Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 8 (20.2.1848)
- Date
- 1848-02-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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ihm eins Pflanze, die auf dem mäßigen Boden Berlins mäßig gedeihen würde. Während nun Frankel in seinen gemäßigten Fort, schritten cs nicht weiter als bis zum Prinzip des gemäßkgicn Fortschrittes brachte, ging Mube über dasselbe hinaus und war ziemlich getröstet als die Rabbinais-Vorhandlungen mit Frankel sich zerschlugen. Weniger beruhigt sah er dem eben nicht „gemäßigt" zu nennenden Wirken Sachs entgegen. Sein Scharfblick ließ ihn die rcsormatorischc Bewegung unter den Juden Deutschlands rings umher aus höherem Gesichtspunkt auffasscn und für die Berliner Gemeinde, die trotz ihrer inncrn organischen Größe den Ein- und Rückwirkungen von Außen nicht ganz unzugäug'ich bleiben und sich den reformaiorischeu Spmpathieu der Zeit nicht hermetisch verschließen kann, eine höhere Aufgabe des Vorwärrsfchrcitens erkennen, der die mäßige von romantischen Rcblingsidcen noch mehr verdunkelte Kraft Sachs ihm nickt gewachsen schien. Schon sein klarer. Heller Verstand, der die Stimmung der Zeit und ihre gerechte unabwcislichc Forderung richtig erkannte, mußte ihn zur natürlichen Eegnersihask jenes romantischen Zwielichtes dispcuiren, die er auch alsbald an den Tag zu legen Gelegenheit fand. Als Sachs mit seinen Vorschlägen einer gemäßigien nur auf Aeußerlichkciten abzieleuden Eultusrcformen hervortrat, sprach sich Muhr gegen homöopathische Dosis von re sonn ato rischer Kraft aus. Seinen gleickgesinmen Freunden -bri-te er seine über diesen Punkt in hebräischer Sprache, deren er sich mit Leichtigkeit und mit Liebe bediente, niedcrgcschriedcnen Ansichten mir, die einen herben Tadel gegen jene Vorschläge aus. 1 druck reu, den er an Ort und Stelle gewiß viel wilder vorrrug. Rachrem die Ncfonngerwssemchaft sich conslituirte, bat er ihre Schnüre, die bei vielen von Vorurrheilcn Befangenen wegen rer uni erlassenen Kopfbedeckung vieler: Tadel erregte, nicht nur gebil. ligt, sondern seine volle Tbeilnabrne für sie bei vielen Gelegen-! b-.rre."> offen und thailräsirg an den Tag gelegt. Muör, ohne! chr förmlich als Mitglied bergerreren zu sein, bechciligtc sich an chrem Gottesdiermc an den hohen Festtagen und sprach seine Freude über diesen Fortschritt unumwunden aus. — Bei rcn hoben Bcdördcu unv namentlich bei hoch und höchst gestellien Personen war Muhr wegen seiner praktischen Einsicht und geistigen Gewandtheit »ehr beliebt und erhielt von ihnen manches Zeichen ihrer Gunst. Man muß ihm rühmlich nrrchsagen, daß er seinen Einfluß, der non Hülfesuchendrn reichlich ane-gebcutet wurde, stets im humansten Interesse verwendet hat und viele danken ihm ihr Glück. Die Gemeinde verliert in ihm eines jener Mitglieder, die unter de» gegenwärtigen Erziehnngoverhällmssen ihr nicht wieder geboren werden, die Reform des Zudcnchums einen Freund und Fürsprecher ressen Urtheil, weil cs auf Sachkenntnis beruhete, von Gewicht und Bedeutung war. Die Aeltcstcu und Vorsteher der hiesigen Gemeinde haben ihm in den hiesigen Zeitungen folgenden ehrenden Nachruf gewidmet. „Durch den am 29. v. M. erfolgten Tod des Herrn Zoseph Muhr ist die hiesige jüdische Gemeinde von einem schmerzlichen Verlust betroffen worden. Mehrere Male zum Vorstände derselben berufen, hat der Verstorbene sich in diesem Amte durch glan. zcndc Verstandcsgabcn, vorzügliche Tüchtigkeit und lebhaften Eifer besondere Verdienste um da-s allgemeine Veste erworben. Mit Hiiikansehnng seiner Person hat er auch ein stets reges Interesse für das Wohl Einzelner bewiesen, von welchen ihn Viele als den Begründer und Beförderer ihres Lcbensglückcs verehren. Der Vorstand der Gemeinde, welchem das Andenken eines so geschah, reu Mitgliedes immer werth bleiben wird, spricht dieses öffentliche Ancrkermtniß lediglich als .inen Nachhall derjenigen Stimmung aus, welche sich von allen Seiten her mit inniger Theilnahmc heule am Grabe kund gegeben hat. Berlin den 1. Februar 1843." Der hiesige Gemeinde-Vorstand hat durch djescs öffentliche Anerkcnutniß sich selbst geehrt. Die Orthodoxie feierte den Tov des Verewigten durch die Verleihung der Moreuu an denselben am Grabe. Nach der allgemeinen Stimme bat die Moreuu dadurch eben so viel an Werth gewonnen, als die Orihodorie dadurch an Werth verloren. Noch ein paar Morenus an lebende Mitglieder des Vorstandes und ihr Werth steht auf pari. der bei Orihodorie auf Null. An feinem- Grabe sprach Dr. Auerbacher einige Worte. Friede seiner Asche! V e r s ch i e d e n e s. AuS Würtcmberg. Es liegt vor uns ein Prosxcctus zu einem neuen Gebetbuche für die öffentliche und häusliche Andacht der Israeliten, vom Kirchenrath Maier, Rabbiner, der über das Unternehmen in folgender Seife sich äußert: „Der Uimchwung in der rcligiöfeii Denkuns Anschauungsweise, welcher während der lohten Jahrzehnte in der israeliiischen Gemeinde staitgcsundcn, bat längst den Wunsch nach ErbauungSiniitcln rege gemacht, welche dem religiösen Bewußtsein der Gegenwart entsprechen. Zst nun auch für die Privatandacht manches geschehen, (?) so harret doch die Spnagogc bis seht vergeblich einer Gebetordnung, welche ihr die rechre Weihe unv Würde zu geben im Stande wäre. Ein zeitgemäßer Gottesdienst ist ein so dringendes Bedürfnis der Zeit, daß cs vielleicht nicht zu viel behauptet sein dürfte, wenn man sagt, cs sei dadurch die Erhaltung der Religion bedingt. Diesem Mangel abzuhelfen ist die Absicht des Buches, das hiermit angeliinrigt wird, auf vcsscn Ausarbeitung der Verfasser seit einer