Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 50 (12.12.1847)
- Date
- 1847-12-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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395 der Einwurf des Rabbiner Schott, ich wäre dem badischen Rabbinerstande mit unbegründeten Vorwürfen zu nahe getreten und batte dessen schütz- und rechtlose, dessen schwierige Stellung verkannt. Ich zäble unter dem badischen Rabbinerstande viele, insbesondere persönlich theure Freunde, ja ich zähle die meisten jünger« Rabbiner wenigstens zu meinen persönlichen Bekannten und bin daher wohl in der Lage, deren Stellung, und wahrlich nur mit den Gefüblen der innigsten TKeilnahme, zu betrachten. Die Lage der badischen Rabbiner ist unverkennbar eine höchst schwierige, deren materielle Eristenz eine sehr beschränkte, deren Stellung sehr abhängig, deren Wirksamkeit vielfach gehemmt, aber das größte Hemmniß liegt nicht außer ihnen, nein, in ihrem Innern, in ihrem eigenen Innern, in ihrem schwankenden unentschlossenen Benehmen in dem Schaukelsystcm, dem sich sogar die besser Denkenden zu unserem Bedauern immer mehr ergeben, während die Mehrzahl offen unseren Bestrebungen schroff cntgegeutritt. Deren Lage ist in vieler Hinsicht günstiger, wie die mancher andern Länder, in denen die Rabbiner dennoch Führer ihrer Gemeinden im Fortschritt wurden. Sie sprechen von Gntmutbigung, da wo niemals ein Mutb vorhanden war, Sie sprechen von Märtyrerthum, wo in aller Welt hat je ein badischer Rabbiner Verfolgung wegen Verwirklichung seiner Reformideen zu erleiden gehabt? Sehen Sie auf andere deutsche Länder, ich will beispielsweise nur an Bayern erinnern, dort hatten die Rabbinen neben den Beschwernissen, die ihnen die völlig rechtlose Stellung unserer Glaubensgenossen schuf, auch die Verfolgung der den religiösen Fortschrittsideen ungünstigen Machthaber zu erdulden, und dennoch hielten sie sich wacker und standhaft, da ließe sich allenfalls von Märtyrerthum reden. Bei uns aber wahrlich nicht, wo Regierung und Volk längst eine Entfesselung der Juden von dem alten Ceremonialzwang, eine innere Selbstemancipation dringend fordern. (Schluß folgt.) Geschichte des Tages. Die Taktik der hyperorthodoxen Rabbiner in Würtemberg. (Vom Kocher.) Kaum ist die Idee einer würtembergischen Synode zur Besprechung in jüdischen Religionsfachen und Einführung paffender Reformen aufgetaucht, als auch eine gewisse Ligue, zu feig offen die Majorität zu bekämpfen durch allerhand Jntriguen dieselbe zu Hintertreiben sucht. Aber eben jene heuchlerischen Parteiführer wirkten beim Entwurf und bei der Feststellung der Spnagogenordnung mit und gaben freudig ihre Zustimmung zur Einführung von Neuerungen in unserem Cultus, die ihrem Geldsäckel und ihrem hierarchischen Gelüste förderlich Die Einführung der Confirmation als Religionsprüfung ist etwas Löbliches und würde sie in der Religionsschule alljährlich vom Rabbinen unter Beiziehung der Eltern der zu confirmirenden Jünglinge und Jungfrauen öffentlich statthaben, so ließe sich dagegen von keinem Standpunkte aus etwas einweuden. Wie könnten aber die zionswächterlichen Trabanten die Mitarbeiter am die Einführung der Confirmation billigen die auf christlicher Basis ruht? Oder haben sie die Bedeutung derselben nicht gekannt? Wir wollen ihnen die Augen öffnen. In der katholischen und griechischen Kirche ist die Confirmation ein Sakrament. Bei den Protestanten ist sie eine heilige Ceremonie um dem Taufact eine zweite Weihe zu geben und der Vorbcreitungsact zum Genuß des Abendmahls. Der christliche Priester segnet durch Händeauflegen den Consirmanven und dieser betheuert der Lehre des Christenthums treu zu bleiben. Die Confirmation im Judenthume ist also rein eine Nachahmung des christlichen Sacraments. Und jener würtembergische Rabbine, vcr auf einer Durchreise zu Heidelberg einen confirmirten Jüngling bei einem Privatgottesdienste nicht zum Minjan zulaffen wollte, hatte von seinem Standpunkte aus so unrecht nicht, wenn auch der selige Dr. Rehfuß darob arg in Harnisch gerieth. Wenn aber jene Richtung die Confirmation mit einführen half und ein Hyperorthodorer Rabbi im Taubergrunde sogar ein Mädchen durch die Polizei aus Bayern requiriren ließ, daß es des Sacraments der Confirmation theilhaftig würde, wo bleibt da die religiöse Consequenz mit der diese Herren so gewaltig um sich werfen? — Läßt sich da nicht mit Recht vermuthen, daß sie gegen Reformen die ihre hierarchische Gewalt vergrößern, nichts einzuwenden wissen, daß aber solche die das Volk will und wünscht und die Regeneration des Judenthums erzielen, ihnen verhaßt sind und von ihnen hi ntertrieben werden? Von unserm Standpunkte aus kann die Einführung der Confirmation nicht angefochten werden; denn uns ist das Judenthum eine geistige Macht, die sich durch politischen Druck von Jahrtausenden und fanatischen Umzäunungen nicht hemmen ließ, die reine Gottesidee und den Monotheismus zu lehren und zu verbreiten und eben darum find wir auch nicht so äugst-