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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-10-31 · Heft 44 (31.10.1847) · page 8

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 44 (31.10.1847)
Date
1847-10-31
Page
– (sequence 8)
Language
German
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353 deren nicht als Menschen, sondern als Gläubigen; seine Liebe erkaltet, ja sie geht bei leidenschaftlichem Temperament in Haß über, wenn der zuvor Gläubige sich dem Unglauben zuwendet.*) Der Satz: „Ahr seid allzumal Einer in Christo; hier gilt nicht Jude noch Grieche" u. s. w. (Galat. 3, 28) hat die Achillesferse seiner socialen Bedeutung in dem Zusatz: in Christo. Es soll eine Heerde werden, aber nicht ohne daß zugleich ein Hirt ist, ein Glaube; in dieser Bedingung liegt eben die Unmöglichkeit der Erfüllung jenes Postulats, nur auf der Grundlage ves als solches geachteten Menschevthums können die Völker dauernd unter einander verbrüdert werden. und fügt diesem noch in einem zweiten Artikel die Bemerkung bei: Bei denkenden Völkern zersetzt die Aufklärung die Ideen der Religion; mit der Kritik wirkt das stärkere Hervortreten der rein. der in ganz Preußen noch im übrigen Deutschland. Daß dem! aber so werde, dahin muß unser ganzes Bestreben gerichtet sein, denn nur so kann die politische Emancipation ihre volle Kraft entwickeln. Wir können, wir dürfen nicht hinter der großen Fo» derung unserer Zeit, von der o^s^schon gesprochen, zurückbleiben, wir müssen verjabrtLLvaltunaen in Sprache und Sitte, so weit an uns ist aufheomWvöllen wir.es nicht, nun, so wird auch die mit raschem Flügels^Mg vorwärts eilende Zeit uns zurücklassen, sie wird sich erfüllender es mit, sei es ohne uns. Ausgleichung in Sprache und Sitte, Aussöhnung mit Gegensätzen, denen die Juden seit Jahrhunderten nur ein träges Erdulden entgegensetzten, das fet uns^^lufgabe. Auch innerlich werden ste alsdann erstarken, ^LWUrden dann nicht das traurige Schauspiel einer gä^zliHrV Entfremdung Aller derer sehen, denen das Alte nicht mehr genügt, ohne daß diele doch vermöchten, die Neuzeit in sich aufzunehmen. Dies Alles möglich zu machen ist zwar ein großes, aber auch ein Ziel, das einer großen Anstrengung wertd . ist, das wir aber gewiß nicht verfehlen werden, wenn Jever a<\Minen Kräften in fester, dauernder Einigung mit GkeUhtz>esinnten dahin mitarbeitet, es zu erreichen. menschlichen Bestrebungen in Wissenschaft und Kunst, inj| Industrie, Handel und Politik zur allmähligen Verdrängung vcr^ Religion aus den Gemüthern. Indem so der Glaube sinkt, tritt die Humanität hervor, die Schätzung des Menschen als solchen, ohne Rücksicht auf sein Verhältniß zur Gottheit als Ziel auf. Werden durch die Humanität die vielen Trennungen vom Pr in. cip aus vernichtet, welche die Verschiedenheit des Glaubens unter den Menschen erzeugt hat, so verlier sich durch das Abthun der^ Mönchsmoral und das Hervortreten der wahren Moralität der S-nn, welcher zur Jsolirung treibt. Absehend vom Glauben geht nun der Mensch mit dem Menschen um gemäß der natürlichen Neigung und dem Zuge der Beschäftigung und der Bildungsstufe; erhaben über die Unterschiede der Confessioneparteien, in denen sie i geboren sind, vermählen sich die Menschen dem Ruw ihr e Herzens gemäß. Der Erde zugewendet gruppiren sie sich nach oen verschiedenen Beschäftigungen, die in der gemeinsamen socialen Aufgabe enthalten find. Gemeinnütziges Wirken, edler Genuß, Freiheit des Umgangs und der Vereinigungen jeder Art rrcren so hervor als die reifen Früchte der vernichtenden Aufklärung, die, weit entfernt, blvjß zu negiren, vielmehr ui und durch die Negation wahrhaft aufbaut und bildet. Sehr beherzigenswerth ist endlich folgende Stelle in etnen, Artikel über die Entwicklungsstufe in der Judenfrage: Was aber in manchen Gegenden Preußens bereits eine fast vollendete Tbatfache geworden, die sociale Einigung, die Ausgleichung und Versöhnung der bisherigen Spaltungen, dem cst, wollen wir offen gegen uns selber sein, nicht allenthalben so, we.- *) „Keimt ein Glaube neu, „Wird oft Lieb' und Treu „Wie ein böses Unkraut ausgerauft." Goethe. Möchte ich Ihnen nur recht oft von dem, was in diesem Leiste mehr die Gesellschaft für sociale und politische Interessen der Juden thut, berichten können. %itevavifd>e Anzei^ ■wJL E. . •- ^HHeute wurde ' cb 3|ra.il-itischtn DoUts von der ältesten bis auf die neueste Zeit. Für gebildete Leser aus allen Standen. Von Br. Salomon Friedländcr. Mit Stahlstichen und Karten. 'Erste Lieferung. (9 Bogen Tert und 1 Stahlstich enthaltend.) In eleg. Umschlag geheftet. Preis % Thaler. Das ganze Werk erscheint in zwer Bänden ü 5 Lieferungen und wird complet fünf Thaler kosten. Nach Vollendung desselben tritt der Ladenpreis von sechs Thaler ein. Ich verpflichte mich ausdrücklich, nicht mehr als 10 Lieferungen ü l/3 Thaler zu berechnen; sollte das Werk also umfangreicher werden, so erhalten die Sudscribenten alle weiteren Lieferungen gratis. Jeder Lleferung wird ein Stahlstich oder eine Karte beigegeben. Ich enthalte mich aller Lobpreisungen über den Werth dieses Buches, fobere aber Jedermann auf, sich die erste Lieferung vom Buchhändler vorlegen zu lassen, denn dieselbe beweist zur Genüge, daß vom Verfasser und Verleger alles Mögliche geleistet wurde, um das Buch in die Hände des Volkes zu bringen, dessen Geschichte bisher noch nie im Geiste der neuern Zeit dargestellt wurde. Leipzig, am 1. Oktober 1847. Wilhelm lurany. Verlag der I. C. Hermann'scheu Buchhandin ng in Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offenbach.

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