Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 46 (14.11.1847)
- Date
- 1847-11-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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einer Gemeinde angemessen erscheint, an beiden Tagen; b. am 1. und 7. Tage des Pessachfestcs, als Befreiungsfest; c. am Schewuothtage, als Offenbarungsfest; ' d. au: ersten Szuckothlage, als Erntefest, und am Schemini Azereth, als Schlußfest; <->. am jom hasikkaron (rosch haschanah) (Borabend und Frühgottcsdienst), als Gedächtnißsest, mit angemessener Berücksichtigung des Jabrcswcchsels; s. am jom hakkipurim, Vorabend, Früh- und Nachmittagsgottesdienst, als Bersöhnungsfcst. Das Tischeh b'aw und Channukahfest finden als Erinnerungsfeicr an wichtige Ereignisse der Vergangenheit in dem Gottesdienst der laufenden Woche ihre entsprechende Berücksichtigung. Tie Theilnabme an dem Gottesdienst kann mit oder obne Hauptbcdeckung statt finden. Eine besondere Bettracht wie Tallis und Tephillin erscheint nicht angemessen. 6. Bestimmungen Ln Bezug auf den Inhalt des Gebetbuchs. 1. Der Inhalt des Gebetbuchs besteht: u. aus älteren jüdischen Gebeten; b. aus der Bearbeitung von älteren Gebeten und Psalmen; e. aus neuen Gebeten und Gesängen. Die Aufgabe der neuen Gebete ist es vornehmlich, dem Gebiete der andächtigen Betrachtung einen größeren Umfang und mehr Mannigfaltigkeit zu geben. 2. FolgendeGrundsätze werden für die Aufnahme und Bearbeitung älterer, sowie für dieAbfassung neu er Gebete zu Grunde gelegt: a. Die Auserwähltheit Israels, insofern sie eine ausschließliche Liebe Gottes für den israelitischen Volksstamm in Anspruch nahm, ist zu verwerfen; insofern sich aber Israel im Besitz geläuterter Religionsvorstellungen befand, und die- Wahrung und Verbreitung derselben als seine besondere Aufgabe erkannte, enthält dies Bewußtsein auch jetzt noch Wahrheit und soll seinen entsprechenden Ausdruck in unfern Gebeten finden. b. Das Priesterthum Zsracls ist in unfern Gebeten ebenfalls in der Weise aufzufassen, daß sich in demselben das Bewußtsein und die Uebernahme jener besondern Aufgabe ausspricht, dagegen ist die Anerkennung eines besondern und bevorzugten Priester- und Levitengeschstchts in Israel selbst zu verwerfen. Ter sogenannte Priestersegen wird daher nicht von Cohanim, sondern wie alle andere Gebete und Gesänge vom Vorbeter und Chor vorgetragen. e. Die Messiasidee muß als eine der Grundlehren des JudentKums in den Gebeten ihren Ausdruck finden, insofern sie die Hoffnung auf die Verwirklichung der vollkommensten Erkcnntniß und Sittlichkeit in der ganzen Menschheit ausdrückt. Dagegen ist sie vollständig zu verwerfen, insoweit mir derselben die Hoffnung auf Wiederherstellung des jüdischen Reiches verbunden ist. -l. Alles was sich auf den leiblichen Auferstehungsglauben bezieht, ist zu verwerfen, und an dessen Stelle der Glaube an Unsterblichkeit der Seele zu setzen. 6. Die Vorstellung von einem noch gegenwärtig fortbestehenden jüdischen Volke ist aus den Gebeten zu entfernen, dagegen ist das Bewußtsein der religiösen Gemeinschaft unter allen Bekenner» des Zudenthums zu erhallen. f. Wenn vom nm ro (Verdienst der Väter) die Rede sein soll, so können wir in unfern Gebeten auf die Verdienste unsrer Vorfahren nicht besondere "Ansprüche an Gott, sondern Ansprüche an uns und Dank gegen Gott begründen. Ebenso wenig ist es angemessen in den Gebeten Gott gewissermaßen an seine Verheißungen zu mahnen, oder ihm gar vorzuhalten, daß er um seines Namens willen unser gedenken solle. Vielmehr mögen wir statt Seiner Verheißungen unserer Aufgabe gedenken, und hiermit die Zuversicht verbinden, daß unser Streben zur Verherrlichung Gottes des endlichen Sieges gewiß sein dürfe. g. Die Idee der Offenbarung ist nur als eine göttliche Erleuchtung des Menschengeistes aufzufassen, durch welche die Schranke der allgemeinen