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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-11-28 · Heft 48 (28.11.1847) · page 7

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 48 (28.11.1847)
Date
1847-11-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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383 Polks eine Regeneration seines Kultus wünscht. Wir verstehen unter „Volk" nicht die gemeinen Pöbelhaufen die der Zionswächter durch allerhand kühne Sprünge und logische Purzelbäume zu fanatisiren sucht; denn diesem ist die Religion ein schwarzes Nachttuch unter dem er ungescheut in heuchlerischer Augenverdreherei sein Unwesen treiben kann. Der Kern der deutschen Juvenheit hat mit großen Opfern dem bürgerlichen Leben sich gewidmet, losgeriffen sich von Misbräuchen die die Roth zur Tugend gestempelt hat und will sich aussöhnen mit seinem Gotte und seinem Nebenmenschen. Das Gebet, die Correfpondenz unserer Seele mit der Gottheit, muß zum wahren Erguß unserer Gefühle gemacht werden und darf nicht kabbalistische Geheimnisse, unsinnige Sucdenborgianas enthalten. Wozu dieses ewige Diplomatisiren mit den Reformbestrebungcn, diese verschmitzte Pastoralklugheit, heraus mit der Farbe, herunter mit den Schlasmützen unserer somnambulanten Rabbinen, die ein süßes Nichtsthun jedem Fortschritt vorziehen! — Wir müssen unserm Kirchenrath diese Zögerung zum Vorwurfe machen, denn von Uebereilung kann hier nicht gefaselt werden, da Männer, wie Maier, Wassermann und Löwengard die Reform des Judenthums zur Lebensaufgabe sich gestellt haben und von einem leichtsinnigen über Bord werfen nicht die Rede sein kann. Die Hydra des Jndifferentismus wird uns über das Haupt wachsen, dann fahret wohl Rabbinerversammlungen! — An unserm politischen Horizonte steigt jetzt wieder die Judenftage auf und zwar vorerst die Frage: wird sie bei dem nächsten ordentlichen Landtag, der im December eröffnet werden soll, an die Tagesordnung kommen, und wenn ja, wie wird sie verabschiedet werden? — Unser unermüdeter Dr. Carl Weil wirkt stets im Stillen und öffentlich für unsere heilige Sache. „Das ist einer von unsere Leut" wie sie sich mehren sollten unter Israel. Alles, Zeit, Stellung und Geldopfer widmet er um seinen Glaubensgenossen in seinem Adoptivvaterlande aus ihrer separat-bürgerlichen Stellung zu erlösen. Es sollen ihm von einem hochgestellten Beamten die schönsten Hoffnungen gemacht worden sein. Bei dieser Gelegenheit muß ich auch der constitutionellen Jahrbücher erwähnen, die es dahin gebracht haben als Autorität von den größten Staatslehrern erkannt zu werden. Ich habe schon gemeldet, daß vr. juris Pfeifer in Tübingen sich habitilirt hat, er wird im nächsten Semester über Civilprozeß lesen. Die Universität Tübingen hat in diesem Semester elf immatriculirte jüdische Studirende und zwei hospitirende der Wundarzneikunde beflissene jüdische Jünglinge. Unsere Synagogenordnung macht es den Rabbinen und Lehrern besonders zur Pflicht die Brüderschaften — Chewroth — zur Belebung und Erhaltung des wahren religiösen Sinnes zu gebrauchen. Rabbiner M. Güldenstem in Buchau hat diese Aufgabe in seiner Gemeinde meisterhaft gelöst. In Buchau bestunden seit undenklichen Zeiten die Brüderschaften Xtcrip mzn und min mabn 'n jung no# der Verein 2ill "QADie beiden älteren Vereine drohten sich aus Mangel an Theilnahme aufzulösen, darum trug der Rabbkne mit dem Vorstände auf Vereinigung aller dreien mit Zugrundlegung neuer zeitgemäßer Statuten an. Die Vereinszwecke find hauptsächlich Unterstützung und Verpflegung kranker Nothleidenden, Bezahlung aus Vereinsmitteln der Leichenkosten für Reiche und Arme in der Gemeinde, Verbindlichkeit der Mitglieder jede Leiche zu Grabe zu geleiten; für kinderlos verstorbene Vereinsmitglieder läßt der Verein die durch die gute, alte Sitte geheiligte Trauergebete — Kadisch — verrichten und der Rabbiner hält im Trauerhause die ersten „Vier" Sabbathe nach dem Ableben des Verstorbenen unentgeldlich religiösen Bortrag. Die Ausgaben des Vereins werden durch wöchentliche Einzahlungen und freiwillige Spenden gedeckt. Das Vereinskapital soll nie über 600 fl. anwachsen, der Ueberschuß wird zur Erhaltung und Verschönerung des Friedhofs verwendet. Die jüngste Brüderschaft wollte sich, da sie über nicht unbedeutendes Grundstück zu verfügen hatte, mir den älteren nicht amalgamiren. Eine Predigt des Rabbinen führte jedoch die Vereinigung herbei. Ich gebe hier aus derselben eine gemüthliche Parabel wieder: Ein Vater hatte zwei Söhne, der eine stund schon im blühenden Jünglingsalter, als der jüngere Bruder geboren ward. Beide erhielten vom Vater die Lehre, dem Dienste der Menschheit und Menschlichkeit sich zu widmen. Der ältere Bruder verwendete sein Pfund zur Beglückungseiner Mitbrüher, er stellte Lehrer auf, die den Armen das Wort Gottes lehrten, er gab Speise und Trank dem Hungrigen, Kleidung dem Nackten und brachte Trost ins Trauerhaus. Sein Wirken war siill-bescheivcn, doch verbreitete sich sein Ruf, und der jüngere Bruder trat in die Fußstapfen des Aelteren. Auch er verbreitete Heil und Segen. Beide wandelten oft sich begegnend den Pfad der Tugend. Da wurde der Erstgeborne altersschwach und er konnte seinem Tagwerk nicht mehr recht Nachkommen, da klagte er es dem Nachgeborncn unv sprach: Siche, meine Kraft nimmt ab und ich kann dem Gebote des.Vaters nicht mehr recht Nachkommen, leihe mir deine Kräfte, und wir wollen vereint die Straße wandeln, die wir vereinzelt sonst betreten; denn siehe, wie gut und frommend ist es, wenn Brüder in Eintracht zusammen handeln. Da reichte der Jüngere dem Aelteren die

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