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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-10-17 · Heft 42 (17.10.1847) · page 5

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 42 (17.10.1847)
Date
1847-10-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
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333 zu verklären, zu versittlichen, zu heiligen, es in e'nen Zwiespalt mit ihr gebracht, aus welchem dieses sich nun wieder zu befreien sucht, ja diese Befreiung so stark und entschieden fordert, so kühn für sich selbst ausführt, daß die Lehrer der Orthodoxie selbst nicht widerstehen, aber — und das ist sehr erklärlich und auch gut — dabei sich einreden, sie hätten die Grenze, welche die Orthodoxie, wäre sie die ernste, feste, rücksichtslose der früheren Zeit, nimmermehr überschritten, auch gewahrt. — So freut sich selbst ein Saalschütz, der bei seiner sehr sittlichen Lebensauschauung doch den Zeremonien (vermuthlich weil seine Muße ihn nicht auf die geschichtlichen Entstchungsgrünoe derselben führte) eine hohe romantische Verehrung bewahrt, des Sonntagsgottesdienstes, und nennt es ein Werk das segensreich und fruchtbar in seinen Folgen sein könne; wir freuen uns übrigens wie gesagt, aus anderem Grund, ja vom ganz entgegengesetzten Standpunkre aus mit ihm, und glauben auch, aber nur von diesem Slandpunki aus mil Recht, daß jener Gottesdienst fruchtbar und segensreich in seinen Folgen sein werde. Jüdische Gebete. (Ans Würtemberg.) - So sehr Gebete edler Diktion Geist, Gemüth und Wandel veredeln können; eben so nachtheilig wirken solche mit schlechten Bestandtheilen. Deren aber haben wir — und wir fassen heute diejenigen ins Auge, welche un. serm Zeitgeist nicht mehr entsprechende, mystenöse, abergläubische Dinge enthalten. Eine vollständige allgemeine Umgestaltung unserer Gebete können wir in nächster Zeit nicht erhoffen. Suchen wir daher das Schädlichste, Anstößigste zu beseitigen. Der Lehrer bestrebt sich in der Schule, die Jugend zeitgemäß zu bilden, sie über die Verwerft.chkeit des Aberglaubens zu belehren, von allem Abergläubischen abzuhalten; der Rabbiner. Prediger ergreift auf ver Kanzel jede Veranlassung, die Begnffe seiner Gemeinde zu läutern, ihr das Lächerliche, Widersprechende des Aberglaubens im gemeinen und im religiösen Leben zu zeigen; der gewissenhafte Vorstand möchte seine Gemeinde allseitig gehoben wissen; und dennoch dulden meistens alle drei, daß diesen Bestrebungen zuwiderlautende Gebete öffentlich rezitirt werden, tragen diese entweder selbst vor, oder sprechen solche mit. Von ver. artigen Gebeten nennen wir nur den durch die Aroniden vor« zutragendcn Priestersegen mit Zubehör (Nesiath Kapajim). Da begegnen wir einem Bittgebet wegen böser Träume! Wer glaubt noch an die Wichtigkeit der Träume, welche denselben hier vindicirtwird? Wer suchtet Unglück von ihnen betrachtet sie als Vorboten deS Heils? — Was wollten wir dem Christen entgegnen, der uns über den Inhalt eines solchen Gebetes zu Rede stellte? — Und dann das Schlußgebet! Was sollen die nichtssagenden Zwei und zwanzig? Was soll sich der Betende bei ihnen denken? Wo glaubt man noch an die übernatürliche Wirkung eines Buchstaben wie sie hier denselben beigelegt, von den göttlichen Na?n, welche da ertrahirt werden? „Wenn dich dein Sohn fragen wird" was willst du da antworten? — Nehmen wir die mit dem Schopharblasen am Neujahrsfest zusammenhängenden Gebete. da degegnen wir einem Heere von Engelsnamen, von denen Hunderte nicht missen wie man sie aussvrichk, oder was sie sich Dabei denken sollen! — Selbst den leibhaftigen Satan läßt man hier eine große Rolle spielen; fürchten uns vor ihm; suchen ihn zu täuschen, zu verwirren! — Dem ganzen Akt des Schofarblakens ist hier eine widersinnige Bedeutung unterschoben. — Wir lassen es dahingestellt, ob dieses Blasen überhaupt noch in unsere Zeit tauge. Doch der Akt ist und bleibt wohl noch lange Zeit im Gang. — Reinigen wir ihn daher von allem Mysteriösen, Abergläubischen. Streuen wir wenigstens die passendsten der 10 Gedanken ein, wie sie Rab. Saavjah heranbringt. — Solcher Gebete und Gebräuche find immer noch mehrere bei uns gang und gäbe. — Wohlan, Alle, die ihr die höheren Interessen Israels zu leiten habt, redet nicht blos — handelt auch! Zeiget zuerst, daß ihr von der Wahrheit eurer Worte überzeugt seid! Gleichet aus die Unebenheiten zwischen eurem Denken, Reden und Thun. — Räumet soviel ihr vermöget aus der Synagoge und dem Hause Gebete und Gebräuche, die Ideen enthalten, welche nicht mehr dem Israeliten des 19. Jahrhunderts taugen, die sinnlose verkehrte Gedanken enthalten! Stellet dafür Worte, welche den Geist erhellen, das Gemüth erwärmen, das Herz erheben, das Leben fruchtbar machen! — (Berlin.) — Das in No. 36 dieser Blätter erwähnte Circularschreiben ist nun in folgender Fassung erschienen: Das provisorische Eentral - Comitv der Genossenschaft für Reform im Judenthum macht hierdurch bekannt, daß am 25. Oktober dieses Jahres und in den nächstfolgenden Tagen Hierselbst eine Versammlung jüdischer Reformfteunde zur Berathung der gemeinsamen Interessen statt finden wird, und fordert zu allgemeiner Theilnahme an derselben auf. Gestützt auf die Ueberzeugungen, mit denen wir im Aufruf vom 2. April 1845 das gegenwärtige Religionsbewußtsein

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