Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 51 (19.12.1847)
- Date
- 1847-12-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2566751-2567098-2567150--2938-2570913- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
403 lick dafür zu sorgen, daß es nickt auch im kommenden Jahre den badischen Zeloten gelinge, die Abhaltung der Rabbiner Versammlung in Mannheim zu Kintertrciben. Es wird nun an den jüdischen Gemeinden Deutschlands überbanpt sein, den Rabbinen den Besuch dieser Versammlung zu ermöglichen, und zwar am besten durch Sammlung freiwilliger Beiträge und Einsendung derselben hierher an das dafür bestebende Comite, da viele Rabbinen so gestellt sind, daß sie die Kosten der Reise aus eigenen Mitteln kaum zu bestreiten im Stande sein dürften. Geschichte des Tages. Eine Bekehrung: scörift. j sVon Der Saale.) — In diesen Tagen ist zu Nürnberg j eine Brochüre erschienen, welche den Tcl.l sührt: «die evangej li'che Inden-Mission, in ihrer Wichtiglei! und ihrem gesegneten! Fortgange," dargestellt von Pfarrer Sieger in Nürnberg, aus i welcher die rastlosen Bemühungen und großen Geldopfer ersichtlich sind, die zur Bekehrung der Iud.n angewendet werden. 1 Dem Verfasser dieser Schrift ist es ledoch noch nicht genug und er beklagt sich in dem ersten Kapitel, daß die Iudenbekehrung «nicht nur bis heute die entschiedensten Gegner, sondern «uch unter denen, weiche mit lebendigem Eifer für die Ausbreitung des R. G. unter den Heiden wirken, wenig Freunde und : Beförderer haben. Entweder, das sind des Verfassers Worte,! sie sprechen es offen aus, daß sie wider die Sache sind und i halten die Judenemaneipation für geeigneter, um Israels Volk j Zu christianisiren, als die Judenbekehrung, oder aber sie ver- •! halten sich mehr passiv, wähnend, die Zeit sei noch nicht ge- > kommen, wo Israel den Herrn suchen, oder wenn auch sas nicht, denselben nicht aufnehmen wird, wenn man auch das Evangelium ihnen verkündigte. Die Ersteren, die die große Mehrzahl auf ihrer Seite hätten, hält er nur für solche, welche dem Zeitgeiste huldigen und durch ihn geleitet das goldene Zeitalter für die Völker herbeiführen zu können träumen und dem Worte Gottes widerstreben. Er meint daher daß solche Zustimmung die mißtrauisch machen sollte, die nicht wioer das Wort Gottes sind und doch der Judenemaneipation das Wort reden. Den anderen entgegnet er, daß wenn unter 100 Profelpt. n 95 irdische Gründe haben, so wäre um 5 willen es schon der Mühe werth, den Iuden-Missionär zu senden (und diese 95 zu nichtswürdigen, mit sich zerfallenen und darum unglücklichen Menschen zu machen) Welcher Iuden'reund Herr Steger ist! Dahin möchte man es bringen, klagt Herr St., daß dcn Juden alle Rechte und Pflichten eines Staatsbürgers gegeben würden, wie den Christen; dahin, daß selbst die Ehe zwischen den Juden und Christen gestattet würde, so, meint man, würde eher eine Verschmelzung Statt finden. Eine Verschmelzung wohl, entgegnet Herr St., aber von welcher Art? Was hat die Gerechtigkeit für Genieß (?) mit der Ungerechtigkeit? (Verstehen Sie das?) was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsterniß?" Dem Herrn St. drückt nun aber doch das Gewissen, alle Christen für gerecht und Anhänger des Lichtes zu halten, unv er leugnet nicht, «daß auch mitten in der Christenheit die Ungerechtigkeit im Schwange (?> geht, daß auch unter Christen ihrer Viele nicht als am Tage wandeln, sondern im Finstern," aber, meint er, wenn dein auch so, „>'o leuchte doch Gottes Wort noch hell und klar und bezeichnet Israel als abtrünniges Bundesvolk, als das Volk, zu welchem Gott seine Hände ausgestreckt hat den ganzen Tag, das sich aber nicht sagen läßt und widerspricht dcS auf den heutigen Tag; als das Volk, dem Gott einen erbitterten Geist gegeben hat, ringen, daß sie nicht sehen und Ohren, daß sie nicht hören, b s ans den heutigen Tag." Also Gott hatte seine Hände ausgesireckt, aher oas Volk läßt sich nichts sagen und doch hat Gott ihnen Augen und Ohren gegeben, daß sie nicht sehen und nicht hören. Was roch Alles sich mit einem Munde sagen läßt. Aber wenn cs nur zum Zwecke paßt." Nicht dahin soll es kommen, meint H. St., daß wir alle Schranken fallen lassen, welche der Unterschied der Religion zwischen Christen und Juden mit sich bringt; nicht also sollen wir zu Israels Volk stehen, oaß wir indifferent gegen die wichtigsten Unter>chiede des Glaubens, und gleichgültig gegen den in diesem Volke ttittgewnrzetten Christushaß (?) eine Emaneipation herbei zu führen suchen, welche, abgesehen davon, daß sie in religiöser Hinsicht (sic?) verwerfliÄ ist, auch in politischer Hinsicht unmöglich die Früchte tragen könnte, welche die begeisterten Freunde der Iudenemancipaiion wie mit Posaunenschall muß vorher verkündigen." Ist das nicht eine bewundernswürdige christliche Liebe? Aber wir müssen den Bcriaffer weiter hören, wenn auch nur der Curiosität wegen, wie diese Leute, verstrickt in ihrem Mpsticismus und Pietisinns ihren Geist ordentlich verfinstern, daß er eines vernünftig n Denkens fast gar nicht mehr fähig ist, dabei aber ihre butterweichen Herzen, die so voll von Christusliebe weinerlich das Lciv ihrer Brüder beklagen und fast in Schmerz Vergehen wollen vor lauter Rührung, alles wahrhaft menschli-