Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 44 (31.10.1847)
- Date
- 1847-10-31
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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hat, nie aber kann eine solche den Werth einer religiösen Handlung (Mizwah) gewinnen. Meiner Ansicht nach ist ein denkender Kopf beim Gebet mehr Werth, als ein bedeckter, denn Tephila heißt denken und aus dem Denken entsteht die Andacht, die die erste und letzte Bedingung eines Gottgefälligen Gebetes ist. Möchte nur bald das Beispiel besserer europäischer Sitte beim Gottesdienste, welches die kleines emeinde Soest gegeben, auch anderwärts Nachachmung finden. Verschiedenes. Fortschritt. Schule und Lehrer. Sittlicher Stand! der Israeliten im benachbarten Baden. j (Vom Neckar.) — Die ältere Freimaurerloge „Wilhelm zur j ausgehenden Sonne", steht im Begriff ihre Hallen den Israeli ten zu öffnen; während die jüngere „zu den 3 Cedern" keinen Unterschied in Betreff des religiösen Bekenntnisses macht. — Die Arbeiter der beträchtlichen Keßler'schen Maschinenfabrik zu Eßlingen haben ettienr Lrederkranz unter sich gegründet, und tolerante Gesinnungen dadurch an den Tag gelegt, daß sie den j dortigen israelitischen Vorsänger M. Levi zu ihrem Gesanglehrer wählten. So unbedeutend dieser Act zu sein scheint, so liefert er doch den erfreulichen Beweis, daß unser Volk das wahre Verdienst (Levi ist tüchtiger Sänger und Musiker) abgesehen von der Confession, immer besser zu würdigen versteht. Da bei nächstem Landtag die Revision des Schulgesetzes in Aussicht gestellt ist, werden gegenwärtig bei den Diöcesan- und j Schullehrerconferenzen fleißig betreffende Wünsche, Vorschläge; und Anträge gesammelt, um sie sofort höherer Behörde vorle- > gen zu lassen. Da nun die bei diesen Conferenzen anwesenden! israelitischen Lehrer als die Minderzahl ihre Ausstellungen und , Anträge wohl nicht genügend geltend machen können, und Vorj länger, welche nicht zugleich Lehrer sind, denselben gar nicht l anwohnen, da ferner die kleinern unter 60 Familien bildenden! Gemeinden gegenüber den größern diese Familienzahl überstei-! genden Gemeinden in einem auffallend ungünstigen Verhältniß stehen, so daß sie, die allgemeine Elementarschullast yach Verhältniß des steuerbaren Vermögens mittragend, ihre eignen Confessionsschulen zu erhalten haben rc., so macht Rabbiner Wälder in Berlichingen öffentlich seinen Amtsbrüdern den Vorschlag, mit ibren Lehrern und Vorsängern zu diesem Zweck Versammlungen Zu veranstalten, und die Ergebnisse durch die israelitische Oberkirchenbehoroe der Staatsregierung vortragen zu lassen. Zugleich macht derselbe den Vorschlag, auch in Beziehung auf ALL j andere Schul- und Religionsschulverhältniffe all- oder halbjäh- | liche Borsängerconferenzen, nach dem Beispiele norddeutscher j Rabbinen zu veranstalten. Derselbe hat bereits eine solche auf i den 30. September für seinen Rabbinatsbezirk präsentirt und j ausgeschrieben. Es kann für unsere Schulen und Lehrer nur | von gutem Erfolg sein, wenn diese Vorschläge des Hrn. Walj der allgemeinen Anklang finden, von Rabbinern und Lehrern mit Umsicht und Energie ausgefühet, von den Gemeinden aber unterstützt werden. — Nach der veröffentlichen Uebersicht über die Strafrechts - Verhältnisse in uinerm benachbarten Baven während des JahrS 1845 gehören von ver ganzen Bevölkerung an der evangelische Religion 31,83 %, ver kathol. 66,4'’%, ver israel. l,T-°/o. Ange'chuldigt waren evangel. 43,430/o. kathol. 67, 71 o/o, israel. 1 ,1,7o/o. Verurtdeilt: evangel. 31, -u/o, kathol. 66,67 %, israel. 1, 41 O/o Man ersieh: hieraus, vaß bei een Verurtbeilten die Christen den Israeliten gegenüber ihr Verhältniß überschritten. Eli, adermaligec faclii'cher Beweis, vaß dir christliche Kirche nicht v e ausschließlich heilbringende, die israelitische aber nicht so verderblich sei als man sie betrachten will. Gesellschaft für sociale und politische Interessen der Juden. (Schluß.) Zn einem anderen Aufsatz über Religion in ihrer Bedeutung für bas sociale Leben sagt u. A. Dr. Kleinpaul: Zudem aber so einerseits der gemeinsame Glaube die Völker einigt, schließt er die Verbundenen andererseits um fo schärfer gegen Andersgläubige ab. Die Andersgläubigen find für denjenigen Glauben, weicher Feuer und Kraft hat und seiner Alleinwahrheit sich bewußt ist, schlechthin Ungläubige, Feinde Gottes. Es haßt daher der Gläubige den Ungläubigen — nicht aus egoistischen Gründen, sondern um Gotteswillen, und er stempelt durch dieses Motiv seinen Haß zu etwas Edlem, Gottwohlgefälligem. Als der Glaube der abendländischen Völker auf seiner Höhe stand, weil keine Kritik weder ihn selbst noch seine äußern Schöpfungen angriff, da richtete er — nicht zufällig, sondern vermöge psychologischer Nothwenvigkeit — seine volle Kraft gegen seine eigene Negation, gegen den Unglauden. Dasselbe halre der Glaube morgenländischer Völker einige Zahrhunderte früher gethan, derselbe Glaube, ver in den Kreuzzügen als Unglaube bekämpft ward. Der Glaube ist daher ein durchaus nicht probehaltigeö Mittel zur Verbrüderung der Völker. Der Gläubige achtet unv liebt den An-