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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-10-10 · Heft 41 (10.10.1847) · page 7

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 41 (10.10.1847)
Date
1847-10-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
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327 Das Gebetbuch betrf. (Aus Würtemberg.) Auf Verwenden der itzMlitischen Oberkirchenbehörde ist den Rabbincn des Landes eine Theuerungszu« läge von 50 fl. vcrwilligt worden. Durch die seit 1838 ringeführte Synagogenordnung sind von den Piutim für Schalosch Rcgalim, von den Selichoth, den Kinoth rc. ungefähr drei Viertheile kasflrt worden. Wir haben aber immer noch die betreffenden Gebetbücher komplet in Händen. Wer sich die neuen anschafft, kann darum von einem Gulden Büchcrwcrth nur beiläufig für. */* fl. benützen. Er trägt ein verhältnißmäßig schweres Buch zum Gotteshaus, wovon er nur eines geringen Theils bedarf. Für den Vorsänger wie für die Gemeindegenossen ift's aber sehr beschwerlich und störend, die Gebete, welche nicht mehr gesprochen werden zu überschlagen und die andern allzeit präsent zu haben. Man hört daher vft den Wunsch, daß eine Zusammenstellung der noch gültigen obengenannten Gebete veranstaltet werden möchte. Dasselbe würde sich bei einer Seelcnzahl von circa 11,000 wohl rcntiren. Es wäre nicht zu befürchten, daß solche bald außer Werth käme; denn zu den Fleischtöpfen Egyptens sehnenwiruns nicht mehr zurück: die abgcschafften Piecen werden nicht mehr restituirt; vorwärts aber,' so daß die betreffenden Gebete sämmtlich beabschiedet würden — kommen wir so schnelle auch nicht. Unsere Oberkirchcnbchörde ist auch in diesen Stücken eine ächtWürtembergische: langsam und bedächtig. — Am Geburtstag unseres Königs wird in den Synagogen wie in allen Kirchen des Landes Vormittags 9 Uhr ein Gottesdienst abgchalten. Dieser wird aber im Allgemeinen, wenn er nicht auf einen Sabbath, Festtag rc. fällt, nicht stark besucht. Die wenigen Gemeindeosfizianten, die Schuljugend und etliche Bürger sind Alles was sich um den Prediger sammelt. Unsere Israeliten auf dem Lande sind im Allgemeinen nicht geeignet morgens um 9 Uhr wegen einer Predigt sich in bessere Kleidung zu werfen und das Gotteshaus zu besuchen. Auch gestattet es vielen die Zeit nicht. Wäre da nicht zweckmäßiger von der Form abzustehen und eine passendere Zeit zu wählen? Diese wäre, wenn man jenen Akt indcn Schachariih-Gottesdienst einschaltete. Auf diese Weise würde der größte Theil der Gemeinde der Predigt anwohnen, so manches Erspriesliche von König, Vaterland und betreffenden Pflichten vornehmen, und die zur Ehre des Königs veranstaltete Feier höhere Weihe und mehr praktischen Werth erhalten. — Am 2. August fand im Bürgerlokale in Stuttgart, eine Besprechung Statt, an der viele Bürger sich betheiligten. Unter Andern wurde gerügt, daß der dortige Stavtrath den Deutschkatholiken das gemeindebürgerliche Wahlrecht abgesprochen habe (was derselbe bis jetzt wieder abgeändert hat). Dabei bemerkten mehrere Bürger „es sei jetzt nicht mehr die Zeit wo man sich wegen religiöser Meinungsverschiedenheiten anseinde und nur Derjenige könne als ein rechter Bürger angesehen werden, der ein braver Mann sei.» Verschiedenes. (Bayern, im Sept.) — Empfangen Sie hiermit einige Neuigkeiten aus unserm Vaterland, die für die Leser Ihres BlatteS nicht ohne Interesse sein mögen. In München verstarb kürzlich der Geschäftsführer einer Lederhandlung Herr Heinrich Breslau. In seinem Testament bestimmte er ein Kapital von 10,000 fl. beziehungsweise 18 000 fl., aus dessen Interessen unbemittelte isr. Hanvwerkslehrl.nge und Ackerbauer eine namhafte Unterstützung empfangen sollen. Als Verwaltungsbehörde hiezu bestellte er die isr. Vorstanvschaft daselbst. Er könnte gewiß keine bessern wählen. Breslau war ein Bruver des dortigen ArzteS und Hofraths Dr. Breslau, welcher der jüdischen Confession nicht mehr angehört. — Der Professor vr. Döllinger daselbst, bekannt als kine Hauptstütze der Ultramontanen und als ein heftiger Gegner unserer Ansprüche auf bürgerliche Gleichstellung, ist dieser Tage in den Ruhestand versetzt, somit seiner Eigenschaft als Abgeordneter enthoben worden. Seiner absonderlichen Ansichten bezüglich unsrer Sache und wie er eine gar große Zärtlichkeit für das alte corrupte Iudenthum an den Tag legte, wurde seiner Zeit in diesen Blättern gedacht. Warten wir, was sein Ersatzmann, Professor vr. von Bayer uns sein wird. — Die Geschichte des „faulen Fleckens" (S. No. 1 d. Z.) scheint vorläufig ihrem Schlüsse sich zu näher. vr. Weinmann ist von der k. Negierung als Rabbiner von Welbhausen bestätigt worden. Die Einsetzung selbst fand noch nicht Statt und so lange diese nicht Statt hat, kann immer noch nicht mit Bestimmtheit behauptet werden, ob Zucker oder Salz den Sieg davon getragen. Von unserm neuen Cultusministerium kann ich Ihnen bezüglich unsrer Sache immer noch nichts Bestimmtes berichten, ja eS möchte schier gerathen sein die Hymnen noch etwas ruhen zu lassen, bis Thatsachen sprechen werden. Ob die Errichtung einer Obersynagogenbehörde jetzt zu beantragen sei, wie viele wünschen, ob im Entsprechungsfall, der noch sehr fraglich, sie dem Wunsche der Fortgeschrittenen enrsprechen werde, ob'wir nicht vom Regen in die Traufe kämen, ob

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