Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 49 (5.12.1847)
- Date
- 1847-12-05
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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392 sie eine eben so geistvolle als billige und wahre Schilderung des jüdischen Wesens enthalten. Wir verwahren uns jedoch gegen die Meinung, als ob wir alle Consequenzen der Stahl'- schen Schrift annchmen. Wir halten ^lmebr die Stahl'sche Auffassung vom „christlichen Staat" für verfehlt, so wie wir auch die Ansicht nicht theilcn, daß die Juden nur wegen ihres nichtchristlichen Bekenntnisses nicht zu emancipiren seien. Wir glauben vielmehr, daß die Gründe gegen die politische Emancipation eben in der Nationalität der Juden zu suchen find. Wir werden hierüber später weitläufiger reden, und bemerken nur zur Verhütung von Mißverständnissen, daß wir für die Juden eine vollständig sociale Emancipation fordern, daß wir aber wünschen, die Staaten möchten Gesetze gegen den Wucher im weitesten Sinne des Wortes machen, welche den christlichen Wucherer, Speculan« ten, Hofmetzger, Viehhändler, eben so gut treffen, wie den jüdischen." A. E. den Mittelftankens, vermittelt durch Hrn. Joseph Kohn in Nürnberg — wir werden von diesem Ehrenmann weiter unten zu sprechen Gelegenheit finden — in der neunten öffentlichen Sitzung ein, welche stischweg um Gleichstellung und zunächst um Zuweisung ihrer dermaligen Vorstellung, wie jener beim vorigen Landtag an die GesetzgebungScommiffion zur Berücksichtigung bei der Anfertigung der neuen Gesetzbücher bittet. Mit einer gleichen Petition folgte Bamberg und andre werden Nachkommen. Man wollte wahrscheinlich keine Gelegenheit das Recht geltend zu machen vorüber gehen lassen, denn ein reeller Erfolg ist dermalen durchaus nicht zu erhoffen. Anders, und unfers Bedünkens besser, griffen es die Gemeinden Unterfrankens unter Leitung der Herren von Hirsch, Hänle und Grailsheim an, die in einer Versammlung am 28. v. M. beschlossen, bei der allerhöchsten Stelle eine mildere Handhabung des Ediktes vom 10.'Jum'^13 bis zur Gesetzvorlage zu beantragen und deßhalb der Herr Rabbiner vr. Adler aus Kisfingen^üü>lE?^ä^MkN R^^^elehrteWLrn. vr. Meiersohn nalDWW^»DWUWMW F^Mchlüß folgt.) Derschiet-nes aus Bayers (Bayern im November). Es dürfte an"der Zeit sein, wieder einen Blick auf unsere Zustände zu werfen, um bemessen zu können, ob die veränderten Regierungsgrundsätze auch unsrer Sache bereits eine Förderung gebracht und ob auch wir Schritte gethan haben, geeignet die Früchte jener Veränderungen mit genießen zu können. Da müssen wir denn nun sagen, daß Einiges allerdings bereits geschehen. Vieles aber noch, besonders in kirchlicher Beziehung, geschehen muß. Bei unfern dermalen außerordentlich und zur Erledigung von Geldfragen versammelten Landständen find von mehreren Seiten Petitionen unserer Glaubensgenossen eingelaufen. Den Reigen eröffnete jene kurze und gemessene Vorstellung des israel. Gemeinde-Vorstandes in München. Bei deren Verlesung in der 7. öffentlichen Sitzung mehrere Abgeordnete ihre Sympathien für diese Frage der Gerechtigkeit aussprechen und der Abgeordnete ,* Hr. Dekan Bauer an den Ministertisch die sehr praktische Frage stellte, wie es mit den desfallfigen Vorarbeiten stehe, worauf der k. Regierungs-Commiffair, Hr. Oberstudienrath Neumüller die Erläuterung gab, die Kreisregierungen seien zur Berichterstattung aufgefordert. Traurige Perspective für die nächste Zukunft! Wenn die Frage erst bis zur noch nicht erfolgter Berichterstattung gediehen ist, so dürste eine Gesetzesvorlage beim nächsten Landtage (1848) kaum zu erwarten sein; — Ein zweite Petition ging von den drei und vierzig Gemein- Bitte. Am ^6. September d. I. ist der fleißige un^^ave Israeli, tische Handelsmann Jermias Rosenblatt von hier, auf freier Straße von ruchloser Hand überfallen, auf entsetzliche Weise ermordet und seiner Habe beraubt worden. Derselbe hat eine Wittwe mit noch vier unmündigen Kindern in der dürftigsten und traurigsten Lage hinterlassen. Da unsre kleine Gemeinde sgrößtentheils aus unbemittelten Mitgliedern besteht, wie auch nicht minder durch die große Noth des verflossenen Jahres sehr in An. spruch genommen worden ist: so kann die Unterstützung für genannte unglückliche Familie trotz der aufopfernden Mildthätigkeit unserer Gemeinde, nicht hinreichen, ihr nur die allernothwendigsten Lebensbedürfnisse zu verschaffen. Daher'wendet sich die Unterzeichnete an die Wohlthätigen und Mitleidigen in Israel mit der ergebensten Bitte: doch ihre gütige und milvthätige Hand nach Kräften, dieser tiefbetrübten und elenden Wittwe mit ihren 4 Waisen wohlwollend zuwenden. Der Allgütige, der Vater der Wittwen und Waisen, wird gewiß jede Gabe reichlich belohnen. Berchfeld, am 18. November 1847? Der Synagogen » Aelteste. L. M. Lefor. Wir find gern zur Annahme von Spenden für diese höchst bemitleidenswerthe Familie bereit. Die Redaction. Verlag der I. C. Hermann'scheu Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offenbach.