Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 50 (12.12.1847)
- Date
- 1847-12-12
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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399 Ferner gewährt es mir eine wahre Befriedigung, Ihnen zwei > Fakta berichten zu können, die Zeugniß geben, wie man wirklich bei uns nicht nur von oben herab dem Zeitgeist Rechnung tragend sich von dem bisherigen Ausschließungssystem entfernt, sondern wie auch in bürgerlichen und gelehrten Kreisen ein anderer Geist erwacht, der Geist der Duldung und der Humanität. Die prote. stantische Univerfftät Erlangen hat einstimmig und zwar gegen die bisherige Praxis zum Prosektor an der dortigen Klinik nur einen Kandidaten,*) Hrn. Dr. Herz, einen Israeliten, bei Seiner Mas. in Vorschlag gebracht. Aller Augen waren auf das Ergebniß dieses Vorschlags gerichtet, weil man mit Recht das Schicksal vieler unsrer tüchtigsten studirtcn Jünglinge davon abhängig hielt, weil cs davon abhing, ob Eltern ferner es wagen sollten, ihre Söhne studiren zu lassen. Und siehe da! unser erhabener König verleugnete seinen Gerechtigkeitssinn nicht. Dr. Herz ist bestätigt worden. Er war bisher Assistent an genannter Anstalt und muß wohl durch Kenntnisse und Charakter ausgezeichnet sein, daß sich die Universität zu diesem Schritte bewogen fand. Das zweite Faktum, nicht minder wichtig und erfolgreich ist: die alte Noris hat ihre Thore den Juden wieder geöffnet. Herr Joseph Kohn, welcher seit einiger Zeit mit Aufenthaltskarte in Nürnberg wohnte, hat von dem Magistrat und dem Gemeindebevollmächtigten -Collegium das Bürgerrecht erhalten, welcher Beschluß jedoch nach diesseitigen Gesetzen an Orten wo noch keine Juden wohnen, der Bestätigung des k. Staats-Ministeriums bedarf, an welcher jedoch nach andern Vorgängen nicht zu zweifeln ist. HerrKohn, ein gebildeter reeller Kaufmann, ist nicht etwa ein Mann, der sich seiner Glaubensgenossen schämt und sich ihrem Umgänge zu entziehen sucht. Er fühlt vielmehr warm mit ihnen und er war es, dem man das Zustandekommen einer Petition beim vorigen Landtag wie bei dem gegenwärtig versammelten zunächst zu danken hat. — Zeigt sich in diesem Allen nicht wiederholt, wie der bessere Geist im Volke nur der Anregung bedarf und wie nun so bald von oben herab ihm gehuldigt wird, alsbald sich feine segensreichen Wirkungen überall kund thun. — Nicht so erfreulich lauten die Nachrichten aus unsrem kirchlichen Leben. Zwar ist die alte Zeit der Denunziation, der Neo. logie-Beschuldigung rc. vorüber, aber es geschieht nicht nur von keiner Seite, weder von den Gemeinden, noch von den Rabbinern etwas um die neuere bessere Richtung zum Ausdruck zu bringen, die kürzlich erfolgte Entscheidung Seitens der allerh. Stelle in *) Sie hatte statutenmäßig drei Kandidaten vorzuschlagen, aus welchen einer von Sr. Maj. gewählt würde. Sie schlug diesmal nur einen vor,' damit ihr Herz nicht entgehe. . einer strittigen Synagogenfrage, zeigt von jenem frübern Grund, satze des Sichselbstüberlaffens, die Aufrechthaltung der Majoritäts. Gemeindebefchlüffe ohne Berücksichtigung der in Mitte liegenden allgemeinen Fragen. Hier bas Beispiel. Nach dem Tode eines Rabbiners in Mittelfranken — wir lassen den Namen aus dem Spiel — genehmigte die Regierung, sich stützend auf §. 24 des Edikts v. 10. Juni 1813, welcher die Bildung der Rabbinate gestatte, die Auflösung des Rabbinats. Ihre Verfügung bezüglich einer Gemeinde rief jedoch einen Rekurs an die allerh. Stelle hervor. Von einer Seite gab man sich der Hoffnung bin, die allerh. Stelle werde, durch die Vorlage der Akten unterrichtet, einmal schon die Auflösung ves Rabbinats unv dann reu Anschluß der rekursirenven Gemeinde an ein, mit keinem ediktmäßig geprüften Rabbiner besetztes Rabbinat, gegen welche das k. Landgericht und die k. Distriktsschulinspektion schon wegen Entlegenheit ausgesprochen hatte, zur Aufrechthaltnng des Beschlusses der Kreisregierung, wonach sich die treffende Gemeinde an ein andres Rabbinat anzuschließen habe, aufrecht erhalien. Nichts von allem diesen ist geschehen. Die allerh. Steile läßt die Viertheilung des Rabbinats zu, und der Beschluß der Gemeinde gilt mehr, als der der Regierung. Wir wissen den Werth der respekürten Gewissensfreiheit zu würdigen, wissen aber auch bloße Rechthaberei und Neologenriecherei, welche jene zum Deckmantel nimmt, in die verdiente Klasse einzureihen, und welche die Unterbehörden wohl zu unterscheiden vermögen und darum sollre aus ihre Berichte Rücksicht genommen werden. Unter diesen Umständen ist nichts anders zu erwarten, als daß auch Weißkoxs für Wallerstein bestätigt uuv die Hyperorthocorie in Bäche einen Sieg feiern wird! Im Einzelnen ist aus rem kirchlichen Gebicre wenig Neues zu erwähnen. In Fürth hat man die Consirmarion wieder nach alter feierlicher Weise und am letzten Laubhüttenfest in neuer erhebender Weise ein Erntefest begangen. In Bayersrorf hat man den Manen des kürzlich verstorbenen, der veralteten Richtung ganz angchörcnden Rabbiner Dispeker, statt eines gräulichen “£0n eine Todesfeier gehalten. Die Gemeinde Baireuih, imt ihrem tüchtigen Rabbiner Dr. Aub an der Spitze, geht ihrer zeitgemäßen Entwickelung durch allerlei zweckmäßige Anstalten immer mehr entgegen. Aus andern Gemeinden ist mir derlei Neues nicht bekannt geworden. Es scheint man hat dies Gehenlassen, diese Ruhe des Kirchhofs während des letzten Dezenniums so ziemlich liebgewonneu und läßt Alles beim Alten. Aber es will uns bedünken, unsre Rabbiner sollten ihre Sache, die Sache des Fortschrittes wieder in die Hand nehmen und sich unter einander wegen Herstellung einer gemeinsamen Synagogenordnung, einer Lei-