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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-10-24 · Heft 43 (24.10.1847) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 43 (24.10.1847)
Date
1847-10-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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339 liscben Sagen, sondern auck» in jene glückliche Zeiten selbst, wie sie uns die Idylle „ Ruth", und das Ge* dicht Schir Haschirim" so lieblich schildern. Hiermit hängen diejenigen Gedichte zusammen, in welchen der Dichter seinem schmerzlichen Gefühle über verkümmertes Recht Ausdruck verleibt. Wie zart und würdig, von echtem Patriotismus durchdrungen, auch diese Lieder gehalten sind, so können wir den Wunsch doch nicht unterdrücken, daß dieselben, für Deutschland wenigstens, ibrem Znbalte nach antiquirt, nur historischen Werth behalten möchten. Indem wir die in der Sammlung befindlichen zum Tbeil schon früher veröffentlichten Parabeln und Balladen des Raumes wegen hier übergehen müssen, können wir nicht umhin, eine andere, obgleich nicht vom Dichter bezeichnet Abtbeilung, wenigstens kurz zu erwähnen. Diese Abtbeilung enthält religiös-philosophische und allegorische Gedichte, welche durchgehends trefflich, mitunter ausgezeichnet zu nennen sind, und welche sämmtlich Zeugniß geben von der Gedankentiefe, der gereiften Lebensansicht und der männlich-edlen Gesinnung ihres Berfaffers Zu diesen gehört auch sein Glaubensbekenntniß: Wir stammen ab von einem Baum Mit weit verzweigten Aesten, Deß Wurzeln tief im Morgenland, Deß Zweige weit im Westen. Wir nennen unsren Herrn und Gort Den Höchsten und den Besten, Den einst mit uns v erehren wird Der Osten und der Westen. Doch nicht alle sind von dieser ruhigen, durchsichtigen Klarheit. Denn wenn auch auf der Warte geläuterter Ansicht stehend, so macht der Dichter dennoch kein Hehl daraus, daß die Nebel des Zweifels ihm den freien Blick etwas trüben. Diese Offenheit ist nur zu lobe»!, Denn wer kann auch sagen: „ich habe mit meinem^enken bereits abgeschlossen und bin am Ziele der Gewißheit angelangt!" Aber auch die Fragen und Zweifel sind mit aller Schonung und Pietät ausgedruckt, manchmal bloß angedeutet, so daß die Sammlung unbedenklich der Jugend in die Hand gegeben werden darf. Ja gerade für die Jugend möchten die Lieder besonders geeignet sein, um derselben die biblische Welt in ihrem rechten Lichte zu zeigen. Ein lieblicher, poetischer Glanz soll diese Welt umschweben, um noch milde Strahlen zu werfen in die unrub- und sorgenvolle Zeit des Bernfslebens. Möchte dem Büchlein, welches mit hübscher Ausstattung billigen Preis verbindet, die Verbreitung werden, die es so sehr verdient! — Frankfurt ä. M im Oktober 1847. vr. Heinrich B i h r. Geschichte des Tages. Gesellschaft für sociale und politische Interessen der Juden. (Hamburg im Okt.) — Ich erlaube mir heute die Aufmerksamkeit Ihrer Leser aus vie hier erstandene neue Zeitschrift, Ph önir betitelt, zu richten, va ffe einem edlen, hochherzigen Zwecke gewidmet ist, ver Förderung der socialen und politischen Interessen ver Zuven. — Die erste Anregung dazu gab eine Schrift von Dr. Anton Ree „die Sprachverhältniffe der heutigen Juden, (Hamburg 1844). Hier war es zum erstenmal auf's Enlschievenste ausgesprochen, daß es für die Juden nicht blos aus politische Emancipation, sondern auch auf sociale Besserung nach Innen und nach Außen ankomme. — Die in dem Briefe gegebenen Andeutungen hatten jedoch keinen weiteren Erfolg. Allein unabgeschreckt dadurch erließ der Verfasser am 8. Mar 1845 eine Aufforderung zu einer Besprechung in jüd. Angelegenheiten an einen Kreis v. durch sociale Stellung und Intelligenz besonders bekannten Männern der hiesigen Gemeinde, in welcher er ''eine in der gedachten Schrift berührten Ideen entwickelte unv zur Bildung einer Gesellschaft in diesem Sinne aufforverre. — Diele kam nun auch zu Stande und die versammelten Christen und Juden waren varm einig, alle ihre Thatigkeit vahin zu richten, daß alle Unterschiede zwischen Juden undChriste,, mit Ausnähme der rein religiösen aufgehoben werden. — Eine Frucht dieser Gesellschaft ist nun das oben gedachte von ihm derausgegebene Organ, von welchem bereits mehrere Nummern erschienen, und das, wenn es eine Verbreitung findet, für den frag, lichen Zweck recht gedeihlich zu wirken verspricht *) Ich will es versuchen, aus den ersten drei Nummern einiges Wichtige hier wikverzugeben. So heißt es gleich in dem ersten Artikel über Gewissensfreiheit und sociale Einigung: *) Wir könncn dieses ebenfalls bezeugen, und wünschen dem Blatte die ganze volle Theilnahme, welche seme Tendenz anzusprechen berechtigt ist.

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