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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-11-28 · Heft 48 (28.11.1847) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 48 (28.11.1847)
Date
1847-11-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
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378 B. Den Inhalt des Religio nslehrbuchs betreffend. I. Quellen des Zudenthums. 1. Als Grundquelle der Religion überhaupt ist die ununterbrochene Selbstoffenbarung Gottes in der Natur und im Geiste des Menschen anzusehen, sowie diejenigen besonderen Gottesoffenbarungen, wodurch der Geist einzelner Menschen oder auch größerer Gesammtkeiten zu einer vorzüglichen Erkenntniß der göttlichen Wahrbeiten gelangt, ohne daß hiermit irgend eine sinnliche Offenbarung des göttlichen Wesens und Willens verbunden wäre. — Die so mit höherer Erkenntniß Ausgerüsteten werden zu Religionsstiftcrn und Lehrern der Menschheit (Propheten), ohne sich dadurch über die Schranke der allgemeinen menschlichen Befähigung zu erbeben. 2. Als Quelle für die Religion des Zudenthums ist eine solche dem Geiste unserer Vorfahren und besonders unseres Religionsftifters Moses gewordene Offenbarung anzusehen, die sich jedoch in den folgenden Geschlechtern Israels, wiederum besonders durch einzelne hervorragende Geister zu immer höherer Vollkommenheit ausgebildet bat, und sich in Zukunft noch weiter fortbilden soll. Das Judentbum ist demnach, wie jede menschliche Erkcnntniß, einer ununterbrochenen Entwickelung fähig und bedürftig. Es kann also der Inhalt desselben in keinem einzelnen Buche vollkommen enthalten und abgeschlossen sein, und noch viel weniger können die gegenwärtig ausgesprochenen Ueberzeugungen auf eine unumstößliche Geltung Anspruch machen. 3. Als die vornehmste Quelle des Zudenthums ist die heilige Schrift (die fünf Bücher Mosts) zu bezeichnen, als das lebendigste Zcugniß von ldcr Fülle des göttlichen Geistes durch den die ausgezeichnetsten Männer des jüdischen Uraltertbums, wie kein anderes Volk auf der ganzen Erde, erleuchtet wurden, und ist daher vornehmlich aus diesem Buche die Lehre über das Wesen Gottes und sein Verhältniß zu den Menschen, über die Bestimmung des Menschen im Allgemeinen, und über seine sittlichen Pflichten gegen Gott, gegen sich selbst und gegen seine Mitmenschen zu schöpfen. Eine höhere Anerkennung der heiligen Schrift, als ein von Gott selbst gesprochenes Wort kann nicht gelehrt werden, und eben so wenig kann die ewige Verbindlichkeit der in diesem Buche enthaltenen besonderen Vorschriften und Gesetze anerkannt werden, obwohl die darin niedergelegten allgemeinen Ideen als ewige Grundlehren der Wahrheit und der Sittlichkeit zu bezeichnen sind. 4. Als fernere Quellen für die Religion des Zudenthums sind zu bezeichnen: 1. die übrigen heiligen Schriften und insbesondere die Propheten, in welchen viele in derThorah ausgesprochenen Lehren bereits zu einer höheren Entwickelung gelangt sind, während der Werth vieler einzelnen mosaischen Vorschriften in den Hintergrund tritt. 2. Die aus der Denk- und Lebensweise der späteren Bekenner des Zudenthums hervorgegangcne Tradition, wie sie besonders im Talmud niedcrgelegt ist, ist ebenfalls ein Denkmal des jüdischen Geistes und eine Entwickelung des biblischen Zudenthums, durch welche auf vielen Gebieten des religiösen Denkens und Handelns wichtige Wahrheiten und Grundsätze zu Tage gefördert wurden. Doch kann den vom Talmud festgestellten Vorschriften darum in keiner Weise eine bindende Kraft für die Gegenwart zugestanden werden. 3. Die nachtalmudischen, erklärenden und rcligionspbilosophischcn Schriften bis auf die der Gegenwart haben ein gleiches Recht, als Momente der fortschreitenden Entwickelung des Zudenthums anerkannt und beachtet zu werden. 4. Als Quelle für die Religion des Zudenthums ist daher die ganze Geschichte des Zudenthums, die Ideen, die sich in demselben entwickelt, die sittliche Lebensgestaltung, die aus demselben bcrvorgcgangen ist, und auch der Zusammenhang der Ereignisse zu betrachten, aus welchem die Aufgabe der Gesammtheit und der Einzelnen nach dem Fingerzeige der göttlichen Führung zu jeder Zeit erkannt werden soll. II. Allgemeine Religions - u. S i r t e n l e h r e. Z. Auf diese Grundquellcu der jüdischen Religion, und besonders auf die heiligen Schriften gestützt, wird Folgendes als der Hauptinhalt der Lehren des Zudenthums bezeichnet:

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