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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-10-24 · Heft 43 (24.10.1847) · page 5

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 43 (24.10.1847)
Date
1847-10-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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und warnte Fluß des Herzens, nicht jene stille Begeisterung für Religion ist bei dem Jüngern Geschlechte erkaltet, sondern nur jene versengende Gluth einer künstlich erhitzten Einbildungskraft, die verworrene Bilder aus Zeiten und Verhältnissen in unser Leben hineinzaubern möchte, welche der ruhige Entwicklungsgang der Geschichte längst vernichtet. Fürwahr, nicht gegen das Alterthum überhaupt, und auch nicht gegen das jüdische Alterthum als solches insbesondere, und auch nicht gegen die fromme Erinnerung an dessen verwichene Größe und Herrlichkeit ist der Kampf des neuauflebenden Geschlechtes gerichtet, sondern gegen den Traum, der das Alterthum verjüngt, die Vergangenheit vergegenwärtigt, gegen den Traum, sage ich, der den lebendigen Eindrücken der Gegenwart entrückt, die Erinnerung mit Erlebnissen verwechselt, verlebte und verblichene Erscheinungen an der Strablengluth seiner Phantasie künstlich zu erwärmen und zu beleben sucht, die Gegenwart zu verdrängen und die Vergangenheit zu verwirklichen strebt." Im zweiten Theile lesen wir folgende interessante Stelle: „ Es betont das Judenthum besonders scharf die Lehre der Gerechtigkeit in allen Wegen und Weisen. Es ist diese Lehre, sowohl in Beziehung auf Gott als auf Menschen vielfach mißverstanden worden. Man hat der Gerechtigkeit die gleich scharf betonte Liebe entgegen gestellt. Man verglich die Gerechtigkeit mit einer Wintersonne, die da leuchtet, ohne zu wärmen, während man die Liebe mit einer Gottesffamme verglich, die alle Fluthen nicht löschen können. Aber ich sage Euch, m. Fr., es geht nichts über die Gerechtigkeit, es gicbt nichts Höheres als die Gerechtigkeit! Die Liebe ist eine entzückende Blume, aber sie muß aus den Wurzeln der Gerechtigkeit entsprossen sein. Eine Liebe, die den Boden der Gerechtigkeit verlassen, ist eher mit einer Gluth zu vergleichen, die versengt, statt zu wärmen, verblendet, statt zu erleuchten. Halten wir fest, m. Fr., an jener Gerechtigkeit, die das Judenthum lehrt, aus der die Liebe naturgemäß sich entw.ckelt und als höchste Blüthe der Gerechtigkeit hcrvorwächst. Die Erfahrung hat's gelehrt, wohin eine Liebe führt, die die große Heerstraße der Gerechtigkeit verläßt, die ihren Weg allein gehen will und die Gerechtigkeit als Begleiterin verschmäht." — Und in ihrer ganzen tiefen, weisen Bedeutung wird im dritten Theile die Reformfrage erfaßt, wo der Redner u. A. Folgendes sagt: „Der Grundgedanke alles Dessen, was wir in dieser Beziehung zu leisten haben, ist bereits von uns angedeutet worden. Es hat nämlich die geschichtliche Entwicklung des Judcnthums seit vielen, vielen Jahrhunderten eine Richtung verfolgt, die mit derjenigen, welche die geschichtliche Entfaltung des menschlichen Geistes genommen, im härtesten Widerspruch sich befindet. Nicht blos ist unser privates und öffentliches Leben und Wirken durch diesen Zwiespalt von allen Seiten beengt und gehemmt; — wäre es nur dies allein, man könnte uns Vielleicht zumuthen, diese Beengung und Hemmung unseres Lebens und Wirkens um der Religion willen zu ertragen. — Allein der Widerspruch, m. Fr., liegt tiefer, nagt und zehrt an unserem religiösen Leben selbst. Die durch die allgemeine höhere Entfaltung des menschlichen Geistes gewonnene höhere religiöse Anschauung ist es, welche mit der einseitigen und schiefen Entwickelung des Judenthums in Widerspruch gerathen ist. Die im Lichte der Gegenwart erkannte höhere religiöse Forderung, die die Religion des Judenthums an uns, ihre Bekenner stellt, die Forderung: an der allgemeinen Entwickelung des Menschengeschlechts den innigsten, unverkürztesten Antheil zu nehmen, seine Aufgaben mit lösen, seine Zwecke mit fördern zu helfen, und in dieser allgemeinen und gemeinsamen Wirksamkeit oie göttliche Kraft und die prophetische Bestimmung des Judenthums geltend zu machen, das ist es, m. Fr., welches mit den tovten Satzungen des Juventhums, wie sie eine trübselige Vorzeit ausbilvete. in feindselige Zwiespältigkeit gekommen ist." — Möchte es dein hochstrebenden Manne gelingen, diese seine dreifache wichtige Ausgabe unter uns zu lösen, und möchte ihm vor Allem hiezu die Mitwirkung seiner Gemeinde nicht fehlen, deren Verhältniß zu ihm er selbst und gewiß mit Recht, als ein gegenseitiges, „auf gegenseitiger Belehrung und wechselseitiger Einwirkung beruhendes" bezeichnet. — Das Erndtefest in Fürth. (Aus Bayern.) — Je mehr man in neuerer Zeit mit jeder untergeordneten Erscheinung im jüdisch kirchlichen Leben mit übermäßigem Wortgepränge in die Oeffentlichkeit tritt und da jede Einweihung einer Synagoge oder Jnstallirung eines Rabbiners als ein Ereigniß darstellt — nennen doch selbst dte Cultusvorsteher Welbhausens die Einsetzung ihres Rabbtners am 13. Sept. eine hohe seltne Feier — desto mehr verdient ein am ersten Tage des Laubhüttenfestes in Fürths Hauptsynagoge gefeiertes Ernvte-Dankfest, wodurch das Wort des Herrn (5 B. M. 23, 39 unv ib. 16, 13—19) so zu sagen wieder zu einer Wahrheit wurde, sowohl wegen der Sinnigkeit der Ausführung als um der zu Grunde liegenden Ideen willen ein. nähere Besprechung. Dem Israeliten, besonders in der Staot, stand unv steht die Natur ferne; er genießt ihre Gaben ohne weder ihre wun dersamen Gebilde und Entwicklungsperioden, noch die zahlreichen

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