Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 47 (21.11.1847)
- Date
- 1847-11-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2566751-2567098-2567146--2900-2570871- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
373 für unsre schwachen Nerven, so still, leise und bescheiden, daß man kaum etwas davon verstand — und doch war eine so all« gemeine Mißstimmung unter den Alten, als hätten wir einen der vorzüglichsten Prediger gehört und dadurch an diesen furcht, baren Tagen einen Genuß gehabt. Mit der Predigt wars also sür die folgenden Feiertage aus, wir hatten nur noch—so zu sagen — Chorgesang. Nun find die Feiertage vorüber, und da hat die > liebe Seele Ruhe. Es kümmert fich kein Mensch mehr um religiöse Angelegenheiten. Herr C. studirt die Hamaso, Herr Rittermann pflegt seinen Leib und die Mitglieder sind thätig in ihren Geschäften. Es ist still, ganz still! Seid ruhig ihr Buben, stört die Herren nicht! Gute Nacht! — z. Emancipationsanspruch in Bayern. (Aus Bayern, im Nov.) — Es ist bereits zu wiederj holten Malen in diesem Blatte sowohl als in den übrigen den! speciell jüdischen Interessen gewidmeten Blättern darauf hingewiesen worden, daß bei dem günstigen Umschwünge, welcher in den Ansichten der bayrischen Staatsregierung nach der liberalen Seite hin eingetreten ist, es auch für die Israeliten unseres Vaterlandes an der Zeit sein möchte, von Neuem sür die Verbesserung ihrer politischen und bürgerlichen Verhältnisse zu petitioniren, da die zahlreichen Petitionen, welche bei dem letzten Landtage von denselben eingereicht wurden, trotz der nachdrücklichen Bevorwortung der beiden Ständekammern, von dem vorigen Ministerium so zu sagen av Akta gelegt worden sind, j Die Vorstände der israelitischen Cultusgemeinde zu München haben nun diese ihnen vor allen andern zukommende Aufgabe erkannt, und sich mit einer derartigen Vorstellung an die zu einem außerordentlichen Landtage in der Residenz versammelte Kammer der Abgeordneten gewendet. Diese Vorstellung ist , zwar kurz, aber in einem würdevollen Tone abgefaßt, weßhalb! sie auch hier einen Platz finden möge.! Die Vorstände der israelitischen C.ltusgemeinve in der Hauptstadt des Königreichs haben fich .vor dem letzten Landtage bittend eingefunden und an die hohe Kammer der Abgeordneten das Gesuch gebracht: „Es wolle dieselbe bei seiner Majestät dem König den Antrag stellen, daß ein auf dem Grundsätze der vollkommenen Gleichstellung der Israeliten mit den übrigen Staatsangehörigen ruhender Gesetzesentwurf den Ständen des Reichs baldmöglichst vorgelegt werde; die hohe Kammer der Abgeordneten ließ diese Bitte willkommen sein und zeigte in ihren Verhandlungen, daß sie dem Geiste dieses Jahrhunderts, der eine Befreiung der Israeliten ans ihrer staatsbürgerlichen Unmündigkeit längst als Foderung der Menschlichkeit anerkennt, nicht entsagen wolle. Und so brachte fie denn auch im Vereine mit der hohen Kammer der Reichsräthe an die Krone mehrere diesem Geiste deS Wohlwollens und der Gerechtigkeit entsprechende Anträge auf Revision der über die Israeliten bestehenden Gesetze. So erhebend das Wollen und Wünschen der Stände, so niederschlagend waren die Worte des Landtagabschiedes vom Jahre 1846, die es selbst und wohl mit bemessener Absicht in Frage stellten, ob überhaupt eine Abänderung der über die Verhältnisse der isr. Glaubensgenossen in diesem Königreiche bestehenden Gesetzgebung zeitgemäß und ein Bedürfniß sei! Wie tiesergreifend dieser strenge Spruch uns auch treffen mochte, so können wir doch nicht glauben, daß derselbe als dauerndes Staatssymbol 'genommen werden dürfte, und leben vielmehr bei der neuen fteisinnigen und großartigen Auffassung unserer vaterländischen Zustände der beglückenden Hoffnung, daß die Krone und ihre Räthe auch in unserer Sache den Foderungen des Jahrhunderts gebührende Rechnung tragen werden. Eben so zuversichtlich glauben wir, daß die wohlwollenden Gesinnungen, welche von beiden hohen Kammern in der jüngsten Ständeversammlung bezüglich unserer Verhältnisse kunv gegeben wurden, in ihrer ganzen Ausdehnung noch ffortbestchen, und daß die warme Vertretung, welche die Sache unserer Glaubeusbrüder vor Kurzem erst bei dem Landtage eines unserem Vaterlande durch vielseitige Bande nahe befreundeten deutschen Königreichs zu Theil wurde, auch in den Verhandlungen unserer Volksvertreter siegreichen Wiederhall finden werde. In diesem Vertrauen wagen wir es, mit Beziehung auf unser früheres Gesuch an eine hohe Kammer der Abgeordneten die ehrfurchtvollste Bitte zu stellen: „dieselbe wolle auch bei ihrer gegenwärtigen außerordentlichen Versammlung sich unser annehmen und durch Stellung geeigneter, dem Geiste aufgeklärter Gegenwart entsprechender Anträge bei feiner Maj. dem Könige dahin zu wirken suchen, daß für den nächsten ordentlichen Landtag die Vorbereitung hierauf bezüglicher Gesetzesvorlagen allergnädigst angeordnet werden möchte." Wie Sie nun gelesen haben werden, ist diese Vorstellung bereits zur Discusfion in der Kammer gelangt und dürfen wir einen guten Erfolg mit Zuversicht erwarten. - M. -