Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 10 (5.3.1848)
- Date
- 1848-03-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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ker." Dieser Herr muß einen schönen Begriff vom Judenthum und der Angehörigkeit an dasselbe haben, wenn er dem Vater, der jene Ccrcmonie unterläßt, so etwas Schuld gibt. Ich sollte meinen, wer so geistig frei ist, daß er es wagt, sich über jene noch so hochheilig gehaltene Ceremonie zu erheben, und doch im Zudenthum bcharrt, das seinen Bekenncrn, in Deutschland wenigstens, kein sehr freundliches Leos gewährt, der müsse durch höhere geistige Bande an seinen Glauben und seine Brüder sich gefesselt fühlen, als jenes Abzeichen zu schließen vermag, das noch keinem die Zerstreuung unter andern „Völker" (soll wohl heißen: Bekenntnisse) erschwert hat. Auch will cs jenem Herrn bcdünken, als ob mit der Deschncidung die letzte „Sichtbarlichkeit" dcS Zudcnthums falle. — So? daran soll man die Idee des einigen Gottes erkennen? Nicht an ihrem reinen Lichte, an ihrem Cultus, der sie auScrückt, an ihrem Muth, an ihren Entbehrungen, an ihrem Beharren in einem Vekenntniß, das ihnen so Manches und Vieles entzieht, was dem Menschen von Stolz und Selbstgefühl, theuer und wcrthvoll ist? Die letzte Sichtbarlichkcit des Judcnthums soll mit dem Wegfall eines Abzeichens fallen, das an einem Eliede des Körpers angebracht, welches die Schaam auf-das Ernsteste zu verhüllen befiehlt? Nein solcher Gedankenlosigkeit sollte sich doch ein öffentlicher Berichterstatter schämen, wie nicht minder, wir wollen cs gelinde bezeichnen, der Unwissenheit, mit welcher von dem Er'nhornfchen Bescheide gesagt wird, er Härte die Masse zwingen wollen, das unbeschnittcne Kind als Jude zu betrachten. Tie Masse kann das Kind betrachten wie sie will; will sic aber ehrlich, talmudisch gerecht sein, so muß sie cs als Jude betrachten, da das talmudischeZudenthum cs gleichfalls als solchen ansicht, ihm ja alle specicll jüdischen Pflichten mit sehr wenigen Ausnahmen aufcrlrgt. Freilich Viele in der Masse wissen das nicht, sehen die Bcschneidung, wie der Christ die Taufe an, als ein Sakrament, als eine unerläßliche Bedingung zum Eintritt in das Zudenthum. Darum ist cs eben Pflicht der Unterrichteten, die Masse hierüber aufzuklarcn, ihr zu sagend daß allerdings die Bcschneidung in dem hfstorifch-spmbolifchen Zudenthum, das die Zdce nicht allein, sondern stets nur in ihrem äußeren, versinnbildlichenden Ausdruck faßte, allerdings eine hohe Stelle cinnehmcn müßte; daß aber die Gegenwart, welche den symbolischen Speis setzen keine Verbindlichkeit mehr zuspricht, welche durch das Organ der zweiten Nabbiner-Versammlung sogar dem wichtigsten und umfassendsten biblischen Symbol, dem Opfcrdicnst, keine Bedeutung und keine Zukunft mehr zucrkannt hat, vollkommen in ihrem Rechte ist, wenn sie auch dem Symbol der Beschycidung keine Bedeutung mehr für das Zudenthum zugesteht, das nunmehr nicht durch Symbole und Zeichen am Fleische, sondern ind Geiste und in der Wahrheit den Gott aller Geister verehrea will. Emancipationödebatten in England vom 7. Febr. 1848. (Aus der Times von vr. Z. M. Jost.) Bei Gelegenheit des Antrags auf die zweite Lesung der Dill brachten die Debatten manches Neue. Wir geben hier einen gedrängten Auszug. Bevor Lord I. Ruffel auf die Lesung antrug, legte er eine Petition von 230 Zuristen zu Gunsten der Bill vor; ausserdem wurden mehr als 30 Petitionen von allen Thcilen Englands, darunter eine aus Southwark in London, mit 7596 Nnterschriften, eine von Liverpool mit 23000, eine aus Middleser mit 9800, eine auSLambeth mit nahe an 10000 ». s. w., u. f. w. und eine von 1700 Juden, welche in London wohnen, cingcbracht; zwanzig Petitionen waren gegen die Bill. — Wiewohl weder die Zahl der Petitionen, noch die rer Unterschriften stark inS Gewicht fällt, weil sie von der Thätigkcit derer, welche hierbei etwas auörichtcn wollen, und zum Theil von der religiösen Bildung derer, die man zur Unterschrift bewegt, mehr abhängt, als von politischer Mci» nung, und auch schon aus dem Grunde, weil alle Petitionen zusammen nur einen sehr geringen Theil des Landes repräsentiren, — so ist doch das von Werth, daß im Allgemeinen keine sehr verbreitete Abneigung sich zeigt, und die Indifferenz selbst berechtigt zu dem Schluß, daß die Bill als ein einfacher Akt der Legislatur angesehen wird, welcher man ihren Lauf läßt. Als Gegner trat zuerst Mr. Stassord auf. Der Inhalt seines Vortrags läuft darauf hinaus, daß von Verfolgung hier nicht die Rede sei. Er stimmt gegen die Zulassung der Juden zum Parlament, eben wegen der Neligionevcrschierenhcit. Das Argu. ment für die Juden, welches man von ihrer geringen Anzahl herleitet, halt er für eine Beleidigung derselben. Man halte sie für unschädlich, wie würde mau stimmen, wenn sie 7,000,000 zählten (wie die Katholcken)? Die Religion sei allerdings noch immer der Grund mancher Unterschiede, indem ja ein Katholik nicht im Besitz der Krone sein dürfe. Man halte bei Eröffnung des Hauses ein christliches Gebet. Dagegen könnte ein Lionel Rothschild als Parlamentsmitglied'mit Recht protcstiren, denn nach Aufhebung aller Ucberblcibsel religiösen Zwanges, sei es unbillig, die nicht christlichen Mitglieder zur Theilnahme am christlichen Gebete anzuhalten. Noch mehr hätten sich die Juden über die ihnen zum Nachtheil gereichende SonntagSfeier zu beschweren. Er huldige,