Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 46 (14.11.1847)
- Date
- 1847-11-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2566751-2567098-2567145--2890-2570860- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
304 Geschichte des Tages. Versammlung der Reformfreunde. Berlin im Oktober. Diese Tage fand die in dem Rundschreiben vom 24. Sept. (S. Nr. 42 d. Bl.) ausgeschriebene Versammlung von Reformfrcunden statt. Dazu hatten sich außer den Bevollmächtigten der hiesigen Genossenschaft noch einige Auswärtige eingefunden, worunter der Obervorsteher Hellwitz aus Soest, in Auftrag von 30 Gemeinden, Berlin und Cöslin in Auftrag der dortigen Genossenschaft, vr. Salomon aus Hamburg und der Rcdacteur dieser Blätter. Außerdem hatten noch Viele ihr Interesse für jene Versammlung zu erkennen gegeben, so namentlich r>r. Riesser in Hamburg, vr. Kley ebendaselbst, vr. Stern in Göttinnen und der Verein für Verbesserung der jüdischen Zustände in Baden. Der gewählte Vorsitzende, Hr. vr. S. Stern hob mit Recht hervor, wie die nur geringe Theilnahme an der Versammlung Seitens der Auswärtigen mehr in dem Umstande zu suchen sei, Laß dort die Zustände in den Gemeinden die Einführung dessen, womit die Berliner Genossenschaft vorangegangen, noch nicht möglich mache, wie es aber an den Sympathien für die Versammlung Seitens der höherstrebenden aller Orten nicht fehle und dieses sich auch mannigfach kund gegeben habe.— Der erwartete Prinzipien-Entwurf konnte indeß nicht zur Vorlage kommen, da, wie der Vorsitzende bemerkte, die Arbeiten der Einzelnen, (Dr. Holdheim, A. Rebenstein und Dr. S. Stern) noch nicht zur Berathung bei der betr. Commission hätten kommen können. Es müßte daher die Berathung auf die übrigen eingegangenen Anträge (S. den Hauptartikel) sich beschränken, und ging man zunächst an den ersten von der Genossenschaft eingebrachten, als den wichtigsten unter allen, glaubte aber, damit Prinzipien erst erledigt würden, dem Theil B. zunächst sich zuwenden zu müssen. Wie die Fragen, so waren auch die Verhandlungen hierüber vom höchsten Interesse, umfassend und tief in den Gegenstand eingehend. Ueber die Offenbarungs-Ideen (B, 9) einigte man sich dahin, daß jede starrsupernaturalistische, wie striktrationalistische Fassung vermieden werde, um der subjektiven Auffassung größere Freiheit zu geben, und nahm auch die sämmtlichen wichtigen Bestimmungen unter 1 und 2 an, ingleichem mit einer unwesentlichen Veränderung in der Fassung den Schlußsatz von g. — Dabei gestattete man auch den Zuhörern das Wort, was auch höchst ersprießlich war, indem dadurch die verschiedensten Ansichten auftauchten und durch die Debatte berichtigt wurden. Die ganze Stadt nahm das lebhafteste Interesse an dieser Versammlung und welche Wichtigkeit auch die alte Partei ihr beilegte, geht schon daraus hervor, daß der Rabbinats-Asseffor vr. Sachs Samstags von der Kanzel herab' in einer Heftigkeit gegen sie eiferte, die auch den Orthodoxen mißfiel und es nur zu deutlich verrieth, daß der Redner selbst von dem nicht geringen Erfolg dieser Reformbestrebungen überzeugt ist. — Heute den 31. Oct. fand uun die letzte Sitzung statt, in welcher über den Satz h. unter B. die Sabbathsgebete betr., berathen wurde, und es gehörte diese Sitzung unstreitig zu den wichtigsten und fruchtbarsten. Mit aller Tiefe des Gedankens und aller Macht der Rede ward sowohl das, was für die fortwährende Bezeichnung des Samstags als wöchentlichen Ruhetages (der buchstäbliche Sinn der Bibel, die allgemeine Feier dieses Tages in der Judenheit, die zu befürchtende Concession an das historische Christenthum u. A.) als was dagegen spricht (das Drängen des Lebens, der nicht an einen bestimmten Tag gebundene Zweck des wöchentlichen Ruhetages u. A.) geltend gemacht. Mit einem Ernste und einem religiösen Sinn der selbst die Zuhörer der alten Partei zu der Versammlung hinzog, betheiligten sich sowohl die Männer der Wissenschaft als des Lebens an der Debatte und man einigte sich endlich mit Ausnahme von zwei Stimmen dahin, daß der Idee nach die Feier des Sabbaths durchaus nicht an einen bestimmten Tag gebunden sein könne, daß daher auch überall, wo ein solches Bewußtsein in einer Gemeinde sich dahin entschieden, im Gebete die Heiligkeit eines bestimmten Tages entfernt werden müsse, daß man aber bei dem Widerspruch welchen der Commissionsantrag selbst bei den intelligentesten Mitgliedern der Genossenschaft gefunden, noch so lange eine ausdrückliche principielle Bestimmung hierüber suspendiren wolle, bis sich die Gesinnung der Letzteren entschieden hiefür kund gegeben. Es wurde daher das Amendement des vr. Heß in den Satz li. die Worte „sowie — Tages" wegzulaffen und im Nachsatz statt „einen Tag" „den Sabbath" zu setzen — angenommen und hiemit wurden die Sitzungen geschlossen und die nächste Zusammenkunft binnen spätestens 6 Monaten beschlossen. A. Cohn. (Paris, 18. Sept.) Herr Albert Cohn, der mit Ausdauer der moralischen Erhebung der Juden in den muselmännischen Staaten, besonders in Algier sich widmet, wurde am 2. d. von dem französischen Generalconsul Herrn von Lagau dem Bey von Tunis vorgestellt. Mehrere Juden der Regentschaft Tunis haben bereits höhere Claffen des Nischan- Ordens erhalten. Herr Cohn bat den Bey, für die ganze jüdische Bevölkerung zu thun, was er schon für einzelne Individuen derselben gethan, und sich für die Errichtung ähnlicher Schulen und Erziehungshäuser, wie sie in Europa bestehen, zu interessiren. Der Bey versprach seine Mitwirkung hierzu und sagte: „Du willst die Juden, Deine Brüder,