Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 42 (17.10.1847)
- Date
- 1847-10-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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331 „zu den beklagenswerthesten Erscheinungen der neuern Zeit zu zählen sein dürfte", eine Meinung, die nur der theilen könnte, welcher, wie sie in diesem Schreiben, es sich zum Ruhme nachzusagen geneigt wäre, daß er hinsichtlich seiner geistigen Erkenntniß unv Befähigung noch auf demselben Boden stehe, „auf welchem er heute vor 77 Jahren gestanden", mit andern Worten, daß er in diesen langen Jahren nichts gelernt und nichts vergessen habe; diesem wäre,'auch die Freude zu gönnen, solch ihm anklebendcn verwitterten Rost mit ihr als „angelobte alte Treue" zu bezeichnen, wie es Mitgliedern der brandenburgschen Ritterschaft z. B. unvcrwehrt bleiben müßte, etwa den Landtags-Abgeordneten von Thadden als Preußen der ächtesten Muster-Ra^e darzustellen. Diese Großloge hatte unterm 14. Februar d. I. der Hamburger angezeigt, daß sie sich außer Stand befände, nichtchristlichen Maurern den Logen- Besuch zu gestatten, und folgende etwas räthselhafte Bemerkung hinzugesügt: „Ob die Zukunft vielleicht einen Ausweg in „ihrem Schooße birgt, auf welchem sich, ohne Verletzung un- „serer Grundprinzipien, zu einer Ihren Wünschen entsprechen- „den Ausgleichung gelangen läßt, können wir weder einseitig, „noch in diesem Augenblick als einen Gegenstand unserer Be- „urtheilung betrachten, müssen die Entscheidung darüber viel- „mehr lediglich der Zukunft überlassen." Die Hamburger Großloge ließ sich auf kein beschwichtigendes Diplomatisiren ein, sondern gieng, wie gemeldet, den gradcn Weg. Und siche da, dem Schooße der Zukunft ist der Ausweg kurz darauf schon entstiegen; die vereinigten preußischen Großlogen haben nehmlich seitdem den förmlichen Beschluß gefaßt, in Zukunft besuchende Maurer nicht mehr nach ihrem Glauben zu fragen, worauf hin die Großloge von England den früher» Verkehr mit denselben wieder ausgenommen hat, was auch von Seiten der Hamburger gleichfalls entweder schon geschehen ist oder doch bald geschehen wird. Nun hat sich gar die hiesige Loge „zum Adler", welche bisher dem französischen Logenverbande angehörte, und deren Mitglieder sich mit geringer Ausnahme zum jüdischen Glauben bekennen, dem Hamburger angeschloffen; „eine der betrübcndsten Erscheinungen unsrer Zeit", kann die große Landesloge zu Berlin aus ihrem erwähnten Rundschreiben wiederholen. Jüdische Zustände. Hamburg unv Altona im Sept. (Schluß.) Die freisinnigen Aeußerungen mehrerer Mitglieder der Rabbiner - Versammlung, nicht minder aber das Beispiel der Berliner Reformgenossenschaft haben einen solchen Eindruck auf die hiesige Gemeinde gemacht, daß es Herrn vr. Hold heim unter Zustimmung fast aller Gemeindegliever gelang, einen Gottesdienst hier einzuführen, dem in Beziehung auf Reform in ganz Mecklenburg keiner gleich kömmt. Es ist nämlich derselbe mit wenigen Ausnahmen (namentlich, t^p; die drei ersten rwo der '/W und das Vorlesen der Thora) ganz deutsch, und werden einstweilen bis zum Erscheinen des Gebetbuches der Rabbinerversammlung die Gebete der Reformgenoffenschaft in Berlin, und wo diese nicht ausreichen, das Hamburger Tempel - Gebetbuch gebraucht. Auch find die m*py gänzlich abgeschafft, indem nur der Religionslehrer die nnc spricht. — Es läßt sich erwarten, baß die hiesige Gemeinde auch sonst nicht zurückbleibt, wo es das Bessere gilt. Nun so hat sie auch in diesem Jahre zum Besten der Rabbinerversammlung reichlich gespendet und unserm verehrten Land-Rabbinen bei seinem letzten Hiersein einen Pokal verehrt, auf welchem die Worte bp Pniqip -in und (auf der andern Seite) Ihrem hochverehrten H. die Gemeinde zu Stavenhagen zu lesen. Möchte der gefeierte Lehrer auch in der Folge unsrer eingedenk bleiben, und in den Erfolgen seines praktischen Wirkens nicht minder den Sieg des Lichtes und der Wahrheit sehen, welchen er im Gebiete der Literatur so reichlich zu fördern gewußt. Der Sonntagsgottesdienst. (Königsberg im Sept.) Unter den vielerlei Nachrichten, welche die politischen Blätter über den Sonntagsgotteseienst der hiesigen jüdischen Gemeinden g«bracht, ist auch manches Falsche und Jrrthümliche unterlaufen, so daß ich glaube, mir den Dank Ihrer Leser zu verdienen, wenn ich Ihnen das was unser Prediger selbst, der würdige Dr. Saalschütz, über jenen Gottesdienst in dem Vorwort zu der ersten nunmehr gedruckten Predigt *) bei demselben äußert, mittheile. Es lautet wörtlich: Indem ich, um den mir ausgesprochenen, ehrenvollen Wünschen zu genügen, die folgende Predigt dem Druck übergebe, glaube ich in Rücksicht der besonder» Veranlassung, in welcher sie gehalten wurde, es der Oeffentlichkeit, so wie meinen nahen *) Wie können diese« Vortrag, (Königsberg bei Samter) welcher vor uns liegt, als einen äußerst gediegenen, den Kern des Judenthums treffend auffaffenven und mit tief religiösem Sinn tn die Anforderung der Zeit eingehend allen unfern Lesern empfehlen. Die Reo.