Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 44 (31.10.1847)
- Date
- 1847-10-31
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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340 vielmehr in den dreißiger Jahren als Advokat ernannt, folglich unter der Regierung des jetzigen Königs Ludwig, der schon 1825 seinem Vater Mar auf dem Throne folgte. - M - Sociale Fortschritte. (Schleswig-Holstein.) — Bei einem kleinen Ausfluge in Nordalbingien, welchen ich vor einigen Tagen unternahm, bestätigte sich mir auf eine erfreuliche Weise die in neuester Zeit öfter gemachte Wahrnehmung, daß Juden und Christen unverkennbar in das Stadium der gegenseitigen Annäherung getreten seien. Und diese Wahrnehmung ist um so überraschender, als der größte Theil der Juden im hiesigen Lande auf den Handel angewiesen ist und intelligente oder einflußreiche Männer, selbst im Verhältnisse zu ihrer geringen Anzahl, zu den Ausnahmen gehören. Dennoch fungiren auch in einigen Städten (Altona, Glückstavt, Flensburg) Juden als Untergerichtsadvokaten und bald dürfte es sich entscheiden, ob man ihnen noch länger die Ausübung der Praxis vor dem Obergerichte vorenthalten will. — Ein jüdischer Advokat, Herr Schiff in Kiel, früher als Praktiker und Schriftsteller sehr angesehen, in seinen letzten Lebensjahren geistig und körperlich nur noch wie ein Schatten seiner ehemaligen bedeutenden Größe umherwandelnd, ist bekanntlich im vorigen Monat gestorben. Ihm zuerst war auch die Eingehung einer '^ehe gestattet worden. — Zahlreicher als die jüdischen ' sind die jüdischen Aerzte in beiden Herzogtbümcrn. deren vcrhälinißmäßig viele, aber auch Elmshorn, swig u. s. w. haben einzelne aufzuweiseu. — ‘•'ft in Altona, so zeigt sich auch in Rends- >'ale Ausgleichung im schönsten Gange, "nge im Bürgerverein den besten le sich der Geist der Einigkeit ''lienfeier eines langjährigen und erhebende Weise; \ Unterschiede immer ine nicht ganz unn ihrer nächsten der Juden als "lige Gleichmaß eine doch ^anwärtig die innigste Liebe zu seinem Baterlande an den Tag legt, die Juden, die mit ihnen ausgewachsen, gelebt und gelitten , länger aus den Reihen der Kämpfer für Freiheit und Recht ausfchließen sollten? In solchen Zeitläufen sollte man am allerletzten nach der Religion derer fragen, die sich unter dieselbe Fahne fchaaren wollen. Das politische Gewissen wird die Schleswig-Holsteiner vor einer solchen Verkehrtheit schützen, die ihren Feinden nur willkommen sein könnte und deren schadenftohe Ausbreitung sich gewiß nicht entgehen lassen wurden. PH. Verschiedenes aus Berlin. (Berlin., Ich freue mich sehr, Ihnen mittheilen zu können , daß ich gestern hier eine Besprechung veranstaltet habe, in Folge welcher die nachstehende, von heute an in weiterem Kreise circulirende Erklärung und Aufforderung von den Anwesenden (großentheils Christen) unterzeichnet wurde: Im Hinblick auf die in unfern Tagen immer bedeutsamer sich gestaltende Juvensrage, in der Voraussicht, daß sie nur dann ihrer vollständigen Lösung entgegengehe, wenn die sociale Trennung zwischen Juden und Christen gehoben, und in derUebcrzeugung, daß nach den jahrhundertlangen Bemühungen im Schooße des Jurcnthums selber, es endlich an der Zeit fei, daß wir Christen sie ihnen nicht länger allein überlassen, sondern gemeinschaftlich mit ihnen Hand anlegen, und zur gerechten Sühne der Vergangenheit unsre jüdischen Brüder in ihrem heiligen Streben unterstützen: in dieser | Ueberzeugung treten wir Unterzeichnete zusammen und erklären feierlichst vor aller Welt, daß wir uns verpflichten, aus allen Kräften und mit allen uns gesetzlich zu Gebot stehenden Mitteln, in Verbindung mit unfern jüdischen Brüdern dahin wirken zu wollen, daß alle, zwischen Juden und Christen noch bestehenden Vorurtheile unv in ihnen wurzelnden socialen Mißftänve gründlich gehoben, und dadurch jenes brüderliche Zusammenleben herbeigeführt werde, welches die Sehnsucht aller wahrhaft Aufgeklärten und zugleich die al - lein sichere Grundlage und Garantie der endlichen politischen Gleichstellung ist. Als Einwohner von Berlin sprechen wir es zwar freudig aus, daß wir selber diese sociale Trennung weniger als vielleicht im ganzen übrigen Deutschland empsinden, aber wir sind nicht so sehr vom Egoismus verblendet, daß wir darüber vergäßen, wie einmal selbst in unsrer eignen Mitte doch noch Manches zu wünschen und manche Schuld der Vergangen-