Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 50 (12.12.1847)
- Date
- 1847-12-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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39§ Hätte Herr Lipmann mit seiner politischen Ueberzeugung transigiren wolle», er säße längst im Cabinet. (Herr Lipmann ist eine der ersten Autoritäten im holl. Criminalrecht; vor ein paar Jahren war er bereits zum Justizministrr designirt. Er war es auch, der die hott. Minister anging, über die holl. Juden in moralischer Beziehung öffentlich Zcugniß abzulegrn. Dieses Zeugniß, welches dazu bestimmt war, die gehässigen Berichte des schwedisch-norwegischen General-Consuls Egivius in Amsterdam an seine Regierung über den Zustand der holländischen Juden in das rechte Licht zu stellen, fiel bekanntlich äußerst glänzend zu Gunsten der Verläumdcten aus.) Rabbiner Goldmann. (AuS dem Fürstcnthume Birkenfeld. *) Es ist nicht zum ersten Male, daß der Name dieses Ländchcns dem Leser dieses Blattes vor Augen tritt, denn seitdem die Fortschrittsparthei unter den Israeliten in den Versammlungen deutscher Rabbiner ihre Vertreter gefunden hat, ist auch auf uns Bewohner des Fürstenthums Birkenfeld ein kleiner Theil des Ruhmes zurückgefallen, den sich unsere gelehrten und freisinnigen Rabbiner durch ihr aufrichtiges Streben für den Fortschritt erworben haben. So hat Wechsler zuerst es bei uns gewagt, in das Drachennest geheiligter Vorurtheile hineinzugreifen und den Boden zu lockern, der zu seiner Zeit noch voll Unkraut war. — Der steißige Säemann ward zu einem höher» Wirken im Norden abgerufen, aber Dr. Einhorn nahm sich der verlassenen Pflänzlinge an, und erwärmte sie mit dem ganzen Feuerseines für alles Schöne, Edle und Erhabene glühenden Herzens. Allein gerade das, was uns denselben so theuer machte, entriß uns ihn; er erhielt einen ehrenvollen Ruf in die rne und unser Aller Dankbarkeit begleitete ihn dahin. — Sein Nachfolger im Amte wurde Goldmann. Ferne sei es von uns über diesen jungen Rabbiner vorschnell aburtheilen zu wollen. Nur auf die Mittel wollen wir ihn aufmerksam machen, durch welche seine Vorgänger so wohlthätig auf die Gemeinden unseres Fürsteuthums einzuwirken vermochten. Diese warn, fester unerschütterlicherMuth, Selbstständigkeit undAusdauer, nur durch sie wird Herr G. auf der von seinen Vorgängern betretenen Bahn fortschreiten können. Zu dieser Andeutung sind wir durch folgende Thatsachen veranlaßt. In Oberstem, einer sehr strebsamen Gemeinde, gelang eS dortigem braven Lehrer Frankenau, dieselbe zu vermögen, daß sie sich mit der Ein- *) Durch Zufall verspätet. führung des dreijährigen Cpclus im Hapthorah vorlesen, einverstanden erklärt. Am Tage jedoch, vor der zu beginnenden Einrichtung, wird Lehrer F. von Rabb. G. bedeutet, dieselbe noch ein Jahr zu verschieben, die Gemüther seien wohl noch nicht genügend vorbereitet auf diese wichtige Veränderung. F. gehorchte natürlich seinem Vorgesetzten. Aber hat Herr Rabb. G. denn auch voraus bedacht, daß er auf diese Weise zwischen F. und seiner Gemeinde Mißtrauen pflanzt? Konnte Herr Rabb. G. nicht die Möglichkeit voraussehen, daß, wenn er den Lehrer F. nöthigte, eine von ihm fest anberaumte Einrichtung als seinem Vorgesetzten widerstrebend, hinauszuschieben, die Gemeinde auf den Argwohn gerathen könne, F. habe in diesem und natürlich auch in andern Fällen aus angemaßter Machtvollkommenheit ohne Befugniß seiner Behörde gehandelt? Kurz, hat Herr Rabb. G. zufolge dieser Möglichkeiten, in seiner Handlungsweise nicht den Weg erkannt, allem künftigen deßfallsigen Wirken F's in der Volksmeinung einen unübersteiglichen Damm entgegenzusetzen? Welche und wieviel durchgreifende Reformen werden wir wohl von dem Manne zu erwarten haben, der schon die oben erwähnte für so wichtig hält, daß er eine langjährige Vorbereitung für nöthig erachtet. — Doch wie gesagt, wir wollen nicht voreilig urtheilen, um später nicht beschämt gestehen zu müssen, wir waren ungerecht; Herr Goldmann ist ein würdiger Nachfolger seiner würdigen Vorgänger. St. m Verschiedenes ans Bayern. (Schluß.) Dr. Adlers Auftreten beim letzten Landtag war auf den Gang der damaligen Verhandlungen nicht ohne Einfluß und von seinem Eifer und seinem Talent ist das Beste zu gewärtigen. — Von ähnlichen Motiven, daß es nämlich zweckdienlicher sei die Staatsregierung mit Bitten anzugehen, geleitet, haben eine Anzahl Lehrer eine umfassende Vorstellung bei dem k. Staatsministei ium eingereicht, in welchen sie ihre Wünsche und Bitten als Bürger des Staates, als Lehrer der Jugend und als Glieder der jüdischen Kirche von ihrem Standpunkte aus darstellen, aber sich ausdrücklich dagegen verwahren, als wollten sie auf Kosten ihrer Glaubcnsbrüder bevorzugt sein und neue Ausnahmsgesetze provoziren. Sie schildern die Schäden und Gebrechen des jüdischen Schulu. den anarchischen Zustand des Synagogenwesens und stellen namentlich die Lage der Religionslehrer so miserabel dar — wie sie ist. Daß hiebei die Errichtung einer Oberkirchenbehörde als drin- I gendeö Bedürfniß dargestellt wird, ist selbstsprechend.