Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 51 (19.12.1847)
- Date
- 1847-12-19
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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408 gesungen. Als ich nach bestandener Züchtigung am Boden saß, nahete sich mir der Prediger oder Weise, der mich von der Ausschließung frei sprach. Und so war die Himmelsthür mir wieder eröffnet, die vorher durch die stärksten Schlösser verschlossen, mich von dem Eintritte in dieselbe ausschloß. Hierauf zog ich meine Kleider an und ging zur Schwelle der Synagoge, legte mich daselbst nieder und der Wächter derselben stützte meinen Kopf. Sodann schritten Alle, welche hinaus gingen über mich hinweg. Als Niemand mehr vorhanden war, stand ich auf und wurde durch den, der mein Beistand gewesen war, vom Staub gereinigt. Wer dies gelesen-, der urthcile nun, was das für ein Schauspiel war, ein greiser Mann, der von Natur mit großem Schaamgefühl begabt ist, in öffentlicher Versammlung vor Allen, sowohl Männern, als Weibern und Kindern, nackt und auf Befehl der Richter mit einer Geißel schlagen sehen, und zwar solchen Richtern, die eher Nichtswürdige Sklaven, als Richter zu nennen sind. So weit Acosta! Und die Nutzanwendungen, welche aus jener Geschichte für die Gegenwart zu ziehen, sind mannigfach und naheliegend. Hier nur eine, die sich unsere Orthodoxen notiren mögen. Was dem Uriel Acosta geschah, wiedxrfuhr ihm von Rechts wegen, denn das rabbinische Gesetz verlangt solche Ausschließung und Verfolgung, verlangt cs heute noch *) und muß es in Folge jener Prinzipien verlangen. *) S. dix ausführlichen Bestimmungen hierüber im rabbinischen Codex. Jore Dea, Kap. 339. Von unfern orthodoxen Brüdern dürfen wir aber wohl, wenigstens zum größten Theile und zumalen in Deutschland annehmen , daß sie solche Ketzerverfolgungen nicht mehr billigen. Sie sind also ihren wirklichen Uebrrzeugungen nach mit dem rabbinischen Judenthum bereits zerfallen, haben mit ihm gebrochen und wollen es doch fortwährend anerkannt, beobachtet wissen. Welch eine Täuschung! Welch ein Widerspruch! — Aber Herr Jellinek begeht ein noch größeres Unrecht, wenn er diese veränderte Gesinnungswcise auch der orthodoxen Juden ignorirt, ja ihr gradezu widerspricht; wenn er in dem fragl. Schriftchen seinem Bruder sagt: „Du weißt, wie der Jude noch heutzutage ein Feind der Wissenschaft ist, und es sein muß — also ist mein Acosta ein wahrer Beitrag, um die Praxis der Juden kennen zu lernen, wie sie im 17. Jahrhundert war, aber heute noch fortbesteht." Zu einer solchen Behauptung ist unser Verfasser wenigstens in dieser Allgemeinheit nicht berechtigt, auch dadurch nicht, daß der Bruder weiß, wie sich Herr Dr. Frankel, Rabbiner Ln Dresden gegen ihn im Jahre 1843 benommen, unh wie sich sein Bruver, der Prediger in Leipzig noch gegen ihn benimmt. Erklärung. Unterzeichneter erklärt, daß die mit „Homiletisches" bezeichncten Zeilen in Nr. 45 des Israeliten nicht von demselben eingesandt worden sind. Hamburg im Dezember 1847. Dr. G. Salomon. 3 u t Nachricht. Unser Blatt hat seine Proben abgelegt, seine Tendenz ist bekannt und wir würden es nicht für nöthig gehalten haben, bei dem bevorstehenden Jahreswechsel über dessen Fortsetzung irgend etwas zu veröffentlichen, wenn wir nicht unseren Lesern eine demselben bevorstehende Veränderung mitzurbeilen hätten, zu welcher wir uns Glück wünschen zu dürfen glauben, und von der wir nicht zweifeln, daß sie auch unseren Lesern angenehm sein wird. Es nimmt nämlich vom 1. Januar 1848 an Herr Rabbiner vr. Hold keim in Berlin Tkeil an der Nedactt'on unseres Blattes, das bisher schon so manche Ausbeute des treuen Forschens dieses an Wissenschaft, wie an Geist reichen, an Frcimulh und Gesinnungstuchtigkeit unübertroffenen Gelehrten, geboten. Gleichzeitig mit demselben haben die tüchtigsten Kräfte in Norddeutfcbland ihre Mitwirkung zugesagt. Sodann werden vom künftigen Jahre an alle Verbandlungen und Aktenstücke der berliner Neiormgenossenschaft ausschließlich in unserem Blatte erscheinen und dieses demnach das einzige öffentliche Organ sein, aus welchem offi cie lle Nachrichten über dieselbe geschöpft werden können. Wir werden jedoch darum weder die eigene Ueberzcugung irgend wie verläugnen, noch abweichenden Meinungen die Spalten unseres Blattes verschließen. Wie wir ferner den Interessen unserer Glaubensgenossen nach außen unsere volle Theilnabme zuwenden werden, so wird es auch unser angelegentlichstes Bestreben bleiben, die rechte Erkenntniß ihrer inneren Zustände und Bedürfnisse zu vermitteln. Und so hegen wir die zuversichtliche Hoffnung, daß unsere Bestrebungen für die Fortbildung des Judentbums durch die Unterstützung aller für dieselbe begeisterten Männer ferner beitragen werden, dem uns Allen vorschwebenden Ziele immer näher zu kommen. Schließlich bitten wir Alle diejenigen, die Berlin näher sind, als Eisenach und Frankfurt a. M., ihre Mittheilungen und Beiträge an Herrn vr. Hold he im zu adressiren. Eisenach im Dezember 1847. Die Redaktion des Marliten des IS. Jahrhunderts. Verlag der Z. C. Hermann'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offenbach.