische Benehmen der Zsraeliten in gutem Andenken bewahren, und wir geben unS der Hoffnung hin, daß dasselbe beim nächsten Landtage, wo das neue Judengesetz zur Verhandlung kommen wird-, ein Moment zu unseren Gunsten abgebcn werde, da das ganze Land an jener Bewegung den innigsten Aniheil genommen und namentlich die sämmtlichen in München anwesenden ReichSräthe offen und ohne Rückhalt sich ihr angcschlosscn haben. Denn, wenn der Eorrespondcnt deS „Orient" in seinem letzten Monatsberichte.in Nr. 7 dieses Blattes eS noch

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.