Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 49 (5.12.1847)
- Date
- 1847-12-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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S88 tfieit Gerichts, und darum zu einer Versöhnung des Menschen mit Gott allein geeignet sei. 25. Auch den bedeutsamen historischen Ereignissen die durch das Ehanukah und Tischeb'awfest gefeiert werden, soll in dem Gottesdienst der Genossenschaft eine angemessene Erinnemngsfeier bestimmt sein, doch muß besonders das letztere Fest nach den hier ausgesprochenen Gruudansichten der Genossenschaft über die Wiederherstellung des jüdischen Reichs, eine ganz andere Bedeutung gewinnen, als ihm bisher in dem betreffenden Gottesdienst gegeben wurde. Geschichte des Tages. Versammlung jüdischer Reformfreunde in Berlin. (Schluß.) £ (Frankfurt a. M. im November.) — So gerechten Tadel der Hamburger Gemeinde-Vorstand wegen seiner Circumcisfiomanie verdient, und so sehr wir den asiatisch - barbarischen Gebrauch der Beschneidung.verabscheuen, würden wir der Genossenschaft dennoch nicht angerathen haben, dem Antrag des Herrnvr.Goldscheider in Sommerfeld gemäß deren sofortige Abschaffung auszusprcchen. Es muß vielmehr den betreffenden Familienvätern anheimgestellt bleiben, von ihren neugeborenen Knaben dem eingewurzelten Vorurtheile den blutigen Leibzoll zu entrichten oder nicht; es können Rücksichten und Verhältnisse obwalten , denen auch die klarste Einsicht und der beste Wille weichen müssen. Die Zeit dürste nicht so sehr ferne sein, wo diese Ceremonie nicht höher angeschlagen werden wird, als so viele andere von den Juden sonst beobachtete, nun vernachlässigte, zum Theil vergessene; vorläufig genügt, wenn es nur an den verschiedensten Orten jüdische Eltern giebt, welche selbstständig genug sind, allen Anfeindungen Trotz zu bieten, alle Rücksichten bei Seite zu setzen, und natürlichen Regungen zu folgen. Die Juden im Abendlande müssen nothwendig so lange gewissermaßen als Asiaten betrachtet werden, als sie sich selbst zu solchen stempeln; vollständig europäisch erzogene und herangebildete spätere Geschlechter werden dieses besser einsehen und zu würdigen wissen; der heutigen Judenheit geht dazu die religiöse und politische Befähigung und Mündigkeit im allgemeinen noch ab. — Die Anlegung von Ackerbau-Schulen für die gereifte ärmere Jugend und von Colonien für Familienväter, welche Hr. Berliner, Gutsbesitzer auf Schloß Zülz, beantragte, gehört zu den Träumen und frommen Wünschen eines MenschenfteundeS; dieses oder ein ähnliches Projekt war, irren wir nicht, im Großherzogthum Posen aufgetaucht, und dessen Erfolglosigkeit vorherzusehen. Wenn man sich doch nur auf das Ausführbare beschränken, und das noch zur Zeit jedenfalls Unmögliche nicht einmischen wollte! Dergleichen Projekte haben zur nothwendigen Folge, daß alles unterbleibt und gar nichts geschieht. Schließt im Posenschen die Talmud-Schulen; verliert die Zeit nicht mit Grübeleien über die Ansichten ähnlicher Müssiggänger früherer Zeiten von dieser oder jener Alfanzerei; erzieht eure Kinder, verheiratffet sie, redet und lebt nach Landessitte; helfet euch selbst und der Himmel wird euch helfen; wahrlich, ärger als nach Hrn. von Thile das türkische Unwesen ist das polnisch-jüdische, nur durch bessere Erziehung der Jugend kann dagegen, freilich langsam genug, gewirkt werden. — Der Antrag des Hrn. vr. Levi, Religionslehrers in Breslau, auf Anfertigung eines Bibel-Auszugs für den Religionsunterricht sagt zwar uns selbst nicht zu. Ein Bibel-Auszug ist nicht die Bibel; klassische Werke des Alterthums müssen ganz gegeben werden, wenn deren Geist aufgefaßt werden soll, nicht in Auszügen, nicht in castrirten Ausgaben, nicht in Auflagen tu usum Delphini. Ob die Bibel überhaupt zum Jugend-Unterrichte zu benutzen, gar vollständig der Jugend in die Hand zu geben, dürfte an sich sehr fraglich sein. So lange es jedoch ein Judenthum geben wird, wird die Bibel als dessen geschichtliche Grundlage nicht entbehrt werden können; wie viel und was davon den Kindern mitzutheilen, wäre wohl den Religionslehrern selbst zu überlassen, welche dabei schwerlich eine und dieselbe Norm befolgen könnten, vielmehr Alter, Geschlecht und Reife der Schüler zu beachten hätten. Es dürste daher der beantragte Bibel-Auszug dennoch von Nutzen sein, da den Lehrern unbenommen bliebe, nach Umständen eine weitere Auswahl zu treffen, oder auch die ganze Bibel dnrchzunehmcn. — Die Gründung eines jüdisch-theologischen Lehrstuhls an einer deutschen Universität ward, wie wir glauben, von Geiger zuerst angeregt und ausführlich besprochen. Hätte nur eine deutsche Regierung unseren inneren Angelegenheiten einige Aufmerksamkeit geschenkt, der Lehrstuhl würde schon errichtet sein. Nicht etwa seiner Nützlichkeit für das Judenthum oder für die Judenheit wegen, darüber können die Ansichten verschieden sein, sondern seines unzweifelhaften Nutzens für die betreffende Universitätsstadt wegen, welche dadurch einen ansehnlichen Zuwachs an Studirenden erhalten würde; freilich müßte zugleich auch für Yie Freitische einigermaßen gesorgt werden. Nun aber fand sich Hr. Hellwitz, Obervorsteher in Soest, veranlaßt.