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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-12-05 · Heft 49 (5.12.1847) · page 7

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 49 (5.12.1847)
Date
1847-12-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
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301 Seele innewohnte, auf daß fein Wirkungskreis nicht zum Leichenacker werde, worauf er als Todtenbefchwörer steht, sondern zum reinen Leuchter, woran er das Licht einer geläuterten religiösen Erkenntniß anzündet; offen und ohne Scheu kämpfe er hier gegen den gedankenlosen Formdieost, dort gegen heidnische Menschen- und Weltvergötterung; nach dem Borbilde Mosis und der Propheten dringe er überall auf eine solche Moralität, die ihre Nahrung aus dem Streben nach Gottähnlichkeit zieht und als innere Heiligung weder durch hohlen Ceremonienprunk ersetzt werden, noch einer religiösen Unterlage entbehren kann." — . Zn einigen Tagen wird der mecklenburgische Landtag eröffnet. Die bürgerlichen Verhältnisse der Juden werden auch in diesem Zahre wieder zur Sprache kommen und wenn nicht alle Zeichen trügen, wird die Erlaubniß zum Ankäufe eines städtische» Eigenthums und zur Betreibung ayer Gewerbe gegeben werden. Damit wäre denn der Anfang^emacht unv wenigstens die succesive Lösung der Zudenfrage' in Aussicht gestellt. „Langsam!" ist der Wahlspruch des MMklendurgers. Nun, Schnecken^.erreichen am Ende auch ihr Mt»'. Carl Weil. (Vom Neckar, imNov.) Mein jüngster Bericht hat Ihnen von Dr. Carl Weils Verdienste um die bürgerliche Gleichstellung der Juden in Würtemberg und von der Anerkennung, die seine constitutionellen Jahrbücher finden, gesagt. Heute bringen die Stuttgarter Blätter die Nachricht: Dr. Carl Weil, Herausgeberder constitutionellen Jahrbücher, Mitglied des israelitischen Consistoriums hat von dem König der Franzosen das Ordensband der Ehrenlegion für seine Abhandlung über den Utrechter Frieden erhalten." Es war ein Spiel des Zufalls, daß die süddeutsche, politische Zeitung am 14. November d. I. einen Auszug aus Stahls Schrift: „der christliche Staat und sein Verhältniß zu Deismus und Judenthum" brachte, der Folgendes hervorhebt: „Man pflegt die jüdische Bolksanlage nach der intellectuellen Seite zu hoch, nach der sittlichen zu niedrig zu stellen. Die allgemeinen Anlagen, und namentlich, so weit sie auf die Befähigung zu achtbaren Staatsunterthanen sich beziehen, theilt dieses Volk mit allen übrigen derselben Race. Außerdem hat es wie jedes andere, und vielleicht noch mehr als die meisten anderen, eine sehr entschiedene Eigenthümlichkeit. Es ist das auserwählte Volk Gottes, seine Mission war für die Religion, den Glauben an den wahren Gott mitten in der Heidenwelt zu erhalten, Träger der göttlichen Verheißungen zu sein, den Erlöser der Menschheit von sich ausgehen zu lassen; sie war nicht für die Vollendung irgend einer Sphäre des irdischen Lebens, Kunst, Wissenschaft, Recht und Krieg. Danach || seine Volks-Anlage von Anfang an bestimmt. Der innerste Zug des jüdischen Volks von Natur ist Religion und religiöse, Gewissenhaftigkeit. in dieser hat es seinen sittlichen Halt, dagegen fehlen ihm die sittlichen Impulse, welche im Menschen selbstständig, gelöst von Gott entspringen, Ehre, Selbstgefühl, männlicher Trotz auf das eigene Recht, Schönheit der Lebenssitte, welche namentlich die Ehre, die natürliche Basis des germanischen Stammes bilden. Der jüdische Volksstamm konnte keinen Ritter ohne Furcht und Tadel erzeugen, aber er hat die Glaubenskrieger und die Apostel des Herrn erzeugt. Hat auch jene Mission des Judenthums aufgehört mit der Gründung des Christenthums dem es Vorbereitung und Präformation ist, so ist doch diese Bolksanlage ein für allemal gegeben." Ist es aber denn wirklich wahr, daß der jüdische Volksstand des ritterlichen Sinnes entbehrt unv ist der nur der Ritter ohne Furcht und Tadel, der gegen den Lindwurm kämpft. Ist nicht - ^der 'Kampf tzeMzudenthums um bürgerliche Freiheit ein männlicher Trotz auf das eigene Recht; sind nicht viele aus dem jüdischen Volksstamm der Religion der Väter ganz entfremdet und nicht der Glaubenseifer, sondern die Ehre halten sie ab, das Judenthum 'abzuwerfen und bürgerliche Ehre dagegen cinzutauschen? Was könnte Dr. Carl Weil mit feinen Kenntnissen, mit seinem ehrenhaften Charakter für eine Stellung im Staate einnchmen, wenn er das Juventhum über Bord geworfen hätte. Wie hatte der Mann zu kämpfen, bis seine Verdienste Anerkennung fanden! Wir wissen uns recht wohl zu erinnern, wie die ganze Presse Stuttgarts über den jüdischen literarischen Emporkömmling herfiel. Der cmgegangene Landbote — vulxo Schandbote — setzte ein eignes Verdienst darein ihn mit Koth zu bewerfen. Ein publicistischer Steuerrath nahm, als er gegen die Feder des gefeierten Publicisten nichts ausrichten konnte, den Judenhaß zu Hülfe um den siegreichen Gegner aus dem Felde zu schlagen. Wo ist da die Ritterlichkeit, auf germanischer oder jüdischer Seite?! Es war eine Satisfaction für den Vorwurf der Unritteri lichkeit, daß die süddeutsche politische Zeitung am andern Tage den Ritterschlag des Dr. Carl Wells brachte. Also ein wirklicher Ritter ohne Furcht und Tadel! Den Zusatz der Redaction zu dem Auszug aus der Stahl'schen Schrift wollen wir hier wiedergeben: i „Wir theilen diese Stellen des Stahl'schen Buches mit, weil

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