Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 44 (31.10.1847)
- Date
- 1847-10-31
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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346 Bemerkung. Es stad vier Fälle möglich. Ein Individuum s) ist auf dem Wege philosophischer Forschungen zu dem Resultate gelangt, daß ein einziger unv unendlicher Gott vorhanden. Ein anderes d) hat Forschungen angestellt, ohne auf dies Resnl. tat zu kommen; aber auch ovnc vom Gegentherl Überzeugt zu sein, unv begnügt sich mit vem Glauben an Gottes Eri-unz. ohne den philosophischen Beweis. Ern drittes c) hat überhaupt keine philosophischen Forschungen angrstellt, und nimmt das Dasein Gottes als Voraussetzung an. Ein vierter d) har philosophische Forschungen angcsiellt. und ist zu der Ueberzcugung gelangt, daß es kernen solchen oder mehrere Götter gebe. Es sind re) d) und c) hiernach mir dem ersten Gruavprurzip ver Genossen einverstanden, und nur d) kann kein Genosse sein. §. 2. Wir wollen: pojitive Religion, d. h. wir wollen das Bckenntniß eines einzigen und nnendlictien Gottes uno das daraus hcrvorgebende Verhäilmß des Menschen zu Gott, durch bestimmte Formen gemeinsamer religiöser Handlungen, wie durch bestimmte religiöse Einrichtungen mamsestiren. Bemerkung. Sowohl a) wie d) u. c) könnten entweder eine Mamr.statwn ihres Bekenntnisses überhaupt verwerfen, ihrem Glauben weder Form noch Ausdruck geben wollen, was bei vielen Individuen der Fall ist; ooer sie könnten die Gemeinsamkeit derselben verwerfen, und wie Viele Individuen sagen: ich manisestire meinen Glauben in meiner individuellen Weise, bete Gott in meiner Einsamkeit, beim Spaziergange, bei einem Sonnenuntergänge, oder sonst wie an, und will, daß jeder auch so nach seiner Indivitualität verfahre, hienach hätten a) b) und c) wohl die Disposition, um Genossen zu werben, alliin, mit dieser Ansicht könnten sie keine Genossen einer positiven Religion , die bestimmte übereinstimmende Normen als sichtbaren Ausdruck ihres BekcnntniW^h.tt, bilvci:. §. 3. Wir w o l l hl: Iudenthu m, d. b. wir wollen die bestimmten Formen und gemeinsamen Einriedrungen, die unseren Glauben an einen einzigen und unendlichen Gott, wie die Grnndlehren über Gott, den Menschen, und dessen Vcrbältniß zu Gott und seinem RrdenmenschsN manifestiren sollen, aus den biczu geeigneten Formen und Einrichtungen, Sprüchen und Lehren der von der Geschichte auf uns vererbten Religion der Juden: aus dem Judenthum, so wohl entnehmen wie forrentwickeln. Bemerkung. Wenn a) b) und c) auch eine positive Religion wollen, können sie jedoch entweder ganz neue noch nirgend dagewesme Formen und Einrichtungen Hiezu erfinden, und würden so eine neue Religionsgesellschaft, oder diese aus anderen bestehenden Rl!i..ionsgcsellschaften entnehmen, und so entweder in j.nen Reugionsgesellschaften aufgehen, oder eine neue Art derselben bilden. Zusätze zu §. 3. Ueber die Grundquellen der Neligion des Zudenthums. Als Grundquelle der Religion der Juden erkennen wir das in den jüdischen Vorvätern ossenhar gewordene Gottesbewußtsein, d. b. die Offenbarung Gottes durch den Geist unserer Vorfahren." Die BetHätigung dieses Gottesbewußtseins durch bestimmte Formen und Institutionen hat das Leben unserer Vorfahren durchdrungen, und diesem eine Gestaltung gegeben, welche wir Judenthum nennen; diese Formen und Institutionen, die ehemals nur im Leben zur Erscheinung gekommen sind, wurden später in Schriften niedergelegt, welche wir die Heiligen Schriften nennen. Bemerkung. Wir weisen Hiemit die bisher, wenn auch in neuerer Zeit wenig mehr geglaubte, so doch noch gepflegte Offenbarungslehre m supernaturalistischem Sinne, nach welcher eine einmalige Offenbarung Gottes unter Naturwundern statt gefunden, zurück und glauben nur an eine Offenbarung Gortes durch den Geist ver Menschen, d. h. durch das in Menschen zu Ueberzcugung und Ausdruck gekommene Gottesbewußtfein, das namentlich in ccn jüdischen Vorvätern in sehr hohem Maaße ver Fall gewesen. Nur in diesem Sinne sagen wir: Gott habe sich vorzüglich unfern Vorfahren offenbart. Wir äußern hiemit ferner, daß wir die Offenbarung, d. h. den zu Bewußtsein gekommene Glauben an Gott für älter halten, als das Zudenth u m, als die BetHätigung dieses Glaubens durch das Leben; und daß wir ferner das Iubenthum, diese BetHätigung durch das Leben, für älter halten, als die auf uns gekominenen Schriften. Wir stehen hiemit im Gegensatz zu der bisher rccipirten Annahme, daß die Schrift, namentlich die mosaischen Bücher, das Zudenthum geschaffen haben, wir halten vielmehr diese Schriften nur als Erzeugnisse des Iudenthums. Erst später, zur Zeit res zweiten Tempels, sind sie als Wiedererzeuger des neu zu begründenden Iudenlhums ausgenommen worben. Ueber die heiligen Schriften. Zn den Büchern der heiligen Schrift verehrt die Genossenschaft sowohl die Zeugnisse jener Offenbarnng, wie die Erkenntnifiquelle der in den Vätern zum Ausdruck gekommenen GortesvereHrung. Sie verehrt also die Bücher der heiligen Schrift als Erzeugnisse des von Hohem Gorresbewußtsein erleuchteten Geistes unserer Vorfahren, und entnimmt aus ihnen die Lehre über Gott, sein Verhältniß zu den Menschen, und die daraus hervorgehenden Pflichten des Menschen gegen Gott, gegen sich und gegen seinen Nebenmenschen, als ewige Wahr-