Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 10 (5.3.1848)
- Date
- 1848-03-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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?G mcrkung, daß nämlich selbst die Mischna, deS Tal« muds erster Theil, von der Nekitath Chcphez nichts wisse, was also die Gcmaristische conditio sine qua non LiescS Branchö noch mehr schwächen muß, dient ihm zum Steine großen Anstoßes. *) Aus dieser Bemerkung will er nämlich die Ansicht herausklügeln, als wolle von mir die Reform deö jüdischen Lebens auf den Unter schied zwischen Mischna und Gemara basirt werden! welche Verkehrtheit! Wenn ich, in der Absicht, die späte Entstehung der Nekitath Ehcphez auch in der nach biblischen Zeit bistorisch nachzuweiscn, anfübre, selb st die Mischna kennt diese Einrichtung noch nicht, heißt das soviel als, weil die Mischna sie nicht kennt, deßhalb sei sie nicht bcizubehaltcn? Was soll man zu einem solchen unverzeihlichen Verdrehen der Worte sagen? Hat der Ncecnscnt es wissentlich oder unwissentlich übersehen, daß ich in meiner ganzen Teduction in Betreff der Unnothigkcit, ja Verwerflichkeit der Nekitath Cbed-q mich lediglich auf die Bibel stütze? Habe ich mich nicht in derselben Schrift (S. 19. 22.) gegen die rabbinische Theorie der Auflösbarkeit der Gelübde mit aller Entschiedenheit erklärt, obgleich diese in der Mischna vorkommt? ist es ihm sonst nicht bekannt, daß ich bei keiner Gelegenheit mich scheue, gegen den Talmud mich offen und unverhohlen ausznsprcchen, wo er daS klare Bibclwort entstellt bar, mag dieses in Mischna oder Gemara geschehen sein? Was soll also das Gerede unseres Mannes von „einem Tokumcntircn und Argnmentiren mit dem Talmud", das er mir vorwirft? Fällt nicht der Vorwurf schwer auf ihn zurück, meine Schrift nicht recht gelesen und auf eine mißverstandene Stelle einen unbedachten Angriff gegen das Ganze molivirt zu haben? — Es ist wabr, ich bin allerdings von der Ansicht ausgegangen, die llnstatthastigk.it oder doch Unuörhigkcit der betreffenden Formalitäten selbst vom talmndischen Standpunkte aus nachznwcisen. Hätte ich cs nicht gcthan, so wäre dicß sicher ein Mangel an meiner Schrift. *) Ucbcreilnng läßt sich Nccenscnt auch zu Schulden kommen in seiner gegnerischen Anmerkung. Er sagt, der Talmud nenne die Hinweglassung der Nekitath Chephcz: rüli’Q “G“0 rsyö (einen Jrrthum in Betreff einer Anordnung der Mischna), wahrem der'Talmud doch sagt VXD “)2“U 'DD (gleich als fei cs ein Jrrthum in Betreff einer Anordnung der Mischna), was doch meiner Bemerkung nur zur Stütze dient. Es handelte sich nämlich hier nicht um die Aufstellung eines Reformpcincips, cs bandelte sich lediglich darum, eine christliche Regierung zu überzeugen, daß sie im Znkercssc der Rechtspflege bei gänzlicher Abstellung jener Formalitäten keinerlei Gefahr laufe, daß dadurch der Eid bei irgend einem Israeliten, geböre er zu welcher Fraktion cs immer sei, an Verbindlichkeit verlieren würde. (Vgl. S. 60 m. Schr. Anm.) Hier wäre ein Trcmschlagcn gegen den Talmud, für welches Hau» und Stcchsystem wir überhaupt nicht portirt sind, in keinem Falle an seinem Orte gewesen. Eine ruhige und klare Auseinandersetzung, bei welcher jedoch die Blößen des talmudischcu Systems, wo solche sich wirklich zeigen, z. B. bei der „Auflösbarkeit der Gelübde", nicht verdeckt werden durften, konnte allein zum Ziele fübren. Ob ich in dieser Beziehung den rechten To» eingehakten,, mögen sachkundige billigdenkende Leser entscheiden, und die meiner Schrift bereits widerfahrene günstige Beurtbcilung von Seiten tüchtiger Juristen und Theologen kann mich über das mißliebige Unheil anonymer Recensentcn vollkommen bcrubigcn. Frankfurt a. M, im Januar 1848. Leopold Stein, Rabbiner. Geschichte des Tages. Die Beschneidungsfrage. Vom Main. Alle Vcssergesinnten wissen cs Ihnen Dank, daß Sie auch in der durch den Vorfall in Meklcnburg aufs Neue angeregten Veschneidungs frage den gewöhnten höheren Standpunkt betreten und auch von diefcr der Masse noch so hochheiligen Ceremonie den dunklen, mystischen Schleier weggezogen haben. Ja, welches Dunkel noch über diesem blutrothen Akt schwebt und aus Vorurtheil oder Mangel an Muth über ihn verbreitet wird, sehen wir auf's Neue an der Art und Weise, wie andere jüdische Organe sich über diese Sache schreiben lassen. So heißt es in einem solchen Artikel aus Mekleuburg: „Ist auch diese Form gefallen, so ist das Judenthum wirklich nur eine Negation der christlichen Kirchen, so ein Stück neutraler Boden, auf welchen man die Kinder stellt, und ihnen sagt: Nun gehet hiu wohin ihr wollet und zerstreuet euch unter die Böl-