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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-11-14 · Heft 46 (14.11.1847) · page 6

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 46 (14.11.1847)
Date
1847-11-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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360 Stadt-Orthodoren, einem - Mann, und einem Gewöhnlichen Minhag-Land-Orthodoren, der in der Unwissenheit und in der Verachtung alles Nicht - Talmudischen einen Ruhm sucht und bei seines Gleichen auch findet. Wenn ein israelitischer Kaufmann, der Vorsteher einer jüdischen Gemeinde von den Behörden zu solcher Stellung befähigt erachtet, wenn er zum kaufmännischen Prüfungs-Commissär in der Krcishauptstadt ernannt wird, so verdient dies Notiznahme Seitens der jüdischen Presse. Diese Gedanken trage ich schon mit mir herum, seitdem ich die Errichtung und das mehrjährige Gedeihen dieser Anstalt gewahrte, als ich gewahrte, wie die ihr anvertrauten jungen Leute schnell an äußerer Politur wie an Kenntnissen Zunahmen. Den ekletantesten Beweis aber erhielt ich, als ich mir einen mehrstündigen Weg nicht gereuen ließ und der am 15. d. M, Statt gefundenen öffentlichen Prüfung im Schulsaale daselbst, in dem alle öffentlichen Prüfungen abgehalten werden, beiwohnte. Ich verstehe vom Französischen wenig, vom Englischen und Italienischen noch weniger, -"gleichwohl fühlte ich mich, wie das zahlreich anwesende jüdische und christliche Publikum durch die Gewandtheit der Fragen und die Schnelligkeit der Antworten, so wie nicht minder durch die, aus der Geschichte und rem Leben gewählten Sprech- und Leseübungen auf's lebhafteste angesprochen, aber wahrhaft überraschend waren die Prüfungscrgebnisse in der kaufmännischen Rechenkunst und Buchführung, in der Wechselkunde, in Kalligraphie, im Zeichnen, in der Corrcspondenz, kurz in allen in das Kaufmannsfach einschlagendcn Gegenstände, und ich konnte bei gesteigertem Interesse von Morgens 8 bis 12 und Nachmittags von 2 bis 6 Uhr dieser Prüfung beiwohnen. Ein gleiches Interesse schien auch der erste rechtskundige Bürgermeister der Stadt daran zu nehmen, da er fast den ganzen Tag mit ungethcilter Aufmerksamkeit den Prüfungsgang verfolgte. Allgemeine Bewunderung erregte die Gewandtheit und der rüstige Takt des Vorstandes, und jeder mußte sich sagen, daß nur ein ausgezeichneter Kopf, wie Hr. Kitzinger es ist, sich einem Berufe mit solchem Geschicke und solchem Glücke in so kurzer Zeit widmen konnte, der seinem bisherigen fern lag. Es war daher jedem Zuhörer aus der Seele gesprochen, als der Vorstand der Schul-Commission, Hr. Distrikts- Inspektor Schnitzlein am Schluß seiner Rede cs aussprach, daß Hr. Kitzinger und seine Hülfslehrer auch in diesem Jahre wieder Ausgezeichnetes geleistet haben. Schade nur, daß Hr. Kitzinger es hauptsächlich mit jüdischen Landleuten zu thun hat, die für so und so viel Geld so und so viel Kenntnisse, die man mit Händen greifen könne, prätentiren und das Alles in möglichst kurzer Zeit. Denn obschon auch Christen die Anstalt besuchen, von welchen mehre sogar Kost und Wohnung im Hause haben und auch aus der nicht großen und-nicht wohlhabenden Gemeinde mehre Jünglinge den Unterricht mitgenießen, so rekrutirt sie sich doch größtentheils aus Jünglingen vom Lande, die meistens unvorbereitet und ohne sprachliche Kenntnisse ausgenommen werden müsien. Der Unterricht selbst umfaßt einen zweijährigen Cursus. Hr. Kitzinger ist auch Vorstand der israelitischen Gemeinde und dem Fortschritt in unserm kirchlichen Leben mit aller Entschiedenheit zugethan. Er war auch Verfasser einer sachgemäßen Vorstellung an die Stände bei unserm letzten Landtag und käme es auf ihn an, so sollte die Reform in der dortigen Gemeinde eine noch breitere Grundlage gewinnen, als sie bereits in vieler Beziehung gewonnen hat. Ueber die Verbreitung der Juden auf dem Erdboden. Die Hengstenbergische Evang. Kirchenzeitung, welche unlängst die jetzt auch im Buchhandel erschienene Abhandlung von Stahl „über den christlichen Staat in seinem Verhältniß zum Judenthum und zum Deismus" brachte, enthält in ihren neuesten Nummern einen zwar nicht wegen seiner christlichen Misfionstendenz, aber wegen vieler höchst interessanter Notizen lesenswerthen Aufsatz „Die Juden im Jahre 1847." auf den wir, wenn er vollendet sein wird, ausführlicher zurückkommen. Jetzt nur Einiges aus den geographischen Mittheilungen desselben. Von den erzwungenen Auswanderungen und der aufgenötihgten Zerstreuung über die ganze Erde sind nur einige Colonien zu unterscheiden, von denen sich in neuerer Zeit Spuren gezeigt haben. Dürfen wir nämlich dem Berichte eines in den Jahren 1835 und 1836 in Afrika reisenden Engländers Davidson glauben, so befinden sich auf dem westlichen Abhange des Atlasgebirges, auf einer Höhe von 5000 Fuß, in mehr als 100 Dörfern zerstreut, Tausende von Juden in voller Freiheit. Nur zu den herrschenden Berbern stehen sie in einer Art von Vasallenverhältniß. Ihre Rabbinen find auch ihre Richter. Ihre Tradition besagt: „Zu Salomo's Zeiten seien ihre Väter über das große Meer an Egypten vorbeigefahren. Sie seien auf der Qstseite des Gebirges gelandet. An 12 Quellen, von 70 Palmbäumen beschattet, hätten sich dieselben niedergelassen und Städte erbaut. Später, von dort vertrieben, hätten sich dieselben in die westlichen Thäler begeben und seien in ihre jetzigen Wohnungen eingezogen." — Eine andere Colonie der althebräischen Zeit ist die der schwarzen Juden auf der Küste Malabar. Sie kennen die Bücher der Propheten nicht. Der Name Juden ist ihnen noch jetzt zuwider. Sie ziehen demselben die Be-

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