Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 50 (12.12.1847)
- Date
- 1847-12-12
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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400 chenordnung. die Einführung gleichmäßiger Schulbücher rc. verständigen. Die Errichtung einer Oberkirchenbehörde aber sollte um so mehr in geeigneter Weise beantragt und Materialien hiezu auch von denjenigen der allerhöchsten Stelle zugeführt werden, welche sie auch «och nicht an der Zeit findrn, als bei der erwarteten Revision des Edikts vom 10. Juni 1813 diese Frage gewiß in Anregung kommen wird. Wie leicht könnten denn aus Un» künde bei gutem Willen arge Mißgriffe auf lange Zeit gemacht «erden! Darum wachet! — Uriel Acosta'S Leben und Lehre, von Vr Herm. Ieüineck Zerbst 1847. Wir glauben von dem Inhalt dieses SchriftchenS, welches durch das bekannte Gutzkow'sche Trauerspiel veranlaßt worden, unsem Lesern eine Notiz schuldig zu sein, müssen unS jedoch auf »ine kurze Skizze der darin enthaltenen Verfolgungsgeschichte heschränkeo, da nur diese Nutzanwendungen, aber solche mannigfach darbieten dürfe, wie wir gleich sehen werden: Acost a wurde im Jahre 1594 in Portugal, in der Stadt Porto geboren. Sein Vater ein Lbergetretener Jude erzog seinen Sohn Gabriel (so hieß Acosta) acht katholisch. Diesen, von Natur weich und empfindsam , erschütterte aber die Furcht vor der ewigen Berdammniß, welche die katholische Kirche lehrt, 'fo sehr, daß er keine Ruhe mehr fand. Er hatte nun von dem Streite zwischen Juden und Christen gehört. Dieses bewog ihn MoseS u. die Propheten vorzunehmen, und da fand er denn, daß die alttestamentlichen Aussprüche über Gott nicht so viel Schwierigkeiten darbieten, wie die des N. Test. Schnell faßte er den Entschluß, den KatholiciSmus mit dem Judenthum umzutauschen, legte zu Gunsten eines Andern sein Amt nieder und ließ sich in Amsterdam nach vollzogener Beschneidung in dieJudengemcinve aufnehmen. — Allein eS waren kaum einige Tage verflossen, als er bemerkte, daß die Sitten und Gebräuche der Juden mit dem Gesetze MofiS nicht überciustimmten. „Ist nur das Gesetz Mofis — so sagte Acosta zu sich selbst — wirklich, wie er selbst es verlangt, zu beobachten, so haben die Träger der Weisheit bei den Juden vieles erfunden, was vom Gesetze abweicht." Er konnte sich nicht enthalten, dagegen aufzutreten, glaubte vielmehr ein gottgefälliges Werk zu unternehmen, wenn er dvi Mißbräuchen des Pharisäismus offen den Krieg erklären würde. — Hiefür wurde er nun von aller Gemeinschaft der Juden ausgeschlossen, und selbst seine Brüder wagten e< nicht, ihn auf der Straße zu grüßen. Fünfzehn Jahre lang lastete der Fluch des Bannes auf seinem Haupte. Da wiederrief er, unterschrieb die xlaeitu der Rabbinen und jener Fluch wurde von ihm weggenommen. — Allein „er konnte nicht so sehr den Heuchler spielen, daß er von den feinen Fäden der jüdischen Orthodorie nicht noch meist hätte fest umschlungen werden können." „In einigen Tagen" so erzählt er— „wurde ich von einem Knaben, dem Sohne meiner Schwester darum aygeklagt, weil ich die Speisen nicht nach jüdischem Gebrauch -»bereiten ließ. Auf Grund dieser Anschuldigung entstanden neue und bittere Kämpfe, denn mein Onkel ließ nichts unversucht, was zum Untergraben und Vernichten meiner Ehre, meines Vermögens beitragen konnte. Er verhinderte eine Heirath, welche ich eben eingehen wollte; denn es war mir in jener Zeit meine Frau gestorben. — Er brachte eS dahin, daß einer meiner Brüder mein Vermögen, das er in Händen hatte, zurückbehielt und daß der Umgang, der zwischen unS stattfand, aufhörte. — Während dieser Zeit hatte ich ein Gespräch mit zwei Männern, welche beide Christen waren, ohne jüdische Abstammung. Der eine war aus Italien, der andere aus Spanien gebürtig. Sie klagten über Armuth und fragten mich um Ratin Bezug auf den Eintritt in die Gemeinschaft der Juden. Ich rieth ihnen das nicht zu thun, denn sie wüßten nicht, was sie für ein Joch (durch daS pharisäische Gesetz) auf sich laden würden. Diese aber auf schändlichen Gewinn bedacht, theilten Alles meinen theuersten Freunden, den Pharisäern, mit. — Jetzt versammelten sich die Häupter der Synagoge. Ich wurde vor ih. ren Rath gerufen, und mir eine Schrift vorgelesen des Inhalts, ich müsse mit dem Trauergewande bekleidet in die Synagoge kommen, eine schwarze Wachskerze in der Hand halten und ge» wisse Worte von ihnen geschrieben, in denen meine Gottlosigkeiten, die ich begangen, als himmelschreiend dargestellt wurden, öffentlich vor der Versammlung aussprechen. — Dann sollte ich mich öf. fentlich in der Synagoge der Geißelung unterwerfen, endlich auf die Schwelle derselben mich niederlegen damit alle über mich Weggehen könnten und noch überdies an gewissen Tagen fasten. Bei der Vorlesung dieses Ur-, thcils entbrannten meine Eingeweide und mein Inneres kochte von unauslöschlichem Zorn. Jedoch ich verhielt mich ruhig und antwortete einfach, das könne ich nicht erfüllen. Nach dieser Antwort beschlossen sie, mich wiederum von der Gemeinschaft auszuschließen, und damit noch nicht zufrieden, speieten sie mich auf der Straße beim Vorübergehen an, was auch ihre Kinder, von ihnen dazu ermundert, thaten; nur steinigten sie mich nicht, weil das Recht dazu mangelte. So währte der Kampf auf gleiche Weise wieder sieben Jahre lang, innerhalb'welcher Zeit ich Unglaubliches erduldete. — (Schluß folgt.) Verlag der I. C. Hermann'scheu Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offenbach.