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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-12-26 · Heft 52 (26.12.1847) · page 5

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 52 (26.12.1847)
Date
1847-12-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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413 Man will sich nämlich darauf berufen können, daß die Juden von Gott gestraft seien, daß sie mit Blindheit geschlagen wären und ihre Leiden blos Folgen wären, weil sie nicht an Christus glauben. Ich will mich hier auf keine Widerlegung einlaffen, die auch schwerlich für einen Israeliten erforderlich sein dürfte. Nur kann ich mir die Bemerkung nicht versagen, wie oberflächlich die Beweisführungen dieser Misfionsschriften find kann man schon daran sehen, daß die meisten Missionsschriften sich darauf stützen, daß dem jüdischen Volke Palästina entrissen und Jerusalem zerstört wurde, blos weil der Messias nicht erkannt und angenommen worden wäre. Abgesehen, daß die Bibel mit klaren Worten alles Leid was über Israel und sein Land kam, ausschließlich als Folge bezeichnet, „wenn sie die Gebote nicht beobachten," nicht thun was Gott befohlen, nirgend auch eine Spur von einer derartigen Annahme oder Verwerfung sich findet, so sollte doch nun wenigstens, wo so viele Christus anerkannt haben, Jerusalem in den Händen dieser oder doch der Christenheit sein. Ferner sagt man, daß wir Israeliten im Drucke lebten und nur durch die Taufe frei werden könnten, vergißt aber, daß auch viele Christen im Drucke leben, und daß nicht überall den Juden die Taufe frei macht, in der Türkei muß er zum Islam, in den heidnischen Ländern zum Heidenthum übertreten. Wenn übrigens auch die Argumente der Missionäre wenig Besorgniß einflößen könnten, so find doch die Bemühungen derselben und der Misfionsvereine so vielfältig und ihre Anstrengungen und Geldopfer so groß, daß wir nicht mit Gleichgültigkeit darüber hinwegsehen dürfen, besonders weil dieselben Männer für ihre Tendenz zu gewinnen suchen, die durch ihre literarische Thätigkeit einen Namen haben,.deren Schriften von Juden gelesen werdest und von welchen man es wegen ihrer früheren Richtung nicht ahnt, daß sie jetzt im Dienste der Misfionsvereine stehen. So z. B. Delitzsch in Leipzig, der als Schüler Fürsts anfangs in jüdischen Blättern und selbstständigen Schriften als Freund und Kenner^ der jüdische» Literatur sich bekannt machte und welcher jetzt im Dienste des Dresdner Missions- Vereins zur Bekehrung der Juden steht und wirkt „sowohl literarisch, als auch mündlich unter den vielen zu Leipzig die Messe besuchenden Juden als auch durch Reisen zu diesem Zwecke" (S. 11). Es dürfte sehr gut sein, die Namen der Missionäre, soweit man Kenntniß von ihnen erlangt bekannt zu machen, damit der Jsraelite auf seiner Hut sei. Die jüdische Religion hat allerdings alle die Bestrebungen der Missionäre nicht zu fürchten, die Basis ihres Bestehens liegt in ihr selbst und so tie-s begründet, daß für ihr Fortbestehen nichts zu fürchten ist. Desto mehr aber für die einzelnen Israeliten, namentlich die, welche nicht so biblisch unterrichtet und theologisch gebildet find, um die falschen Auslegungen und irrige Beweisführungen derMissionäre zu durchschauen, aber doch auch sich nicht für unbefähigt halten, in Controversen sich einzulaffen. Ist innerhalb des Judenthums schon Stoff und Anlaß genug, mit seinem eignen Herzen in Zwiespalt zu gerathen zu prüfen und zu sichten, warum dem Volke noch neue Kämpfe und neue Schwierigkeiten bereiten? Würde man von Seiten der christlichen Missionsvereine diese vielen Opfer und Anstrengungen zur moralischen Verbesserung der Volksklaffen verwenden, die so dringend einer Nachhülfe bedürfen, wie viel Gutes könnte geschehen! — Aber eben darauf, das ersieht man auch aus dieser Schrift, eben darauf rechnen die meisten Missionäre, daß die Reformbestrebnngen die Autorität des Thalmuds brechen, das Fundament des Judenthums erschüttern und seine Bekenner aus ihrem Geleise bringen, die dann dem als Führer sich ihnen darbietenden Missionäre sich in die Arme werfen und von ihnen in den Schoos der Kirche sich führen lassen. Deßhalb machen sie scheinbar mit allen Gegnern der Reform gemeinschaftliche Sache und legen dieser alle möglichen Hindernisse in den Weg, damit sie nicht aus der Negation herauskommen, das Judenthum keinen andern,Haltpunkt gewinnen) als den Rabbinismus, der ihren Angriffen mehr Blößen darbietet, als jenes Positive, worauf die Theologen der Gegenwart den Inhalt des Judenthums stützen. Es soll der Jude den Thalmud als das Wesen des Judenthums ansehen und aus dieser Anschauung nicht hinauskommen, damit jeder Angriff gegen den Rabbinismus das Judenthum in seiner Totalität erschüttere. Dieses dürfen wir aber nicht übersehen und deßhalb, wenn auch keinen Stillstand in der Entwickelung eintreten lassen, doch nur mit gehöriger Vorsicht und Rücksicht auf diese Gegner den Entwickelungsproceß leiten. Wir müssen mit allem Nachdrucke und Ernste neben der Negation des Unwesentlichen auch das Positive hervcrtreten lassen. Es müssen die Organe aller Parteien im Juden thnme der Uebereinstimmung sich bewußt sein, hinsichtlich des Kernes der jüdischen Religion. Es muß von allen Seiten darauf hingewiesen werden, daß der Streit nur di? Formen zum Objekte habe, die Grundwahrheiten dagegen, die Lehre von Gott, Menschenwürde, Vergeltung aus einem einstigen Gottesreiche, einer Zeit, in der Gott Einer und sein Name Einer ein Heiligthum sind, um das wir uns allefammt schaaren und ohne die mindeste Verschiedenheit und Abweichung vereinigt festhalten wollen. Es muß von Zeit zu Zeit in der gegenseitigen Bekämpfung der divergirenden Meinungen eine Pause eintreten und Kraft und Thätigkeit der Erstarkung und Befestigung der Grundsäulen sich zuwenden. Es muß der göttliche Kern des JudenthumS in feiner Lauterkeit und Vollkommenheit seinen Bekennren bekannt werden

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