Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 48 (28.11.1847)
- Date
- 1847-11-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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LSI einzugehen, welche wir für wichtiger halten, als Gottesdienst und Gebetbuch, auf die Gefahr hin, bei Ihnen und Ihren Lesern für irreligiös zu gelten. Jedenfalls haben sich die jüdischenReformfreunde in Preußen bei der bevorstehenden Gemeinde- Organisation vorzusehen, daß sie nach innen und außen würdig und entsprechend vertreten werden, sie mögen nur des öffentlichen Aergers eingedenk sein, den der Gemeinde-Vorstand zu Hamburg gegeben, als er sich neuerlich beigehn ließ, seine Amtsgewalt zu Ausübung eines Beschneidungs - zugleich Gewissenszwanges zu mißbrauchen. (Schluß folgt.) Verschiedenes. (Berlin, dcn st.Nov.) Nachdem ich, Herr Redacteur, in meinen Mittheilungen über diesseitige jüdische Zustände, Umstände halber, eine Ebbe habe müssen eintreten lassen, obliegt es mir jetzt, wo ich meine ftüheren Schilderungen wiederaufnehme und allvicrzehntäglich fortzusetzen gedenke, zunächst eine kurze Nachlese dessen zu liefern, was sich vom Schluffe des vereinigten Landtages bis jetzt unter uns ergeben. Hinsichtlich des Landtages, so weit er die Juden betrifft, ist zunächst zu bemerken, daß, ist gleich sein Resultat nicht sonderlich erheblich, nichtsdestoweniger mit ihm in die Geschichte unserer deutschen Glaubensbrüder ein neuer Wendepunkt eingetreten ist. Der Geist, welcher sich auf demselben über die Würdigung derJuden unzweideutig ausgesprochen, ist es vorzüglich, auf den hingewiesen werden muß; „der Geist macht lebendig, der Buchstabe tödtet." Was würde es uns nützen, wenn für uns auch weitbrüstigere Gesetze in Worte geformelt worden wären, ohne daß sie, wie in Churhessen, ihrem Geiste nach, auch zur Ausführung kommen? In dem jetzigen Judengesetze ist das Wort zwar etwas eng gehalten, allein der Geist, der darin waltet, durchbricht schon in diesem Augenblicke die enge Form. Im Gesetze heißt es: Juden sollen an denjenigen Universitäten, deren Statuten den Ausschluß der Juden nicht bedingen, in den medizinischen und naturhistorischen Wissenschaften zu akademischen Würden gelangen könne," nur aber find die Statuten sämmtlicher preußischer Universitäten, mit Ausnahme der Berliner, gegen die Zulassung der Juden, wollte sich das Gouvernement nur an die Form halten, so stünde es mit unserer Anerkennung auf dem Gebiete des Wissens noch immer sehr schlecht. Allein der Geist des Gesetzes, welcher unsere Berechtigung in der wissenschaftlichen Bethätigung einmal anerkannt, durchbricht die Form, und hat so den Cultusminister soeben veranlaßt, die betreffenden Univerfitätsbehörden um eine Revision der Statuten selbst zu ersuchen. Dieselbe Herrschaft des Geistes wird sich auch bald in anderen Beziehungen gedachten Gesetzes kund thun, er wird so lange an seinen einzelnen Bestimmungen nagen, und gleich dem Geiste des Hamlet, maulwurfsartig in der Tiefe wühlen, bis er endlich seinen innersten Lebensnerv, so weit er beschränkend ist, nemlich das Prinzip des christlichen Staates selbst, vernichtet haben wird. So bereiten sich schon jetzt viele jüdische Talente zur Advocatur zum Phyficat u.s. w.vor, und sie werden durchdringen, obgleich der Buchstabe des Gesetzes gegen ihr Wollen angeführt werden könnte. Die Verhandlungen des Landtages über Judenverhältniffe ist aber in meinen Augen noch eine viel höhere, welthistorische, ich möchte sagen, die tiefsten Fugen des göttlichen Geistes selbst berührende Bedeutung, unsere Regierung, welche bekanntermaßen dem Juden und dem Judenthume, als einer die christliche Anschauung zersetzende Mach», nicht sonderlich wohl will, hat den Landtag berufen, um von ihm »hre bisherigen, grade nicht auf dem Boden selbst des positiven Rechts wurzeluven Beschränkungen gutheißen zu lassen, ja selbst für neue Restriktionen den Volkswillen einzuholen. Allein der zum Fluchen einberufene Landtag gab seinen Segen. „Wie soll ich fluchen,'' spricht Bileam schon vor tausenden von Jahren, „wo Gott nicht flucht." V. Vinke lieferte von der Wahrheit dieses Satzes den deutlichsten Beweis. Er, der westphälische Judenfeind gesteht selbst, ec sei den Juden abhold gesinnt, aber die fluchgefinnte Zunge verwandelt sich ihm in demselben Augenblicke, wo er den Blick seines Geistes, auf die Zelte Israels wirft, zum Segen. Der Gedanke, daß die Weltgeschichte ohne Juden und Judenthum nicht gedacht werden kann, scheint sich auch der Feinde der Israeliten immer mehr zu bemächtigen. Dies führt mich zu einer neuen Betrachtung. Der Glanzpunkt der Juden war nicht zur Zeit Salomons, als das Volk Israel in einem Winkel Asiens fein Leben düster und einsam dahinbrütete, nein, er beginnt sich erst jetzt zu erheben. Schon im Besitze von ansehnlichen materiellen und geistigen Gütern, mußte eine höhere Macht die Gesetzgebung der Staaten so lenken, daß sie diese Güter noch in einem höhern Grade zu erlangen in den Stand gesetzt würden. Dazu aber bietet das neue Judengesetz abermals, wenn gleich unbewußt, die Hand in der Gewährung der Freizügigkeit und der Lehrlicenz. Erstere wird der Vermehrung ihrer materiellen und letztere der ihrer geistigen Güter einen neuen Aufschwung geben. Dies sind aber nun die beiden Mächte, von welchen die Welt regiert wird. Allerdings die Juden regieren die Welt noch nicht