Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 8 (20.2.1848)
- Date
- 1848-02-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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die Bcschncidung mehr auf juf) habe, als der Sabbarh u. s. f., ja in so feiu noch weniger, als sie gewiß mehr nalionalen, als religiösen Ursprungs ist, obgleich sich andererseits nicht leugnen laßt, daß sie als historisches .Kennzeichen des IudenlhnmS eine größere Beachtung in Anspruch nehmen und nicht so leichtfertig bei Seite geschoben werden sollte. Tie Wichtigkeit dieser Verweigerung liegt jedoch hauptsächlich in der nun zu Lage gekommenen Gesinnung und in Beziehung ans diese möchte der orthoderc Lhcil wohl Grund baden, wegen dieser Verweigerung Lärm zu schlagen und sic nicht ohne deftige Opposition hinzunedinen. Mir wenigstens ist solche Opposition lieber und willkommener., als jene Stagnation die durch nichts aus dem Schwerpunkte ihrer Trägheit zu luden ist. Folgerichtig mußte aber dann derselbe ortbodore Lbeil überall, rvo diese Gesinnung sich al-s Motiv der Nichtbeachtung des Gesetzes kund gibt — nnd sie gibt sich ja gar häufig kund, sie tritt immer schwacher und bestimmter mit ihrem Bedürfnisse hervor — erclusiv werden und die Lheilnahme an der Glanbensgenossenschast verweigern, staun er diese Erclnsion nicht dnrchsnbren, ohne alle Gemeinde- und Kircheuvcrhältnisse zu erschüttern nnd zn untergraben, ohne das ganze Indenthnm an den Band deö Abgrundes zn bringen, dann wird auch er sich ein anderes Schibol-.tb desselben gefallen und von der Beachtung der Ceremonien absirahircn müsse», er wird un-oillkndrlich zn demjenigen Punkte bingedrangt werden, tvelcl'.er allein das wahre svcnnzeichen ist, welches allein mit Gewissens- und Uebcrzcugungsfrcibcir sich vertragt, welches bei alter Berschiedcr.heii dcr Gesinnungen nnd ^tr,sichten ein geistiges Band dcr tsrnbeir genannt zn werden verdient. Ilnd zroar nicht dasjenige, welches Einhorn die nie auflösbare .stelle nennt, — die Geburt, denn daS wäre eine Sklaveukerte, ein solches „Aichtfreigebcn dessen, der dcr Herrschaft (!) deö Indcntbnms sich entziehen will," wäre, abgesehen von der Lüge nnd der Unwahrbcit, die in einer selchen Verbindung liegt, die größte Tcöpotengewair, die je geübt worden ist. Ich prorcsiire wiederholt mir Schmerz gegen diese Fiktion Einhorns, die weder in der Theorie noch in der Praris eine feste Begründung hat. Tenn daß die Nabbinen bestimmt haben, nian dürfe einen nicht wie einen Nicht) nden behandeln nnd benutzen, wird man doch wohl ans dem Standpunkte Einhorns keine Begründung heißen können. Sondern Jude ist Jeder, der sich als Jude weiß, dcr sich nnd seine Kinder entweder stillschweigend oder ausdrücklich zn dcr jüdischen Glanbcnsgenossenschaft zählt, dcr mit nnd trotz seiner Gesinnung innerhalb deö Indenlbums sieht nnd zn dessen Erhaltung nnd Fortbildung beiträgt. Dieses Erikerinm, welches in Beziehung ans das Christenthnm der Gustav -Adolph- Verein alS das allein richtige anerkannt hak, um ans allen Wirren nnd Ehikanen der Parteirichtnngen heraus zn kommen, wird Und muß auch bei uns seine Gültigkeit haben, wenn die Freiheit der Ucbcrzengung kein leerer Schall sein soll. Oldenburg im Januar 18-13. W c cf) f l e r. Geschichte des TcrgeS. I. M n h r. (Berlin im Februar.) — Die BerlinerGemeinde har eines ihrer durch Kermtniß und Stellung gleich ausgezeichneten Mitglieder durch den Tod verloren. I. Stuhrs pleulichcr Hintritt ho; in der Gemeinde und auch in der Stadt die ihm gebührende Beachtung gefunden, die sich in vielen öffentlichen Zeichen dcr The-!- nähme im Allgemeinen wie auch in der gegen die leidtragende Familie besonders sich anssprechenden kund gab. Muhr war ei:; Gann von ausgezeichneten Gaben deö Verstandes, von vielfältiger und praktischer Gewandtheit. Mil dieser vereinigte er eine in der Gemeinde leider immer mehr in Abnahme begriffene genaue Kenntnis des historischen IndcmhumS. Er war von jeher dem religiösen Fortschritt in den öffentlichen religiösen Instituten aufrichtig zugeihan und redete einem historischen Nebergang zum Bessern und einer atlmähligen Reform derselben immer daS Wort, daS um so größere Beachtung verdiente und erhielt. alS ihm die Grunde dafür ans den Quelle:! zu Gebote standen. Doch kannte er den schwierigen Boden dcr Berliner Gemeinde, welche er oft alS Vorstandsmitglied mirleiicte, zn gut, um einen raschen Umschwung der Verhältnisse hoffen zu können. Da er oft daS Töplitzer Bad besuchte, lernte er daselbst Dr. Frankel kennen, der dort Rabbiner war und in Oesterreich zuerst mit EnlinSrefsrmen auf:rat. DaS dort mit ihm angckmwfte freundschaftliche Der. hältniß setze er nach Frankels Ucbersiedlmig nach Dresden fort, in. dem er frühe schon ein Werkzeug für die Reformirung Berlins sich anSersehen hatte. Dcr gemäßigte Fortschrilt FrankelS schien