Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 47 (21.11.1847)
- Date
- 1847-11-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2566751-2567098-2567146--2901-2570872- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
374 Vereinigte Schulen. Mannheim. Von der Einführung der vereinigten Schulen hofft man auf einen Einfluß auf das Land, was natürlich ein großer Schritt vorwärts in den Interessen rer Zei! wäre, deren ganzes Streben dahin gehen muß, das Reich des Verstandcs und nicht des Vorurthcils zu begründen. Dieser Weg führt direct zur tzmancipation der Juden, einem Werbe, das schon manchen großen Geist beschäftigte, nie jedoch so recht aus« geführt wurde. Dadurch nun, daß man die christlichen Consessionen einander näher bringt; dadurch daß man in neuerer Zeit weniger von dem einzig Wahren hört, ist der Schritt ge. than, welcher einer wahrhaft humanen Religion die Gemüther Aufruf der ruffichen Regierung. Wilna. An die im Kaiserreich ansässtgen Juden hat die russische Regierung einen Aufruf erlassen, worin nach Auseinandersetzung der Maaßregeln, welche getroffen werden, um den Zustand derselben zu ordnen, schließlich die Aufforderung an sie gerichtet wird, sich bis zum 1. Januar 1850 in eine der folgenden Kategorien zu stellen: 1) in eine der drei Handelsgilden; 2) in die Bürgerschaft irgend einer Stakt oder eines Fleckens, in Erwerbung einigen Grundbesitzes; 3) in eine der drei Handwcrkszünste, nach Ablegung der erforderlichen Proben von der Kenntniß des betreffenden Gewerbes; 4) in die Ackerbauklasse, entweder auf eignem Grundbesitz, oder auf Gemeinde- oder Adelsgütcrn, oder Domainen, in welchem Falle eine Gelduntcrstutzung zur ersten Ausicdlung, zehnjährige Abgabcnsrciheit, 25jäbrigc Entbindung vom Militärdienste und Erlaß aller früheren Abgaberiickstände bewilligt werden soll. Alle Juden, die sich nach Ablauf dieses gesetzlichen Termins nicht einer dieser Kategorien angelchlossen haben, sollen dann, wenn sie nicht etwa mit akademischen Graden bekleidet sind, oder zur Ehrenbürgerschatt gehören, und als solche besondere Privilegien besitzen, in eine besondere Kategorie zusammengefaßt und allen Repressivmaßrcgeln unterworfen werden, welche die Regierung in diesem Betracht anzunehmen für uöthtg erachten möchte. Emancipationsgesuch in Italien. Florenz. Unter den in Toskana'lebenden Israeliten werden gegenwärtig Petitionen vorbereitet, um den Großherzog zu bitten, ihnen vollkommen gleiche Rechte mit den übrigen Unterthanen zu verleihen. Die Presse nimmt sich dieser Angelegenheit mit Eifer an und es ist unter den jetzigen Umständen wohl kaum zu zweifeln, daß dieselbe einen günstigen Erfolg haben dürfte. Ein Wort an meinen Freund, Hrn. JOr. Hirsch. (©. Israelit Nr. 30.) *) Sie wollen lieber Freund, mir mit gleicher Münze dienen; sehen wir uns doch das Gepräge dieser Münze etwas näher an. Ich bemerkte über Ihr Votum in der Sabbathsrage, daß die Ge. danken, welche nach Ihnen durch die Sabbathruhc misgedrückt werden sollen, an sich richtig sein mögen; aber die Verbindung dieser Gedanken mit der Sabbathruhc, die Idee nämlich, daß diese Ge« danken durch die Sabbathruhc bezeugt und symbolistrt werden, müßte ihrer Originalität zugeschrieben werden. Diese unschuldige Bemerkung hielten Sie für Spott, und um mich dafür den schweren Ernst Ihrer Strafe fühlen zu lassen, erinnerten Sie sich, daß auch ich in meinem Votum den symbolischen Gedanken des biblischen Sabbath zu geben oder, wie Sie lieber wollen, wiederzugeben versucht habe. Nun kehren Sie als besonnener Krieger all die groben Geschütze des Spottes wider mich und werfen mir die Scherben meiner eigenen Phrase in's- Gesicht. Aber eines wichtigen Umstandes haben Sie l. Freund sonderbarer Weise vergessen, eine Waffe haben Sie mir gelaffen, deren geheimci, Gebrauch Sie nicht kennen. Ich behauptete nämlich, daß das biblische Zeitalter mit der Sabbathruhc gewisse Gedanken — welche, ob die von Bahr oder von Ihnen erfundene . ist mir im Grunde gleichgültig — sy mbolisch e.nsgedrückt und bezeugt habe, deren Verbindung unserem aus den, symbolischen Naturlebcn herausgetretenen Geiste gänzlich abhanden gekommen sei, daß wir unmöglich jenes Leben nachahmen und mit der Sabbathruhc gewisse Gedanken ansdrücken können und eben deshalb auf die symbolische Sabbathruhc im biblischen Geiste verzichten muffen. Aber Sie, lieber Freund? Wollen Sie auch dasselbe , lesen Sie doch Ihr Votum. Sie wollen ja alles Ernstes die biblische Sabbathruhc nebst dem biblischen Sabbathbegriff für alle Ewigkeit festgchalten wissen, Sie muthcn ja uns allen zu, die von Ihnen in den Sabbath hinringclegten Gedanken, nicht etwa nur als pure Wahrheit hinzunehmen, sondern sie durch die Sabbathruhc zu bezeugen. Daß die biblischen Menschen mit der Sabbathruhc gewisse Gedanken ganznaturgemäß ausdrückten, darüber herrscht unter uns keine Meinungsverschiedenheit, wohl aber darin, ob wir es ohne Originalität des Geistes oder lieber ohne die größte Willkühr zu thun vermögen. Paßt nun meine gegen Ihr Votum gerichtete Bemerkung auch auf das ineinige? Haben Sie mir mit gleicher Münze gedient? Schon die Nabbinen sagen: s'2'^ssl ntyyj JQDD px weil das Gepräge ein unzuverlässiges sei ,TP3j; miSl WTOSX PPnjn *) Durch Zufall der Abdruck verspätet. Die Red.