Mannheim
Compact Memory

Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-10-17 · Heft 42 (17.10.1847) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 42 (17.10.1847)
Date
1847-10-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2566751-2567098-2567141--2854-2570820
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

333 und fernen Freunden und mir selbst schuldig zu sein, mich über die Tendenz und kurze Geschichte unserer neuesten Gemeinde- Einrichtung in einigen Worten auszusprechen, um eine gerechte Würdigung derselben möglich zu machen. Es wird sich zeigen, daß die Königsberger Gemeinde hierbei dem Wege treu geblieben ist, den wir bisher glücklich und in Frieden, bei allen von dem religiösen Momente berührten Institutionen in Synagoge und Haus, eingeschlagen haben, es ist der des Fortschrittes auf der Basis des Gesetze«. Schon vor zwei Jahren wurde von einem überwiegenden Theile der Gemeinde darauf gedrungen, daß (am Sonnabende) ein deutscher Gottesdienst statt finden möchte. Dies wurde, durch meine damaligen Bemühungen dahin modificirt, daßDeutsche Gebete mit den Hebräischen abwechseln sollten, nach Maßgabe eines damals im Druck erschienenen liturgischen Entwurfs. Zndeß stieß solches auf mancherlei Schwierigkeiten, indem von frommen Männern in der Gemeinde zwar die Einfügung Deutscher Gebete genehmigt wurde, so aber, daß dieselben nur die Predigt umgeben sollten, anstatt daß die ursprüngliche Idee dahin ging, den ganzen Gottesdienst von dem Deutschen Elemente mit durchdringen zu lassen. Von anderer Seite aber wurde jede dergleichen Umänderung nicht gern gesehen und statt deren, für Deutsche Gebete, der Sonntag in Vorschlag gebracht. Dies wurde uun von Vielen lebhaft ergriffen, obschon mir eine solche wesentlich neue Einrichtung, der freilich keine rituellen Bestimmungen entgegenstehen, nicht ganz unbedenklich erschien. Jndeß vielfache Bemerkungen mußten, nach 2jährigem Zögern, diese Bedenken besiegen. Dahin gehört namentlich, daß nicht allein eine große Anzahl unserer Gemeindemitglieder behauptet, am Sonnabende schlechterdings am Besuche des Gottesdienstes verhindert zu werden, was uns freilich in mehrfacher Beziehung nur schmerzlich sein kann, sondern auch der allerdings nicht zu ändernde Umstand, daß die gesammte Jugend, im weitesten Sinne des Wortes, fast nie, oder doch nur sehr ausnahmsweise dazu kommt, den Gottesdienst zu besuchen. Alle die vielen jungen Leute, die sich der Handlung, oder den akademischen Studien widmen, diejenigen, welche Schulen besuchen, Jünglinge, Knaben und Mädchen, alle diese sind, durch ihre Beschäftigungen und unabänderlichen Pflichten, am Sabbath nicht in dem Falle, zur Synagoge kommen zu können. So sind wir in Gefahr, die ganze aufblühende Gcner.tion unsrer Gemeinde, die Hoffnung unsrer Zukunft, der Synagoge, der Religion und dem Gemeinde wesen sich entfremden zu sehen, da der Religionsunterricht, während einiger Jahre der Jugend, unmöglich die gottesdienstlichen Anregungen für das ganze Leben entbehrlich machen kann oder soll. Dieser Zustand, der möglicher Weise in andern Gemeinden sich nicht mit solcher Entschiedenheit geltend macht, schien mir noch weit bedenklicher als alle frühcrn Bedenken, die jene Gemeinden vielleicht noch länger so glücklich sein werden, berücksichtigen zu können. So entschloß ich mich denn, dem Gememde-Vorstände meine Bereitwilligkeit für eine auch außersabbathlich einzurichtendc Andachtsstunde zu eröffnen. Ich halte es nicht für gerathen, der in der Geschichte sich darbietendcn Erfahrung Trotz zu bieten (die Israels Lehrer in dem letzten Jahrhundert nicht immer beachtet haben) daß, wer nicht zur rechten Zeit in einem geringen Theile nachzugeben sich entschließen kann, später kaum das Ganze wird retten können. Dem ehrenwerthen Eifer, mit welchem der Vorstand der Gemeinde alle Hindernisse aus dem Wege zu räumen suchte, verdankt man es, daß das Vorhaben unverweilt ins Leben treten konnte. Es versteht sich von selbst, daß von keiner Seite her ein Versuch gemacht wurde, dem Sabbath, in seiner Weihe und Feierlich, fett, irgend Abbruch zu thun. Gottesdienst und Predigt an demselben bleibt, wie bisher. Nur wird auch am folgenden, geschäftsfreien Tage eine Stunde gemeinsamer Erbauung gewidmet, deren formelle Einrichtung so einfach als möglich gehalten ist. Also die Worte des Herrn JDr. Saalschütz, gegen welche uns nur einige Bemerkungen erlaubt sein-mögen: Wenn der Redner auch von seinem Standpunkte aus die neue Einrichtung als eine unschuldige ansieht, oder von keiner Seite her ein Versuch gemacht wurde, dem Sabbath in seiner Weihe und Feierlichkeit irgend Abbruch zu thun „fo ist dieses glücklicherweise eine recht heilsame aber doch von jenem Standpunkte aus, irrthümliche Ansicht. Denn die Orthodorie darf immer zugeben, daß für die, welche am Sonnabende am Besuche des Gottesdienstes verhindert werden," ein Sonntagsgottesvienst, sei auch diese formelle Einrichtung so einfach als möglich gehalten, eingerichtet werde. Sie muß es vielmehr beklagen, daß Gemeinveglieder durch ihre Beschäftigung nicht in dem Falle sind, Sabbaths zur Synagoge zu kommen, muß sich der Hoffnung hingeben, daß dieses durch Veränderung der Verhältnisse und Kräftigung des religiösen Sinnes anders und besser werde, darf am wenigsten jenen Beschäftigungen den Charakter „unabänderlicher Pflichten" beilegen, und, die Sabbatsbeschäftigung sanktioniren dadurch, daß sie für den Sonntag einen Gottesdienst einrichtet, wodurch dieser in den Augen des Unbefangenen nach und nach zum Sabbath wird, denn der Gottesdienst ist und bleibt das wesentliche Requisit des Sabbaths, macht und erhebt ihn dazu. — Aber so geht es und wir von unserm Standpunkte rufen gottlob! — in allen Dingen. — Man hat, statt das Leben durch die Religion

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.