Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 47 (21.11.1847)
- Date
- 1847-11-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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371 ren Schritten mit der lebhaftesten Theilnahme gefolgt stnd. Für diese muß es dann vom höchsten Interesse sein, daß nun bestimmte Prinzipien ausgesprochen worden sind, welche der bedeutendsten religiösen Institution, welche dem Gottesdienste zu Grunde gelegt werden können, daß somit das, was längst von allen Erleuchteten geahnt, empfunden, erkannt worden ist, nun doch eine Gestaltung erhalten, klar uno anschaulich vor den Blick hingestelli worden ist. Es haden nun doch Alle ein Bestimmtes, ein Konkretes, dem sie zustreben können, mittelst welcher sie ihre Ideen sicherer und bestimmter fassen, sie dadurch sowohl in sich mehr beleben, als auch bei Anderen und namentlich in den gottesdienstlichen« und Schulanstaltcn anbahnen können. Besonders ist den vielen erleuchteten Jugend« und Volkslehrern durch jene Grundsätze eine Quelle eröffnet, aus der sie schöpfen und die sie auch weiter ausgraben können, bis sie zu einem Strome wird, der nach allen Seiten hin sich ergießt, und überall den lechzenden Erdboden tränkt und erfrischt.— So hat denn bereits jetzt jene Versammlung durch den Ausspruch der steten Fortbildung von Lehre und Gesetz, sowie durch die höhere Fassung, welche sie dem Offenbarungsbegriff, der Berufung und der Priesterschaft Israels, der Messiasidee, der Gemeinschaft der Bekenner unseres Glaubens, dem Verdienst der Vorväter (NQX ro) u. der Sabbathsfeier gegeben, einen bedeutenden Schritt zu dem großen Ziele der Genossenschaft, der deulschrn Iudcnheit ein jleuchtender Mittelpunkt zu sein :c. gethan, und wenn es nun der künftigen Versammlung noch gelingen sollte, einen der umfassendsten Prinzipien-Entwürfe, deren bereits drei von bewährten Händen (Holdheim, Nebenstein, Stern), ausgearbcitet wurden, zur Berathung und Beschlußnahme zu bringen, dann wird für die allgemeine Betheilignng an den Lebensfragen des gegenwärtigen Judenthmns, für ihre allseitige Durchsprcchung für ihre Befestigung in denen, welche sie bereitsin ihrer höheren Wahrheit erfaßt, wird für ihre Anbahnung bei Andern, welche sich noch nicht mit voller Entschiedenheit ihnen zugewendet, überhaupt für die Gestaltung eines erleuchteten und lebenskräftigen Zudenthums, noch unendlich mehr geschehen und das Wort eines der begabtesten Glieder der Genossenschaft*) zur Wahrheit geworden sein: „Wir sehen sämmtliche Bekenner des Zudenthums als Bekenner der wahren Religion an, und halten nur die Art und W^ise des Bekenntnisses, wie die Bethätigung desselben, als eine Form der Vergangenheit, die einer Reform für die Gegenwart, besonders aber znm gesicherten Fortbestehen des Zudenthums für *) Hr. A. Reben st ein in seinem Prinzipien-Entwurf. die Zukunft, dringend bedürftig ist. Insofern dieses Bedürfnis in den meisten deutschen Glaubensbrüdern namentlich anerkannt ist und diese auch auf dem Wege der Reform begriffen sind, se. hen wir uns nur als die Vorgänger in der Reform an, so daß wir die gegenwärtig nothwendig gewordene Sonderung in eigne religiöse Institute nur als ein einstweiliges Mittel betrachten, durch welches unserm Bcdürfniß genügt, und der Weg, den wir für den wichtigen halten, für die Zukunft und für Alle angebahnt wird. — Kammer-Verhandlungen. (München, 3. Rov.) — Zn der gestrigen öffenilichen Sitzung der Kammer der Abgeordneten kam die Vorstellung der israelitischen Kultusgemeinde radier, die Verhältnisse der israelitischen Glaubensgenossen bctr. vor. Diese Vorstellung beantragt: „Die Kammer möge durch Stellung geeigneter, dem Geiste der aufgeklärten Gegenwart entsprechender Anträge dahin wirken, daß für den nächsten Landtag die Vorbereitung von Gesetzesvorlagen bez. der Gleichstellung mit den übrigen Staatsangehörigen angeordnct werde." — Hierüber harte nun folgende kurze Diskussion statt: Herr Adv. Ney: Auf den Antrag der vorigen Stänveversammlung, die ^age der Israeliten zu verbessern, sei im Landtagsabichiede eine lakonische Antworf dahin erfolgt, daß in reifliche Erwägung gezogen werden soll, ob und was für die'elbe zu thun sei. Dieses sei die Veranlassung zu der dermaligen Vorstellung. Vielleicht werde man gleich heute vom Ministertische aus wenigstens darüber eine Erklärung geben wollen, ob der Zweifel, ob überhaupt die Lage der Israeliten zu verbessern, gelös't sei. Hr. Fabrik. Sattler: Zu Dem, was im vorigen Jahre über diesen Gegenstand gesagt worden, wolle er nichts hinzusügen. Aber Hinweisen wolle er, was seitdem in Deutschland geschehen sei. In Preußen, Würtemberg, Baden, überall sei dringend gesagt worden daß cs Zeit sei, Menschen, die ihre Pflicht thaten, auch als Menschen zu behandeln. Um so nöthiger erscheine es ihm, gleich heute, bei der vorläufigen Begründung des Antrags, ein Wort zu Gunsten jener bedrückten Staatsbürger zu sprechen, als er die sichere Meinung habe, daß dies wohl das Einzige sein werde, was sie dieses Mal für dieselben thun könnten. Deßhalb wünsche er, daß das heutige, wenn auch kurze Wort die Regierung veranlassen möge, zu erfüllen, was die Israeliten erwarteten. Herr Adv. Dr, Kirchgeßner: Er wolle auf einen speciellen Fall Hinweisen, aus die Israeliten, welche auf Grund früherer ministerieller und Staats, rathsbeschlüffe sich den juristischen Studien hingegeben hätten.